Elisabeth Gnade gefunden ; daß die Angst , welche sie um ihn empfand , der Entschluß , auch das Aeußerste zu seiner Rettung zu versuchen , mehr war als Dankbarkeit - ja , er ging in seinem Mißtrauen noch weiter : er begriff wohl , daß Elisabeth ' s unbegrenzter Stolz ihr nicht erlaubt hatte die Hülfe des Königs für sich selbst anzurufen , da sie derselben bedurft hätte , daß sie nicht ertragen mochte , sich ihm verdächtigt und erniedrigt zu zeigen - aber er dachte , daß sie wohl gern eine Gelegenheit benutze , König Max wieder an sich zu erinnern . In der That war es eine günstige Zeit , in welcher sie nach Augsburg kam . König Max hatte eben eine der schönsten Handlungen seines Lebens gethan : einen unheilvollen Krieg im Herzen Deutschlands und deutscher Heere wider einander verhindert und damit gleichzeitig inmitten der eigenen Familie endlich Frieden und Versöhnung gestiftet . Der schwäbische Bund hatte , dem Aufruf Kaisers Friedrich gehorsam , wider den Baiernherzog Albrecht , seinem Schwiegersohn , der sich ohne sein Wissen und Willen mit Friedrich ' s Tochter Kunigunde vermählt hatte , ein mächtiges Heer in ' s Feld gestellt , in welchem 2150 Reiter , 18,000 Mann Fußvolk und 57 Kanonen , von freien Rittern und Knechten aber 1600 gezählt wurden . Da erkannte Herzog Albrecht die Bedenklichkeit des Streites . Er sprach die Hülfe seiner Vettern , der Pfalzgrafen an , doch selbst Herzog Georg von Landshut schrieb ihm ab und gab sogar die ihm verpfändete Markgrafschaft Burgau heraus , um nur den Frieden des Kaisers zu behalten . Er schrieb an die Reichsstände und erbot sich vor dem römischen Könige , vor den Kurfürsten von Mainz und Trier , dem Grafen Eberhard von Würtemberg , ja selbst vor des Bundes Häuptern wegen Regensburg vor Recht zu stehen : aber das Reichsheer achtete nur auf den Befehl seiner Führer , namentlich des Markgrafen Friedrich von Brandenburg , und bewegte sich vorwärts . Bei Stadel , wo die Herzöge Wolfgang und Christoph mit 200 Mann zu Pferde und einigen Hundert Mann Fußvolk hinzustießen , ward eine Brücke über den Lech geschlagen und das Heer hinübergeführt . Es nahm ein Lager bei Kaufring , unweit der schlagfertigen Baiern ein . In diesem Augenblicke , wo man eine blutige Schlacht zweier deutscher Heere gewärtigte , erschien König Max im Lager und verkündigte , daß er einen Tag nach Augsburg zum Vergleich dieser Sache angesetzt habe , und daß Herzog Albrecht denselben mit der Absicht beschicken wolle , den Wünschen des Kaisers Genüge zu leisten . Brüderlich und dringend hatte Max seinen Schwager ermahnt , dem Unglück des deutschen Vaterlandes , auf dem ohnehin große Noth und Theuerung lastete , durch verständige Nachgiebigkeit Einhalt zu thun , es nicht geschehen zu lassen , daß durch den Trotz der Fürsten Tausende ihrer Tapfern in den Tod gejagt würden , ohne dem Vaterlande einen Gewinn zu bringen . Seine Schwester Kunigunde hatte ihre Bitten mit den seinigen vereinigt , und so gab Albrecht endlich nach . Von frohen Hoffnungen beseelt kam Max in das Lager des Reichsheers , und nachdem er von dem Markgrafen Friedrich einen Waffenstillstand erlangt , nahm er die Bundeshauptleute Hugo von Wartenberg und Wilhelm Besserer mit sich nach Augsburg , wo Herzog Georg schon mit Vollmacht seines Vetters Albrecht wartete und auf die an diesen gestellte Forderung solche Sicherheit gab , daß noch vor Ende des Waffenstillstandes der kaiserliche Fiskal Johann Keßler dem Heere den Austrag des Streites und die Einstellung der Feindseligkeiten verkünden konnte . - Wie freute sich Max , daß es ihm endlich gelungen war die Seinen zu versöhnen , woran er seit acht Jahren vergeblich gearbeitet hatte ! Keine Stunde länger als nöthig mochte er im prächtigen Augsburg bleiben , sondern wollte zu Herzog Albrecht eilen , um ihn und Kunigunden mit sich nach Linz zu führen zu dem greisen Vater , damit er vor seinem Ende noch segnend die Hand auf das Haupt der erst verstoßenen Tochter lege und zum ersten Male ihren Gatten als Sohn willkommen heiße ! - In diesem Augenblicke war es , als Elisabeth von ibrem Bruder Georg und Stephan Tucher begleitet in Augsburg eintraf . Schon war der König zur Abreise gerüstet und saß mit Kunz von der Rosen beim Frühstück , um noch einen kräftigen Imbiß mit auf den weiten Weg zu nehmen . Noch einmal stieß dieser fröhlich mit ihm an auf das gelungene Friedenswerk - da trat ein Edelknabe hastig ein , so daß Max aufbrechend rief : » Nun , sind die Rosse gesattelt und gezäumt ? Auf mich soll Niemand zu warten haben ! « » Verzeiht , « antwortete der Eintretende , » ich wollte wohl Eurem Befehl folgen , Niemanden vorzulassen , da Ihr durchaus nicht aufgehalten sein wollt ; aber eine trauernde Dame verlangte von mir Euch gemeldet zu werden , und da ich mich dessen weigern wollte , gab sie mir diese Nadel - ich müsse sie Euch geben , dann werde sie nicht vergeblich bitten . « Max blickte sinnend auf die Nadel und fragte : » Hat sich die Dame nicht genannt ? - In Trauer sagst Du ? - Nun , führe sie nur herein ! « Aber Kunz hatte kaum die Nadel gesehen , als er rief : » Das ist Nürnberger Hand : Wahrhaftig , Ihr Könige hab ' t doch das schlechteste Gedächtniß , der Narr muß es immer für Euch haben - selbst für Eure Narrheiten ! Die Nadel schenktet Ihr einst der schönsten Nürnbergerin und ihrem Gatten zur Nadel den Adel ! Wenn Ihr Elisabeth Scheurl vergessen hab ' t , weil sie tugendhafter blieb als Andere , die Euch gefielen , so habe ich sie mir deshalb um so besser gemerkt - denn ein Narr merkt sich die Ausnahmen immer besser , als die Regel . « Auch ohne diese Mahnung würde der König , als Elisabeth selbst vor ihm stand ,