Ha , der Plan ist gut ! Doch soll ich Euch sagen , was ich denke ? Sperrt sie ein , vertilgt sie , gleichviel wie , da habt Ihr den Vortheil sicher . Und Karl ? Ich müßte die Stuarts nicht kennen , wenn ich so thöricht sein sollte zu denken , Liebesgram und Vatersorge um Zwei , die da nicht mehr sind , werde der blühenden Gattin , von deren Schönheit Ihr so viel Aufhebens macht , hinderlich sein . Doch sagt mir , fuhr die Lady fort , sagt mir nur das Eine , seid Ihr sicher , daß Karl vermählt war mit dieser Buckingham ? Sind Dokumente darüber ? Ist durch die Offenbarwerdung dieser Tochter keine Schande zu hoffen für Buckinghams stolzes Herz ? - Der Prinz war früher vermählt , als er hoffen konnte , Prinz von Wales zu werden , erwiederte der Priester , Beide waren noch im zartesten Alter ; doch der leidenschaftlich aufgeregte Karl wollte wenigstens die Garantie dieser Vermählung haben , und der Graf und die Gräfin Melville waren die Zeugen . Der Schloßkaplan Master Brixton vollzog die Ceremonie , die Dokumente sind doppelt ausgefertigt , das eine im Besitz Brixtons , und das andere verwahrte der Herzog von Nottingham hinter dem Bilde der Gräfin von Buckingham , welches der Prinz von Wales ihm einst , während eines Aufenthaltes in London , heimlich in die wohl verborgene Nische des Schlafgemachs setzen ließ , und dessen Dasein wohl schwerlich ein Mensch außer dem Herzog kennen mag . - Aber wie konnte Nottingham dessen ungeachtet diese rasende Leidenschaft fassen , da er doch wissen mußte , daß sie schon als Gemahlin des Prinzen nach London kam . - Dies erfuhr er erst nach dem Tode seines Bruders , als der Prinz krank darnieder liegend keinen treueren Boten kannte , als eben ihn , der keinen Augenblick sein Bett verließ . Er sendete ihn zur trostlosen Gemahlin , noch auf dieser Höhe sie seiner treuen Gesinnung versichernd ; denn fest entschlossen blieb er , sie auf den Thron zu heben , und verrieth somit dem Freunde das Geheimniß . - Ha ! ha ! lachte die Lady , das war ein guter Auftrag ; und daher wurde dann die verschmähte Gräfin Bristol schnell in Gnaden zur Braut erhoben ! Doch es sei so ! rechtmäßiger Geburt oder nicht , vertilgt sie , vertilgt Alles , was den Namen Stuart oder Buckingham trägt ; nur dann habt ihr den Erfolg sicher . - Mit diesen Worten erhob sich die Lady und schritt nach ihrem Bet-Pult , den Rest des Morgens einer vorgeschriebenen Andacht zu weihn , die über den felsenharten Inhalt dieses Wesens auch nicht den kleinsten Einfluß ausübte . Die Zeit , die jetzt für die unglückliche Maria anhob , war ganz dazu geschaffen , ein so junges und lebhaftes Gemüth nieder zu beugen und in eine schwermüthige und dumpfe Stimmung zu versenken . Sie mußte nach einer Zusammenkunft mit Pater Johannes , worin sie nicht ermangelt hatte , ihr Glaubensbekenntniß abzulegen und zu vertheidigen , doch dem Rathe des Geistlichen nachgeben und sich der Ordnung des Hauses fügen . Er sah wohl ein , daß der boshafte Geist der Lady nicht so weit gezähmt werden möchte , um mit ihr gemeinschaftlich handeln zu können , und so wußte er sich dem Fräulein als eine wohlthuende Mittelsperson anzudeuten , an die sich die Hülflose um so lieber anschloß , da ihr sonst nur Margariths kindisches Geschwätz oder der beschränkte Geist der verschüchterten Schwester Electa für die Stunden blieb , die sie nicht in Gemeinschaft mit der Lady selbst oder im sogenannten Arbeitssaal mit den übrigen Schwestern zubringen durfte . Diese Stunden waren ihr fast die unleidlichsten , denn wenn der Kultus , dem sie beiwohnen mußte , auch abweichend und , ihren empfangenen Begriffen nach , unzulässig war , konnte es ihr doch nicht schwer werden , daran ihre eigenen Gefühle anzuknüpfen und so die Widersprüche , die ihr von Außen drohten , in sich auszugleichen . Hier aber war sie Stundenlang dem ermüdendsten Geschwätze ausgesetzt , welches sich um die widerlich entstellten und übertriebenen Schilderungen merkwürdiger Martyrien oder die Wunder von Heiligen-Bildern und Reliquien drehte , und im Munde beschränkter Personen eine Verzerrung und Kraßheit erhielt , welche zu ertragen , ihr die härteste Geistesqual däuchte ; und doch blieb ihr dagegen nur der geringe Schutz , ihre Gedanken auf die Handarbeit zu richten , die hauptsächlich in der Anfertigung der groben Kleider und der Sandalen-ähnlichen , von Stricken geflochtenen Schuhe bestand , welche die Kleidung der Nonnen ausmachten . Es entging Maria nicht , daß das Schloß außer den Nonnen oft Gastbesuch hatte , der zu dieser klösterlichen Form wenig paßte . Die Mittagszeit im Refektorium zeigte fremde geistliche Theilnehmer , von denen sie sich beobachtet sah , ja , aus ihrem Zimmer mußte sie den Besuch von Personen empfangen , die sich weiter nicht zeigten , und bei deren Gegenwart auch Lady Sommerset gewöhnlich auf mehrere Tage ausblieb , die sonst , als Priorin , beständig den großen Lehnstuhl einnahm , der den geheimnißvollen Eingang zur Kirche bedeckte , mit welcher Maria jetzt durch tägliche Theilnahme völlig vertraut geworden war . Ueber den Zweck dieser Besuche , die außerdem von dem konsequenten Verfahren des Pater Johannes unterstützt wurden , blieb kein Zweifel . Sie sollten Maria nicht allein bekehren , sie sollten sie zu einem gewissen Zweck , zu einer theilnehmenden Verpflichtung für den Orden bekehren . Sie versuchte anfänglich dem Rath des Pater Clemens zu Folge , auf dem ihre einzige Hoffnung beruhte , eine völlig duldende Haltung zu behaupten , die weder zugestand , noch verweigerte , so daß man sie wirklich für bekehrt hielt ; doch als man nun anfing , ihr in dieser Beziehung nähere Mittheilungen zu machen , empörte sich gegen diese Täuschung ihr stolzes und reines Herz . Sie trat nun bestimmter entgegen , verdoppelte aber dadurch nur die Bemühungen um sich und zog sich