wenn du an einem Fenster vorüber kamst , blicktest du hinaus auf den unablässig fallenden Schnee ; du horchtest auf den heulenden Wind – und wieder begannst du leise hin und her zu gehen und zu träumen . Ich glaube , jene wachenden Träume waren nicht düster ; dann und wann leuchtete dein Auge freudig auf , eine sanfte Erregung bemächtigte sich deiner Züge – das war kein bitteres , galliges , hypochondrisches Brüten , deine Blicke verrieten eher das süße Grübeln der Jugend , wenn ihr Geist auf leichten Flügeln dem Fluge der Hoffnung folgt und einem idealen Himmel zustrebt . Die Stimme von Mrs. Fairfax , welche in der Halle sprach , rüttelte dich auf , und wie seltsam du über dich selbst lachtest , Jane ! Es lag viel Sinn in deinem Lächeln ; es war sehr fein und schien über deine eigene Geistesabwesenheit zu spotten . Es schien zu sagen : » meine prächtigen Visionen sind wohl wunderbar , aber ich darf nicht vergessen , daß sie durchaus wesenlos sind . In meinem Hirn trage ich einen rosigen Himmel und ein grünendes , blühendes Eden ; aber ich weiß sehr wohl , daß hier draußen ein rauher Pfad vor meinen Füßen liegt , den ich durchwandeln muß , und daß um mich her sich schwarze Gewitterwolken zusammenballen , denen ich trotzen muß . Dann liefst du hinunter und batest Mrs. Fairfax , dir eine Beschäftigung zu geben , nämlich die Haushaltsrechnungen der Woche zu ordnen oder etwas Ähnliches . Habe ich nicht recht ? Ich zürnte dir damals , daß du dich meinen Blicken entzogst . Ungeduldig wartete ich auf den Abend , damit ich dich zu mir rufen lassen könne . Ich vermutete in dir einen neuen – für mich neuen – ungewöhnlichen Charakter . Ich hegte den Wunsch ihn zu ergründen und ihn näher kennen zu lernen . Du tratest ins Zimmer mit einem Blick , der zugleich Bescheidenheit und Unabhängigkeit verriet . Du warst einfach gekleidet – ungefähr so wie jetzt . Ich brachte dich zum Sprechen – und es dauerte nicht lange , so fand ich , daß die seltsamsten Kontraste in dir waren . Deine Kleidung und deine Manieren waren durch die Norm eingeschränkt und beengt ; deine Mienen und Betragen waren oft voll von Mißtrauen , aber durchaus verfeinert von Natur aus , wenn auch total ungewöhnt an Gesellschaft . Man fühlte es , wie sehr du fürchtetest , dich durch einen Mißgriff oder eine Ungeschicklichkeit unvorteilhaft auffallend zu machen ; wenn man dich jedoch anredete , so erhobst du ein klares , unerschrockenes , mutiges Auge zu dem Gesicht des mit dir Redenden ; in jedem deiner Blicke lag Kraft und Unterscheidungsgabe ; wenn man dir verfängliche Fragen stellte , fandest du stets klare und sachgemäße Antworten . Sehr bald schienst du dich an mich zu gewöhnen – Jane , ich glaube du fühltest , daß zwischen dir und deinem grimmen , harten Herrn Sympathie existierte ; denn es war erstaunlich zu sehen , wie schnell ein gewisses freudiges Behagen dein Wesen ruhiger stimmte ; wie sehr ich auch brummte und murrte , du trugst weder Erstaunen , noch Furcht , Verstimmung oder Ärger über meine Unfreundlichkeit zur Schau . Du beobachtetest mich und lächeltest dann und wann mit einer einfachen aber klugen Anmut , die ich nicht zu beschreiben vermag . Ich war zugleich zufrieden und gereizt durch das , was ich sah . Mir gefiel , was ich gesehen hatte und ich wünschte mehr zu sehen . Und doch behandelte ich dich während langer Zeit kalt und suchte deine Gesellschaft nur selten . Ich war ein kluger Epikuräer und wünschte die Annehmlichkeit zu verlängern , welche das Machen dieser neuen und pikanten Bekanntschaft mir gewährte . Außerdem quälte mich eine Zeit lang eine qualvolle Furcht , daß der Schmelz von der Blüte fallen würde , wenn ich zu sorglos mit ihr umginge – daß der süße Reiz ihrer Frische sich verlieren werde . Damals wußte ich ja noch nicht , daß es keine vergängliche Blüte sei , sondern das Ebenbild einer solchen aus einem unvergänglichen Edelstein geschnitten . Und überdies wollte ich sehen , ob du mich suchen würdest , wenn ich dich mied – aber das thatest du nicht ; du hieltst dich immer im Schulzimmer auf , so still wie dein Schreibtisch , wie deine Staffelei . Wenn ich dir zufällig begegnete , gingst du mir so schnell und so fremd vorbei , wie es sich nur irgend mit den Gesetzen der Höflichkeit vereinbaren ließ . Dein gewöhnlicher Gesichtsausdruck in jenen Tagen , Jane , war ein gedankenvoller ; nicht niedergeschlagen , denn du warst nicht krankhaft ; aber auch nicht fröhlich , denn du hattest wenig Hoffnung und kein einziges wirkliches Vergnügen . Ich fragte mich verwundert , was du wohl von mir denken könnest , oder ob du überhaupt an mich dächtest – und um dies ausfindig zu machen , fing ich wieder an , dir Beachtung zu schenken . Es lag etwas Freundliches in deinem Blick , etwas Sympathisches in deiner Weise , wenn du dich unterhieltst ; ich sah , daß du ein mitteilsames Herz hattest – es war also nur das stille Schulzimmer , das ewige Einerlei deines täglichen Lebens , das dich traurig machte . Ich gestattete mir die Freude , gütig gegen dich zu sein . Güte belebte dein Empfinden gar bald . Der Ausdruck deines Angesichts sänftigte sich , deine Stimme wurde weich ; es erfüllte mich mit Wonne , wenn du meinen Namen in so dankbaren , glücklichen Lauten aussprachst . Es machte mir Vergnügen , wenn ich dich damals durch einen Zufall traf , Jane . In deinem Benehmen lag etwas eigentümlich Zauderndes ; du blicktest mich mit leiser Unruhe an – ein zeitweiliger Zweifel : du wußtest ja nicht , welche Kaprice mich wiederum treiben mochte – ob ich wiederum den Herrn spielen und strenge und hart sein oder den Freund herauskehren und wohlwollend