oder Blitz und Donner neben ihm niederleuchten und rasseln ? Wie viel und wie wenig weiß er alsdann davon ? Lichtenbergs Schriften können wir uns als der wunderbarsten Wünschelrute bedienen ; wo er einen Spaß macht , liegt ein Problem verborgen . In den großen leeren Weltraum zwischen Mars und Jupiter legte er auch einen heitern Einfall . Als Kant sorgfältig bewiesen hatte , daß die beiden genannten Planeten alles aufgezehrt und sich zugeeignet hätten , was nur in diesen Räumen zu finden gewesen von Materie , sagte jener scherzhaft , nach seiner Art : Warum sollte es nicht auch unsichtbare Welten geben ? - Und hat er nicht vollkommen wahr gesprochen ? Sind die neu entdeckten Planeten nicht der ganzen Welt unsichtbar , außer den wenigen Astronomen , denen wir auf Wort und Rechnung glauben müssen ? Einer neuen Wahrheit ist nichts schädlicher als ein alter Irrtum . Die Menschen sind durch die unendlichen Bedingungen des Erscheinens dergestalt obruiert , daß sie das Eine Urbedingende nicht gewahren können . » Wenn Reisende ein sehr großes Ergetzen auf ihren Bergklettereien empfinden , so ist für mich etwas Barbarisches , ja Gottloses in dieser Leidenschaft ; Berge geben uns wohl den Begriff von Naturgewalt , nicht aber von Wohltätigkeit der Vorsehung . Zu welchem Gebrauch sind sie wohl dem Menschen ? Unternimmt er , dort zu wohnen , so wird im Winter eine Schneelawine , im Sommer ein Bergrutsch sein Haus begraben oder fortschieben ; seine Herden schwemmt der Gießbach weg , seine Kornscheuern die Windstürme . Macht er sich auf den Weg , so ist jeder Aufstieg die Qual des Sisyphus , jeder Niederstieg der Sturz Vulkans ; sein Pfad ist täglich von Steinen verschüttet , der Gießbach unwegsam für Schiffahrt ; finden auch seine Zwergherden notdürftige Nahrung oder sammelt er sie ihnen kärglich , entweder die Elemente entreißen sie ihm oder wilde Bestien . Er führt ein einsam kümmerlich Pflanzenleben , wie das Moos auf einem Grabstein , ohne Bequemlichkeit und ohne Gesellschaft . Und diese Zickzackkämme , diese widerwärtigen Felsenwände , diese ungestalteten Granitpyramiden , welche die schönsten Weltbreiten mit den Schrecknissen des Nordpols bedecken , wie sollte sich ein wohlwollender Mann daran gefallen und ein Menschenfreund sie preisen ! « Auf diese heitere Paradoxie eines würdigen Mannes wäre zu sagen , daß , wenn es Gott und der Natur gefallen hätte , den Urgebirgsknoten von Nubien durchaus nach Westen bis an das große Meer zu entwickeln und fortzusetzen , ferner die Gebirgsreihe einigemal von Norden nach Süden zu durchschneiden , sodann Täler entstanden sein würden , worin gar mancher Urvater Abraham ein Kanaan , mancher Albert Julius eine Felsenburg würde gefunden haben , wo denn seine Nachkommen leicht mit den Sternen rivalisierend sich hätten vermehren können . Steine sind stumme Lehrer , sie machen den Beobachter stumm , und das Beste , was man von ihnen lernt , ist , nicht mitzuteilen . Was ich recht weiß , weiß ich nur mir selbst ; ein ausgesprochenes Wort fördert selten , es erregt meistens Widerspruch , Stocken und Stillstehen . Die Kristallographie als Wissenschaft betrachtet gibt zu ganz eigenen Ansichten Anlaß . Sie ist nicht produktiv , sie ist nur sie selbst und hat keine Folgen , besonders nunmehr , da man so manche isomorphische Körper angetroffen hat , die sich ihrem Gehalte nach ganz verschieden erweisen . Da sie eigentlich nirgends anwendbar ist , so hat sie sich in dem hohen Grade in sich selbst ausgebildet . Sie gibt dem Geist eine gewisse beschränkte Befriedigung und ist in ihren Einzelnheiten so mannigfaltig , daß man sie unerschöpflich nennen kann , deswegen sie auch vorzügliche Menschen so entschieden und lange an sich festhält . Etwas Mönchisch-Hagestolzenartiges hat die Kristallographie und ist daher sich selbst genug . Von praktischer Lebenseinwirkung ist sie nicht ; denn die köstlichsten Erzeugnisse ihres Gebiets , die kristallinischen Edelsteine , müssen erst zugeschliffen werden , ehe wir unsere Frauen damit schmücken können . Ganz das Entgegengesetzte ist von der Chemie zu sagen , welche von der ausgebreitetsten Anwendung und von dem grenzenlosesten Einfluß aufs Leben sich erweist . Der Begriff vom Entstehen ist uns ganz und gar versagt ; daher wir , wenn wir etwas werden sehen , denken , daß es schon dagewesen sei . Deshalb das System der Einschachtelung kommt uns begreiflich vor . Wie manches Bedeutende sieht man aus Teilen zusammensetzen ; man betrachte die Werke der Baukunst , man sieht manches sich regel- und unregelmäßig anhäufen ; daher ist uns der atomistische Begriff nah und bequem zur Hand , deshalb wir uns nicht scheuen , ihn auch in organischen Fällen anzuwenden . Wer den Unterschied des Phantastischen und Ideellen , des Gesetzlichen und Hypothetischen nicht zu fassen weiß , der ist als Naturforscher in einer üblen Lage . Es gibt Hypothesen , wo Verstand und Einbildungskraft sich an die Stelle der Idee setzen . Man tut nicht wohl , sich allzulange im Abstrakten aufzuhalten . Das Esoterische schadet nur , indem es exoterisch zu werden trachtet . Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt . Für die vorzüglichste Frau wird diejenige gehalten , welche ihren Kindern den Vater , wenn er abgeht , zu ersetzen imstande wäre . Der unschätzbare Vorteil , welchen die Ausländer gewinnen , indem sie unsere Literatur erst jetzt gründlich studieren , ist der , daß sie über die Entwickelungskrankheiten , durch die wir nun schon beinahe während dem Laufe des Jahrhunderts durchgehen mußten , auf einmal weggehoben werden und , wenn das Glück gut ist , ganz eigentlich daran sich auf das wünschenswerteste ausbilden . Wo die Franzosen des achtzehnten Jahrhunderts zerstörend sind , ist Wieland neckend . Das poetische Talent ist dem Bauer so gut gegeben wie dem Ritter , es kommt nur darauf an , daß jeder seinen Zustand ergreife und ihn nach Würden behandle . » Was sind Tragödien anders als versifizierte Passionen solcher Leute , die sich aus den äußern Dingen ich weiß nicht was machen . « Das Wort Schule