suchte manches zu erkennen , zeichnete manches , und schrieb mir manches auf . Dann wurden alle Dinge schwieriger , die wissenschaftlichen Aufgaben waren nicht so leicht zu lösen , sie verwickelten sich und wiesen immer wieder auf neue Fragen hin . Dann kam eine andre Zeit ; es war mir , als sei die Wissenschaft nicht mehr das Letzte , es liege nichts daran , ob man ein Einzelnes wisse oder nicht , die Welt erglänzte wie von einer innern Schönheit , die man auf ein Mal fassen soll , nicht zerstückt , ich bewunderte sie , ich liebte sie , ich suchte sie an mich zu ziehen , und sehnte mich nach etwas Unbekanntem und Großem , das da sein müsse . « Sie sagte nach diesen Worten eine Zeit hindurch nichts ; dann aber fragte sie : » Und Ihr werdet in diesem Sommer noch einmal in Euren Aufenthaltsort zurückkehren , den Ihr Euch jetzt zu Eurer Arbeit auserkoren habt ? « » Ich werde in denselben zurück kehren « , antwortete ich . » Und den Winter bringt Ihr bei Euren lieben Angehörigen zu ? « fragte sie weiter . » Ich werde ihn wie alle bisherigen in dem Hause meiner Eltern verleben « , sagte ich . » Und seid Ihr in dem Winter im Sternenhofe ? « fragte ich nach einiger Zeit . » Wir haben ihn früher zuweilen in der Stadt zugebracht , « antwortete sie , » jetzt sind wir schon einige Male in dem Sternenhofe geblieben , und zwei Mal haben wir eine Reise gemacht . « » Habt Ihr außer Klotilden keine andere Schwester ? « fragte sie , nachdem wir wieder ein Weilchen geschwiegen hatten . » Ich habe keine andere , « erwiderte ich , » wir sind nur zwei Kinder , und das Glück , einen Bruder zu besitzen , habe ich gar nie kennen gelernt . « » Und mir ist wieder das Glück , eine Schwester zu haben , nie zu Teil geworden « , antwortete sie . Die Sonne war schon untergegangen , die Dämmerung trat ein , und wir waren immer sitzen geblieben . Endlich stand sie auf und langte nach ihrem Hute , der in dem Grase lag . Ich hob denselben auf und reichte ihn ihr dar . Sie setzte ihn auf und schickte sich zum Fortgehen an . Ich bot ihr meinen Arm . Sie legte ihren Arm in den meinigen , aber so leicht , daß ich ihn kaum empfand . Wir schlugen nicht den Weg auf den Anhöhen hin zu dem Gartenpförtchen ein , das in der Nähe des Kirschbaumes ist , sondern wir gingen auf dem Pfade , der von der Felderrast zwischen dem Getreide abwärts läuft , gegen den Meierhof hinab . Wir sprachen nun gar nicht mehr . Ihr Kleid fühlte ich sich neben mir regen , ihren Tritt fühlte ich im Gehen . Ein Wässerlein , das unter Tags nicht zu vernehmen war , hörte man rauschen , und der Abendhimmel , der immer goldener wurde , flammte über uns und über den Hügeln der Getreide und um manchen Baum , der beinahe schwarz da stand . Wir gingen bis zu dem Meierhofe . Von demselben gingen wir über die Wiese , die zu dem Hause meines Gastfreundes führt , und schlugen den Pfad zu dem Gartenpförtchen ein , das in jener Richtung in der Gegend der Bienenhütte angebracht ist . Wir gingen durch das Pförtchen in den Garten , gingen an der Bienenhütte hin , gingen zwischen Blumen , die da standen , zwischen Gesträuch , das den Weg säumte , und endlich unter Bäumen dahin , und kamen in das Haus . Wir gingen in den Speisesaal , in welchem die andern schon versammelt waren . Natalie zog hier ihren Arm aus dem meinigen . Man fragte uns nicht , woher wir gekommen wären , und wie wir uns getroffen hätten . Man ging bald zu dem Abendessen , da die Zeit desselben schon heran gekommen war . Während des Essens sprachen Natalie und ich fast nichts . Als wir uns im Speisesaale getrennt hatten , und als jedes in sein Zimmer gegangen war , löschte ich die Lichter in dem meinigen sogleich aus , setzte mich in einen der gepolsterten Lehnstühle , und sah auf die Lichttafeln , welche der inzwischen heraufgekommene Mond auf die Fußböden meiner Zimmer legte . Ich ging sehr spät schlafen , las aber nicht mehr , wie ich es sonst in jeder Nacht gewohnt war , sondern blieb auf meinem Lager liegen , und konnte sehr lange den Schlummer nicht finden . In den Tagen , die auf jenen Abend folgten , schien es mir , als weiche mir Natalie aus . Die Zithern hörte ich wieder in ein paar Nächten , sie wurden sehr gut gespielt , was ich jetzt mehr empfinden und beurteilen konnte als früher . Ich sprach aber nichts darüber , und noch weniger sagte ich etwas davon , daß ich selber in diesem Spiele nicht mehr so unerfahren sei . Meine Zither hatte ich nie in das Rosenhaus mitgenommen . Endlich nahte die Zeit , in welcher man in den Sternenhof gehen sollte . Mathilde und Natalie reisten in Begleitung ihrer Dienerin früher dahin , um Vorkehrungen zu treffen und die Gäste zu empfangen . Wir sollten später folgen . In der Zeit zwischen der Abreise Mathildens und der unsrigen tat mein Gastfreund eine Bitte an mich . Sie bestand darin , daß ich ihm in dem kommenden Winter eine genaue Zeichnung von den Vertäflungen anfertigen möchte , welche ich meinem Vater aus dem Lautertale gebracht hatte , und welche von ihm in die Pfeiler des Glashäuschens eingesetzt worden waren . Die Zeichnung möchte ich ihm dann im nächsten Sommer mitbringen . Ich fühlte mich sehr vergnügt darüber , daß ich dem Manne , zu welchem mich eine solche Neigung zog , und dem ich so viel verdankte , einen Dienst