mildes Wort , kein Zeichen der Rührung zu geben vermocht hätte . Sie fühlte blos mit unendlichem Grolle , wie aufs neue ihre Vorsätze scheiterten , und sah in ein Gebiet von Erscheinungen , von denen es noch ungewiß blieb , ob sie ihr günstig oder störend sein würden . » Ein Ehrenmann ! ein großer Held ! ein vollkommener Edelmann ! « sprach sie endlich kalt - » eine Stütze des Thrones , von dem doch seine letzte Kränkung ausging . Jetzt kann man ihm keinen Wunsch mehr abschlagen - jetzt wird sein Name doch bis zu den Ohren dessen dringen , dessen Kindheit er schützen half ! - Meine Herren , « fuhr sie fort - » Sie werden die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten machen , die in unsern erlauchten Häusern Sitte sind - ich werde die Hausoffizianten kommandiren , Ihnen beizustehen . Der Intendant wird das Schema der Ceremonie empfangen . - Ihr , Herr Kaplan , werdet in meinem Namen dem Herrn Erzbischof von Noailles die Anzeige von diesem Todesfalle machen ; ich hoffe , er wird sich erinnern , was er dem Hause Crecy-Chabanne schuldig ist . - Ein Courir muß nach Ste . Roche abgefertigt werden . « - Nach diesen Anordnungen verließ sie das Sterbezimmer ihres Gemahls und schritt mit kalter , strenger Miene an der weinenden Dienerschaft vorüber ; ehe sie ihre Gemächer erreichte , hatte sie genau alle Vortheile dieser neuen Lage der Dinge übersehen , und ohne sich es einzugestehen , fand sie doch , dem alten , lebensmüden Greise sei die Ruhe zu gönnen , und der Augenblick dazu könne den Umständen eher günstig , als nachtheilig werden . Ihre erste Sendung war nach dem Herzoge von Lesdiguères . Er ward beauftragt , dem Könige die Meldung dieses unerwarteten Todes zu machen . Mit einer Fassung , die ihrem gleichgültigen Herzen sehr natürlich war , gab sie ihre Befehle zu der großen Umwandlung des Hauses . Vom Portale des Schlosses , welches das große Trauerwappen trug und von zwei mit Flor behangenen Herolden bewacht wurde , bis zu den Wohngemächern hinauf , ward das ganze Haus schwarz ausgeschlagen . Alle Livreen verschwanden , die dienenden Frauen zeigten keine Farben , und die Damen der Familien keuchten unter langen Trauerkleidern , Kappen und Schleiern . Der größte Saal des Palais war mit schwarzem Sammet so fest verhangen , daß kein Strahl des Tages eindringen konnte . Hunderte von Kerzen ersetzten das Licht der Sonne . Die einbalsamirte Leiche des Marschalls stand auf Stufen erhöht ; seine Orden , der Marschallstab , Degen , Sporen und Helmsturz ruhten auf Tabourets um den Sarg vertheilt , an denen zahllose Pagen , mit Trauerflören und Wachskerzen in den Händen , in unbeweglicher Stellung Wache hielten . Diesen Kreis umgaben den ganzen Tag von früh bis spät eine Abtheilung Mönche mit einigen fungirenden Priestern , welche die Gebete und einweihenden Funktionen verrichteten ; denn der Erzbischof von Noailles hatte nicht vergessen , was er dem Hause Crecy-Chabanne schuldig war , und die Meldung dieses Todes war mit den gehörigen Weisungen an die dazu bestimmten Klöster ergangen . Die ganze Dienerschaft des Marschalls löste sich außerdem noch an dem Sarge ab , während die Chorknaben der Prozessionen in angemessenen Pausen den Sarg mit ihren Weihrauchbecken umzogen und Alles in betäubende Düfte hüllten . Die Marschallin schien mit großem Takte ihre augenblickliche Stellung zu Hof und Adel vergessen zu haben . Die Trauerboten zogen mit der Todesmeldung durch alle Häuser , die durch ihren Rang auf diese Auszeichnung Anspruch machen konnten . Einen Augenblick hielt die ganze Korporation den Athem an und richtete die Augen nach dem Schlosse von Versailles . Es ward aber sogleich bekannt , daß der Herzog von Lesdiguères eine gnädige Audienz beim Könige gehabt , und der großmüthige Monarch seinen Unwillen nicht über das Grab hatte ausdehnen wollen . Der Herzog von Gêvres und der Prinz von Courtenaye bekamen Befehl , zur Beileidsbezeigung sich in das Trauerhaus zu begeben . Dies war die wohlverstandene Loosung für Alle Uebrigen , und die Königinnen und Prinzessinnen an der Spitze , die ihren Hofstaat beorderten , belagerte nunmehr der Adel in allem Pompe der Trauer das Palais Soubise . So war dies vor kurzem verödete Haus , jetzt seines Oberhauptes beraubt - damit zu seinem alten Glanze zurückgekehrt , und die Marschallin fühlte den bittersten Haß gegen die bezwungene Menge und den stolzesten Triumph über die gefügigen Schritte , womit Alle jetzt genöthigt waren , ihr entgegen zu kommen , nachdem sie es gewagt , sie zu verlassen . Sie saß unter ihrem schwarz verhangenen Thronhimmel in der lästigen , steifen Trauerkleidung die üblichen Stunden des Empfangs , ohne ein Zeichen des Lebens , als die jedesmalige Neigung des Kopfes , wenn die herkömmlichen Beileidsbezeigungen an sie gerichtet wurden . Rechts saß die arme , weinende , kindlich betrübte Louise - links ihre erschütterte Schwiegertochter . Die nahen Verwandten schlossen sich sitzend auf beiden Seiten an ; - nur die Hofchargen empfing die Marschallin stehend mit geziemender Ehrfurcht . Und der , der bei diesem wichtigen Vorfall am meisten betheiligt war - Leonin , das nunmehrige Oberhaupt der Familie Crecy-Chabanne , fehlte noch immer ! Alle Boten , alle Briefe brachten keine Antwort zurück , oder wurden nur von einigen unvollkommenen Briefversuchen des Kammerdieners erwiedert , die der Intendant der Marschallin nicht selbst vor die Augen der Familie zu bringen wagte , und deren Gesammtinhalt , mündlich von ihm mitgetheilt , Alles in einer solchen Dunkelheit ließ , daß die Marschallin ihrer vollen Unruhe überlassen blieb . Doch was litt die edle Viktorine in dieser Zeit ! Aufs neue durch die Regeln der Trauer an ihr düsteres Schloß geknüpft , gab jeder Tag ihr neue , tiefere Leiden und hemmte die kräftigen Maaßregeln , die sie ohne Zweifel ergriffen hätte , wäre sie nicht daran behindert gewesen durch dies Ereigniß , dessen bindende Gewalt sie aus Liebe zu dem verstorbenen Marschalle sich doppelt gezwungen fühlte