wodurch er zum ersten Mal seit langer Zeit eine Summe in die Hände bekam . Mit dieser beschloß er , wieder nach Paris zu gehen , da ihm hier kein Heil blühen wollte und ihn sonst auch der Wahn forttrieb , durch Ortsveränderung ein besseres Los erzwingen zu können . Denn trotz allem scharfsinnigen Instinkte , den ein Irrsinniger und Unglücklicher hat , ahnte er von ferne nicht , daß sein wirkliches Geschick viel schlimmer als sein eingebildetes Leiden und daß die Welt übereingekommen war , seine armen schönen Zeichnungen und Bilder entgelten zu lassen , was man von seiner vermeintlichen Schlechtigkeit hielt . Ich fand ihn , wie er seine Sachen zusammenpackte und einige Rechnungen bezahlte . Er kündigte mir seine Abreise an , die am andern Tage erfolgen sollte , und verabschiedete sich zugleich freundlich von mir , noch einige geheimnisvolle Andeutungen über den Zweck der Reise beifügend . Als ich meiner Mutter die Nachricht mitteilte , fragte sie sogleich , ob er denn nichts von dem geliehenen Gelde gesagt habe ? Ich hatte bei Römer einen entschiedenen Fortschritt gemacht , mein ganzes Können abgerundet und meinen Blick erweitert , und es war gar nicht zu berechnen und schon nicht mehr zu denken , wie es ohne dies alles mit mir hätte gehen sollen . Deswegen hätten wir das Geld füglich als eine wohlangewandte Entschädigung ansehen müssen , und dies um so mehr , als Römer mir die letzte Zeit nach wie vor seinen Rat gegeben hatte . Allein wir glaubten nur einen Beweis von der Richtigkeit jener Gerüchte zu sehen und wußten auch dazumal noch nicht , wie kümmerlich er lebte ; wir dachten ihn im Besitze guter Mittel , denn er hatte seine Armut sorgfältig verborgen . Meine Mutter bestand darauf , daß er das Geliehene zurückgeben müsse , und war zornig , daß jemand von dem zum Besten ihres Söhnleins bestimmten kleinen Geldvorrate sich ohne weiteres einen Teil aneignen wolle . Was ich gelernt , zog sie nicht in Betracht , weil sie es für die Schuldigkeit aller Welt hielt , mir mitzuteilen , was man irgend Gutes wußte . Ich dagegen , teils weil ich zuletzt auch gegen Römer eingenommen war und ihn für eine Art Schwindler hielt , teils weil ich meine Mutter zur Herausgabe der Summe beredet , und endlich aus Unverstand und Verblendung , hatte nichts einzuwenden und war vielmehr fast schadenfroh , Römer etwas Feindliches anzutun . Als daher die Mutter ein Billett an ihn schrieb und ich einsah , daß er , wenn er entschlossen war , das Geld zu behalten , die Mahnung einer in seinen Augen gewöhnlichen Frau nicht beachten werde , kassierte ich das Schreiben meiner Mutter , welche ohnedies verlegen war , an einen so ansehnlichen und fremdartigen Mann zu schreiben , und entwarf ein anderes , welches , ich muß es zu meiner Schande gestehen , höchst zweckmäßig eingerichtet war . In höflicher und geistreicher Sprache berechnete ich halb seine fixen Ideen , halb seinen Stolz und sein Ehrgefühl ( dieses dachte ich durch jene zu zwingen ) , und indem das bescheidene Billett erst zu einer Bitterkeit wurde , wenn es unberücksichtigt blieb , war es , wenn Römer alles das verlachen sollte , schließlich so beschaffen , daß er doch nicht lachen , sondern sich durchschaut sehen konnte . Soviel brauchte es indessen gar nicht ; denn als wir das Machwerk hinschickten , kehrte der Bote augenblicklich mit dem Gelde zurück . Ich war etwas beschämt ; doch sprachen wir jetzt alles Gute von ihm , er sei doch nicht so übel usf. , nur weil er uns das elende Häufchen Silber herausgegeben . Ich glaube , wenn Römer sich eingebildet hätte , ein Nilpferd oder ein Speiseschrank zu sein , so wäre ich nicht so unbarmherzig und undankbar gegen ihn gewesen ; da er aber ein großer Prophet sein wollte , so fühlte sich meine eigene Eitelkeit dadurch verletzt und waffnete sich mit den äußerlichen scheinbaren Gründen . Nach einem Monate erhielt ich von Römer folgenden Brief aus Paris : » Mein werter junger Freund ! Ich bin Ihnen eine Nachricht über mein Befinden schuldig , da ich gern annehme , mich Ihrer ferneren Teilnahme und Freundschaft erfreuen zu dürfen . Bin ich Ihnen doch meine endliche Befreiung und Herrschaft schuldig . Durch Ihre Vermittlung , indem Sie das Geld von mir zurückverlangten ( welches ich nicht vergessen hatte , aber Ihnen in einem freiern Augenblicke zurückgeben wollte ) , bin ich endlich in den Palast meiner Väter eingezogen und meiner wahren Bestimmung anheimgegeben ! Aber es kostete Mühseligkeit . Ich gedachte jene Summe zu meinem ersten Aufenthalte hier zu verwenden ; da Sie aber selbige zurückverlangten , so blieb mir nach Abzug der Reisekosten noch 1 Franc übrig , mit welchem ich von der Post ging . Es regnete sehr stark , und verwandte ich daher den besagten Franc dazu , nach dem Mont piete zu fahren und dorten meinen Koffer zu versetzen . Bald darauf sah ich mich genötigt , meine Sammlungen einem Trödler für ein Trinkgeld zu verkaufen , und erst jetzt , als ich endlich von aller angenommenen Künstlermaske und allem Kunstapparate glücklich befreit und hungernd in den Straßen umherlief , ohne Obdach , ohne Kleider , doch jubelnd über meine Freiheit , da fanden mich treue Diener meines erlauchten Hauses und führten mich im Triumph heim ! Aber noch beobachtet man mich zuweilen , und ich benutze eine günstige Gelegenheit , dies Zeichen zu senden . Sie sind mir wert geworden , und ich habe etwas Gutes mit Ihnen vor ! Inzwischen nehmen Sie meinen Dank für die günstige Wendung , die Sie herbeigeführt ! Möge alles Elend der Erde in Ihr Herz fahren , jugendlicher Held ! Mögen Hunger , Verdacht und Mißtrauen Sie liebkosen und die schlimme Erfahrung Ihr Tisch- und Bettgenosse sein ! Als aufmerksame Pagen sende ich Ihnen meine ewigen Verwünschungen , mit denen ich mich bis auf weiteres Ihnen treulichst empfehle