und es ist nicht erlogen - denn ich bin ja nicht Münchhausen , oder wenigstens nur zur Hälfte er - , wenn ich sage , daß mancher Bauer binnen wenigen Minuten ein ganzes Huhn überwunden hatte , und daß ein Schinken für sechs Mann nur so eben zureichte . Auch die Städter ließen sich die reinliche , derbe Kost trefflich munden , der Schirrmeister aber aß für zwei Bauern und trank für drei . Was das Getränk betrifft , so muß ich leider , wie undichterisch dies klingen mag , von Bier berichten . Jeder hatte seinen irdenen Deckelkrug gefüllt vor sich stehen , und wenn derselbe geleert war , so klappte der Inhaber auf eine eigene landesübliche Weise mit dem zinnernen Deckel , worauf frische Füllung erfolgte . Selbige besorgte der erste Aufwärter , der Bräutigam , aus einer mächtigen Schleifkanne eingießend , mit welcher er , eine weiße Serviette vorgesteckt , die Tafeln umkreiste . Dieser König des Festes hatte von seinem Ehrentage nichts als Prügel vorhin und Mühe anjetzt , denn die Deckel klappten unaufhörlich , bald hier , bald da . - Nur der Diakonus und die städtischen Gäste erhielten Wein vorgesetzt . Der Schulmeister lag der Aufwartung in betreff des Festen ob , flink und gewandt , recht heiter in diesem Geschäfte . Es gab unter den Gästen nur zwei , welche die allgemeine Befriedigung nicht ganz teilten , der eine aus Verlegenheit , der andere aus Furcht . In Furcht befand sich nämlich der Küster und in Verlegenheit der vornehme Herr vom Hofe . Dem Küster hätte der größte Irrenarzt von Europa ein schriftliches Zeugnis einhändigen können , daß der Schulmeister bei Sinnen sei , es würde ihm doch nicht wohl geworden sein in der Nähe dieses Menschen , der mit so gefährlichen Werkzeugen , wie Schüsseln , Tellern , Messern , unbewacht um ihn her hantierte . Er dachte im stillen an alle die Fälle , worin ein Verrückter , lange Zeit scheinbar hergestellt , plötzlich wieder wütend geworden ist , und nun mit dem , was er gerade in der Hand hat , dem nächsten , besten die Hirnschale zerschmettert . Diesem Schicksale wenigstens einigermaßen vorzubeugen , setzte er unter dem Vorwande , daß es in dem von Hitze glühenden Flure kühl ziehe , seinen Hut auf , obgleich dies allgemein auffiel . Wirklich war der arme Küster in einer traurigen Lage . Seine Eßlust überstieg womöglich noch die des Schirrmeisters , der heutige Tag war ein solcher , an dem er hatte zeigen wollen , was Kinnbacken zu leisten vermögen , und nun ging ihm dieser schöne Traum so häßlich aus . Denn nichts hindert den Menschen mehr am Schlucken als Furcht und Angst . Der Küster fühlte sich unglaublich gehemmt . Hatte er eben auch in einem selbstvergessenen Augenblicke einen starken Bissen zum Munde geführt , etwa eine Hühnerkeule oder einen Streifen Rindfleisch von der Mächtigkeit einer halben Hand , siehe ! so flog hinter ihm der aufwartende Schulmeister , vielleicht eine Kelle in der Faust , vorbei , und Hühnerkeule oder Rindfleischstreifen saßen ihm auf der Stelle fest , verzaubert , wie Schiffe auf dem Lebermeere , zwischen den Zähnen . - Umsonst suchte er durch häufiges Trinken die hinabführenden Wege geschmeidiger zu machen ; der Schreck erhielt seine Kehle in Trocknis trotz alles Gießens . So , zwischen Entsetzen und Appetit , glich er , wenn dieses Gleichnis nicht zu niedrig klingt , dem Hunde , der vor einer erwischten Bratwurst sitzt , vor Wollust zittert , sie zu verschlingen , und dabei scheu nach dem Herrn sieht , der aus der Entfernung bereits mit der Peitsche herbeieilt . Der vornehme Herr vom Hofe machte unterdessen vergebliche Versuche , sich herabzulassen , und geriet darüber in Verlegenheit . Er saß zwischen dem Hofschulzen und dem Diakonus und hatte gegenüber zwei Bauerfrauen , die bei ihren Männern saßen . Als das gewaltige Essen begann , fühlte er wohl , daß er in diese Tätigkeit nicht einzugreifen vermöge , auch erregten ihm die Speisen keinen Hunger und er begnügte sich , nur zum Schein etwas auf den Teller zu nehmen . Dort aber blieb es unberührt liegen , ungeachtet der Hofschulze , der seine Kost nicht gern verschmäht sah , ihn mit einiger Empfindlichkeit nötigte , auch zu essen . Das konnte er nicht , jedoch bestrebte er sich , leutselig zu sein , denn zu diesem Ende und um das Volk , soviel an ihm war , durch hinreißende Manieren für den Thron gewinnen zu helfen , war er ja nur wieder unter die Bauern gekommen . Um in diese Manieren einen gewissen Fortschritt vom Geringeren zum Größeren zu bringen , sah er die gegenübersitzenden Bauern mit einer süßen Freundlichkeit an und winkte dazu gnädig mit dem Haupte , als wollte er sagen : » Nun , schmeckt ' s , ihr ehrlichen Landleute ? « - Darüber lachten aber die Bauern , und einer stieß seinen Nachbar an mit den Worten : » Ist der Kerl verrückt ? « - Der vornehme Herr vom Hofe glaubte , als er des Lachens inneward , seine Huld nicht deutlich genug von sich gegeben zu haben , er beschloß daher , zuvörderst das andere Geschlecht zu gewinnen , ließ sich zwei Teller geben , stellte sie vor sich hin , schnitt zwei gute Stücke von dem vor ihm stehenden Truthahne ab , legte sie auf die Teller und reichte diese Leckerbißlein den beiden Bauerweibern , die noch ziemlich rund und hübsch waren . Die Weiber , zugleich mit einer artigen Redensart , welche ihnen unverständlich blieb , angesprochen , guckten verlegen , rot und stumm auf die Teller , ohne die Gaben der Courtoisie anzurühren . Ihre Männer aber sahen mit sonderbaren Blicken nach dem Geber hinüber ; der eine nahm seiner Frau den Teller mit den Worten : » Du brauchst nicht von anderer Leute Tellern zu essen , du hast deinen eigenen « ; weg und reichte ihn dem