er wiegte sie nur noch ein wenig fort . Indes wurden , wiewohl ers nicht eingestehen wollte , seine jungen Rosenwangen so bleich wie eine Stirn , und das Gesicht fiel wie eine Taste unter der zersprungnen Saite ein . Es war rührend und hart zugleich , wenn er lachend unter seinen Freunden und deren Freunden saß mit einem entfärbten Gesicht - mit höhern , schärfern Knochen der Augen und der Nase - mit einem wildern Auge , das aus einer dunklern Knochentiefe loderte . Vor Musik , zumal Roquairols seiner , worin das leidenschaftliche Wogen und Werfen unsers Schiffs mit dem tonkünstlerischen abgenützten Wechsel des Dämpfers und Donners zu lebendig arbeitete , entfloh sein Ohr und Herz wie vor einer aufreibenden Sirene . Der abgebrochne Lanzensplitter der Wunde zog in seinem ganzen Wesen nagend herum . O , wie in den Kinderjahren , wenn ihm die Rosen-Wolke am Himmel gerade auf dem Berge aufzuliegen und so leicht zu ergreifen schien , das herrliche Gewölk weit in den Himmel zurückfuhr , sobald er den Berg erstiegen hatte : so stand jetzt die Aurora des Lebens und Geistes , die er nahe fassen wollen , so hoch und ferne droben über seiner Hand im Blau . Mühsam erreicht der Mensch die Alpe der idealischen Liebe , noch mühsamer und gefährlicher ist - wie von andern Alpen - das Herabsteigen von ihr . Eines Tages kam Chariton in die Stadt , bloß um ihm endlich einen Brief ihres Mannes - denn Dian machte wie alle Künstler leichter und lieber ein Kunstwerk als einen Brief - zu überbringen , worin er sich freuete , daß er Albano so bald sehen würde . » Er kommt also wieder ? « fragte der Graf . Sie rief betrübt aus : » Bei Leibe ! - Ja das ! - Nach seinem vorigen Schreiben bleibt er noch sein Jahr . « - » So versteh ' ich ihn nicht « , sagte Albano . Er wurde an demselben Abend auf herkulanische Bilderbücher - die mit Charitons Brief eine Post genommen hatten - von der Fürstin eingeladen . Sie trat ihm mit jener erheiterten Liebesmiene entgegen , welche man vor einem aufspannt , der vor uns sogleich , wie wir hoffen , seinen grenzenlosen Dank aus dem Herzen ziehen wird . Aber er hatte nichts daraus zu ziehen . Sie fragte endlich betroffen , ob er heute keine Briefe aus Spanien erhalten . Sie vergaß , daß die Post gegen kein Haus höflich und eilig ist als gegen das Fürstenhaus . Da aber sein Brief schon gewiß in seinem Zimmer lag : so erlaubte sie sich , die Rolle der Zeit zu nehmen , welche alles an den Tag bringt , und sagte , was im Briefe stehe , » daß sie nämlich im Herbste eine kleine Kunstreise nach Rom unternehme , auf der sie sein Vater begleiten werde und er diesen , wenn er wolle ; das sei das ganze Geheimnis « . - Es war das halbe ; denn sie setzte bald darauf hinzu , daß sie der besten Zeichnerin in der Stadt am liebsten die Freude dieser Reise zuwende , sobald diese nur genese - Lianen . Wie plötzlich das ganze Herz freudig erleuchtet wird , wenn nach einem langen finstern Regentage endlich abends die Sonne sich unter dem schweren Wasser ein goldnes , offnes Abendtor wölbt , darin rein-glänzend wie in einer Rosenlaube vor der widerscheinenden Erde steht , ihr einen schönern Tag ansagt und dann mit warmen Blicken verschwindet aus der offnen Rosenlaube : so war es unserem Albano . Der schöne Tag war noch nicht da , aber der schöne Abend . Er ließ die herkulanischen Bilder unter ihrem Schutt und eilte , so schnell als es die Dankbarkeit vergönnte , zum Blatte des Vaters zurück , der so selten eines gab . Es war dieses da : » Liebster Albano ! Meine Geschäfte und meine Gesundheit sind endlich in solcher Ordnung , daß ich meinen Plan bequem ausführen kann , den ich mit der Fürstin vorhabe , eine kleine Kunstreise nach Rom noch im Herbste zu machen , zu der ich dich einlade und im Oktober selber abhole . Die übrige Reisegesellschaft wird dir nicht mißfallen , da sie aus lauter tüchtigen Kunstkennern besteht , Herrn v. Bouverot , Herrn Kunstrat Fraischdörfer , Herrn Bibliothekar Schoppe ( wenn er will ) . Leider muß Herr v. Augusti als Lektor zurückbleiben . Dein Lehrer in Rom ( Dian ) erwartet dich mit vieler Sehnsucht . Man hat mir geschrieben , daß du die neue Hofdame der guten Fürstin , Fräulein v. Fr . , deren ich mich als einer sehr braven Zeichnerin entsinne , besonders begünstigest . Es wird dich daher interessieren , daß die Fürstin sie auch mitnimmt , zumal da ihr , wie ich höre , eine Gesundheitsreise so nötig ist wie mir . - Im Frühling , der ohnehin nicht die schönste Jahreszeit in Italien ist , kehrest du wieder zu deinen Studien nach Deutschland zurück . - Noch etwas im Vertrauen , mein Bester ! Man hat meiner Mündel , der Gräfin von Romeiro , deine Geister-Visionen aus Pestitz unverhohlen mitgeteilt . Da sie nun den Herbst und den Winter während meiner Abwesenheit bei ihrer Freundin , der Prinzessin Julienne , zubringt und noch dazu eher ankommt als ich : so lasse dich es nicht frappieren , daß sie deiner Bekanntschaft ausweicht , weil sich ihr weiblicher und ihr persönlicher Stolz durch den gauklerischen Gebrauch ihres Namens gekränkt und gerade zur Widerlegung der Gaukler recht aufgefodert findet . In der Tat konnte man - wenn die Spielerei anders einen ernsthaftern Zweck hat - wohl kein schlechteres Mittel dazu erwählen . - Du wirst tun , was die Ehre gebietet , und ob sie gleich meine Mündel ist , sie nicht zudringlich aufsuchen . Alles bleibt unter uns . Addio ! G. v. C. « Diese Aussichten - die erhebende , neben dem Vater so lange zu sein