Zutrauen . Freiwillig und in ziemlicher Ausdehnung trug er seine Macht auf mich über , so daß ich wider Willen statt seiner gebietender Voigt wurde . So ungern ich mich ihm unentbehrlich machte , so gewissenhaft erfüllte ich doch meine Pflicht , und weil ich wochenlang alle Geschäfte des Voigtes verrichten mußte , schenkte mir Ephraim dafür eine fast brüderliche Zuneigung . Am Abend jedes Tages , wenn ich ihm Rechenschaft von meinem Thun ablegte , drückte er mir die Hand und häufig gesellten sich zu seinen Seufzern und Stöhnen sogar Thränen . « » Dieser Zustand währte mehrere Wochen . Die entsetzlichen Ereignisse waren beinahe vergessen , die eine Zeit lang verlassenen Hütten der Unterthanen füllten sich wieder mit ihren heimkehrenden Bewohnern . Die wenigen , welche ganz auswanderten , verschollen , Niemand dachte mehr an sie , Niemand kümmerte sich mehr um das Vergangene . Die Leibeigenen wurden für frei erklärt und dadurch ihr Aufstand gewissermaßen gebilligt . Da nahte Ephraims Ende heran ; der Sterbende begehrte mich noch einmal ganz allein zu sprechen . Ungern gewährte ich die Bitte , doch lehrte mich die Menschlichkeit den angeborenen Widerwillen besiegen , den ich stets gegen den hartherzigen Voigt empfunden hatte . « Ephraim ließ seine gläsernen Blicke lange Zeit auf mir ruhen , als ich einsam neben seinem Sterbelager Platz genommen hatte . Er schien in meinen Zügen forschen zu wollen , ob ich das , was er mir mittheilen wollte , auch als das Geheimniß eines Sterbenden betrachten werde . Nachdem er die Ueberzeugung davon gewonnen zu haben schien , sagte er röchelnd : » Leberecht , ich will Dir ein Geheimniß beichten . « » Mir ? « unterbrach ich den Sterbenden . » Verschont mich damit , wenn Ihr mich lieb habt . Ich bin kein Pfarrer , ich möchte mich nicht damit vertragen können . « » Doch , doch , Leberecht , Du mußt ! - Sieh , ich leide namenlose Schmerzen - mein Gewissen foltert mich - ich kann nicht sterben , bevor ich bekannt - « » Was , um Gottes Barmherzigkeit willen wollt Ihr bekennen ! « rief ich entsetzt aus , denn , ich glaubte gewiß und wahrhaftig , der Unglückliche habe ein todeswürdiges Verbrechen begangen . » Kann ich Euch vergeben , wenn Ihr gesündigt gegen die Gebote des Herrn ? « » Ja , ja , Du kannst es , « röchelte der Voigt . » Setze Dich , beuge Dein Ohr zu meinem Munde - behalte wohl , was ich Dir sage - Ich werde ruhiger aus dem Leben scheiden ! « Der unglückliche Mann sprach so flehentlich , seine Stimme , obwohl heiser und fieberhaft zitternd , klang doch so vertrauensvoll , und seine Zuversicht auf mich erschien mir so rührend , daß ich ihm die Hand ließ , die er krampfhaft ergriffen hatte , und seinen Willen that . » Wie lebt Nathanael ? « stotterte Ephraim . » Nathanael ? « » Jan Slobodas unglücklicher Sohn ! O wie , wie lebt er ? « » In stummer undurchdringlicher Geistesnacht . « » O wohl ihm - wohl ihm ! « stammelte der Voigt ; » besser , nichts von sich wissen , als von zu vielen Erinnerungen in die finstere Zukunft hinübergejagt zu werden ! Vergib mir , armer Betrogener ! Fluche mir nicht , Nathanael ! « Schaudernd sah ich den Sterbenden in die gelben verzerrten Züge , suchte in den eingesunkenen wild flackernden Augen zu lesen . Ephraim raffte seine schwindenden Kräfte zusammen , erhob sich mit Gewalt aus den Kissen und schrie mir zu : » Nathanael ist Vater - sein Sohn lebt ! « » Heiliger Gott , « unterbrach Sloboda den Erzählenden . » Also doch ! doch ! O meine Ahnung ! « » Sein Sohn ? « wiederholte ich , fuhr Leberecht fort . » Nein , nein ! « schrie der Sterbende , wie ein Rasender das vom Todesschweiß triefende Haupt gespenstisch gegen mich schüttelnd . » Nicht Nathanael ' s Sohn , der Sohn des Grafen - Er stockte . « » Des Grafen ? « » Des Grafen - Magnus ! « lallte der Sterbende . - Ich stand wie vom Donner gerührt und starrte den Unglücklichen an , der matt röchelnd mit gebrochenen Augen in die Kissen zurückgesunken war . Meine Neugier wuchs ; kaum vermochte ich den Augenblick zu erwarten , wo der Entkräftete sich zu weiterer Mittheilung gesammelt haben würde . Es vergingen fünf peinvolle Minuten . Dann schlug der Voigt seine Augen wieder auf und fuhr fort : » Ich bestach die Hebamme - auf Magnus Befehl , das Kind der armen Leibeigenen für todt , für zerstückt auszugeben , was leicht war , da die Gebärende ihre Besinnung verlor . Der Graf besorgte Unannehmlichkeiten , wenn das Kind bei der Mutter bleiben sollte , die er verführt hatte . Auf sein Geheiß entfernte ich es - brachte es zu Verwandten , wo es in größter Dürftigkeit erzogen ward . - Durch einen Zufall hörte die Mutter von dem ihr gespielten Betruge , wagte dem Grafen zu drohen und ihn bei seinem Vater verklagen zu wollen . - Dies geschah im Walde beim Holzfällen - Magnus tobte innerlich - beherrschte sich aber und gab mir durch Winke zu verstehen , was er wünschte . - Auch ich verstand ihn - der nächste Baum stürzte und erschlug die Frau Nathanaels ! « » Das ist entsetzlich ! « sagte Sloboda . » Mir schlugen die Zähne zusammen , « versetzte Leberecht , » bei diesen Bekenntnissen des Voigts , der sich wie ein Wurm auf seinem Lager krümmte und wiederholt durch wimmernde Schmerzenstöne seine Mittheilungen unterbrach . « » Kümmert sich der Graf um das verstoßene Kind ? « fragte ich instinktmäßig , um nur das Nöthigste dem Sterbenden zu entreißen , dessen Ende sichtlich herrannahte . » Er erhält seinen Sohn - nothdürftig , « stammelte der Voigt