ein solches Blatt heraus , es soll Telegraph heißen . Morgen schon kommt die erste Nummer . Die Leute werden sich den Kopf überschlagen . « - Die Offiziere vigilirten den » verfluchten Kerl « , der mit dem Bleistift Notizen machte , und stritten ob seine Ohren oder Nase spitzer wären . Auch der Herr Kriegsrath Alltag hatte diesen Tag nicht alltäglich begangen . Auch er hatte in der Konditorei des Herrn Josty eine Tasse Chocolade genippt , was zu jener Zeit , als wir ihn kennen lernten , ein außerordentliches Evenement gewesen wäre . Aber schien er doch selbst ein Anderer geworden . Der gestickte blaue Rock war zwar schon etwas über die Mode hinaus , jedoch vom feinsten Tuch , das sauberste weiße Halstuch war über das Jabot geknüpft und feine Brüsseler Manchetten spielten um die knappen Aermel . Frisch gepudert war das Haar , und der Zopf mit neuem glänzenden Seidenband umwickelt . Die goldene Uhrkette hing um einen Finger breit länger auf die schwarz taffetnen Beinkleider , und die gestreiften Seidenstrümpfe mit den silbernen Schnallenschuhen deuteten unverkennbar auf ein nicht alltägliches Evenement . Und das war es , wo der Herr Minister ihn gewürdigt , ihn aufzufordern sich im Schloß zu gestellen , er wolle schon für einen Platz sorgen , daß er die Majestäten recht von nahe sähe . Hatte er ihn nicht selbst dort an die Treppe gestellt , wo die hohen Herrschaften vorbei mussten ? Wenn er sich nicht ans Geländer zurückgedrückt , so weit als möglich , hätte ihn da nicht das seidene Kleid Ihro Majestät der Königin fast berührt ? Durch eine glückliche Schwenkung der Schleppe hatte der Page es noch vor dieser Berührung bewahrt . Der Kriegsrath war erröthet vor Schreck . - Welcher neue Schreck aber ! - Kaiser Alexander , der die Königin am Arm führte , war auf dem Podest einige Stufen über ihm stehen geblieben , damit die hohe Frau Athem schöpfe . Seine Majestät , der hinter ihnen ging , war natürlich auch stehen geblieben , und auf derselben Stufe , auf der die Füße des Kriegsraths standen . Zwar war die Stufe breit , aber es war dasselbe Brett , und der Kriegsrath fühlte unter seinen Füßen die Bewegung , welche der Fuß Seiner Majestät verursachte . - Und es war noch nicht Alles . - Excellenz , der Minister , sein Gönner , flüsterte dem Könige einige Worte zu , und - er traute seinen Ohren nicht , aber es war so - er hörte seinen Namen . Der König hatte sich darauf umgesehen , hatte ihn angesehen und die Worte gesprochen : » Treuer Diener seines Herrn . Freue mich . « - Er hatte es gesprochen , wirklich und wahrhaftig , und es war noch nicht Alles . - Als die hohen Herrschaften auf dem Podest sich in Bewegung setzen wollten , war der König bei ihnen , und sagte der Königin etwas ins Ohr , und die Königin wandte auch ihr Gesicht zum Kriegsrath nieder , und er hörte die Worte : » Ah c ' est lui ! « - War das neue Täuschung , oder war es auch Wahrheit , sie hatte ihm von oben freundlich zugenickt . Wie der Kriegsrath nachher von der Treppe herunter gekommen , wie auf den freien Platz , das wusste er selbst nicht . Er las nie ein Märchen , weil er überhaupt nicht las , aber aus seiner Jugend , aus der Ammenstube , wusste er doch , was ein Feenmärchen ist . - Zuerst hatte ihn die Luft wunderbar angefächelt , wie einen , der nach langer dunkler Haft ans Sonnenlicht gerissen wird , oder wie den Trinker , der aus dem Keller in ' s Freie tritt . Unten hat er es noch nicht gefühlt , jetzt aber dreht sich die Welt um ihn , und der Boden wankt unter seinen Füßen . Der Rippenstoß eines Korporals , dessen Rotte er in seinem Schwanken vermuthlich zu nahe gekommen war , hatte ihn wieder zur Besinnung gebracht . Es war kein Traum gewesen , auch keine Erscheinung aus einem arabischen Märchen , vielmehr nichts als die Besiegelung dessen , was er längst ahnte , vielleicht wusste , und in der Stadt munkelte es schon . Er sollte nicht mehr lange Kriegsrath bleiben , er war zu Höherem bestimmt . Diese Bestimmung drückte sich auch in seiner Haltung aus , wie er am Tische in der Ecke neben einem andern Manne gesessen , und mit demselben dem Anschein nach ein eifriges Gespräch gepflogen hatte . Der andre Mann , ungefähr im Alter des Kriegsrathes , oder etwas älter , war in seiner Erscheinung just das Gegentheil . Sein fein geschnittenes , intelligentes Gesicht war durch ein Paar kleine graue , ins Blaue spielende . Augen , wenn sie mit Eifer auf einen Gegenstand fielen , lebendig . Sonst hatte es mehr einen kalkulatorischen Ausdruck , jene verschrumpften , doch nicht unedlen Züge , welche ein beständiges Nachdenken über plus und minus ausdrücken , jene Absorbirung von allem was Impuls oder Phantasie heißt . Wenn aber die Augen aufblitzten oder auf einen Gegenstand zuckten , bewegte sich wohl um die Lippen ein sarkastischer Zug . Sein Haar , weißblond von Natur oder weiß vom Alter , schien schon lange den Puder als etwas Ueberflüssiges abgestreift zu haben . Es fiel schlicht , eben nicht sorgsam gekämmt , auf den Hinterkopf und um die Schläfe herab . Daß er eben so wenig Umstände mit der Toilette wie mit der Frisur machte , verrieth der Ueberrock von grobem Tuch und einem dick übergelegten Kragen . Seine Hände , die auf dem Tische lagen , waren weiß und fein , seine Füße dagegen , die er weit vorgestreckt hatte , schienen grob wie die blauen Strümpfe und die dick versohlten Schuhe . » Also keine Mariage nicht ! « hatte der Mann mit den graublauen Augen gesagt , und zwei Gläser mit Granatwein gefüllt