Lachen in dir . Oder seit Adam ist kein Prophet auf der Welt gewesen , und der Malimmes vom Taubensee ist ein Schaf mit sieben Haxen . « Das heitere Schwänzlein , das er hinter den Ernst seiner Worte gehängt hatte , wollte nicht wirken . » Du tust mich martern . « » So mußt du ' s halt ein lützel aushalten . Ein junges Mannsbild darf nicht wehleidig sein . Jetzt bist du eins . Was du sein wirst , bis der Neumond ins Wachsen kommt , das mag ich nit wissen . Und paß auf , Gesell , ich sag dir was ! Die irdischen Leut in ihrer Torheit reden von allerlei Sachen . Die sagen : Tod oder Leben , Ehr oder Schand , Hab oder Armut , Licht oder Finsternis . Für alles , nach dem sie dürsten oder was sie fürchten , haben die narrischen Menschen so einen Laut . Ist alles bloß ein lausiges Wörtl . Alles ist Nußhaut . Kern ist bloß ein einzigs . Die ' s richtig erleben , können nit sagen , was es ist . Bloß die wissen es , die ' s nie nit finden und allweil hungern . Die sagen : Glück ! - - Bub ? Hörst du , was ich sag ? « Ein schluchzender Laut . In der Höhe fingen die Sterne zu blitzen an , während über dem Moor das Nebelziehen der Herbstnacht immer dichter qualmte . Die Feuerhelle der siegreichen Stadt war schon verschwunden . Und auch der Schein der vielen Fackeln , die sich über die Moorstraße herbewegten , drohte zu erlöschen in diesem schwärzlichen Grau . Doch immer lauter scholl das Erbsengerüttel in der Eisenschüssel . Während die Köpfe der zwei ruhig stehenden Gäule zärtlich miteinander scherzten , waren die Worte des Malimmes ein heißes Flüstern : » Muß ein hurtiges Ding sein ! Das Glück ! Hat zwei springende Füß , will nit stehen bleiben und mag nit warten . Lauft einem allweil davon . Wer ' s haben will , muß es greifen im richtigen Schnaufer . Ich Esel hab den richtigen verpaßt . Liebs Maidl , tu die Augen auf ! Wenn dein Glück kommt , so pack ' s ! « Seine Stimme wurde wie das Knirschen eines Fieberkranken . » Laß nimmer aus ! Das Glück ist alles . Und was du brauchst dazu , das nimm ! Ist alles dein ! Mein Sack und Geld , mein Roß und Eisen , mein Blut und Leben . Nimm ' s ! Und daß du ' s weißt : Fürgestern hat mir der Herzog einen geschenkt , den ich fangen will . Und der ist dein ! Nimm ihn ! Nimm ihn ! « Taumelnde Worte : » Ich weiß nit , wen du meinst ! « » Den du lieb hast ! « » Mensch ! « Eine Stimme in heißem Zorn . » Bist du ein Narr ? Oder redest du im Rausch ? « Nach langem Schweigen sagte Malimmes heiter : » Jetzt hast du ' s troffen ! Ist wahr , heut hab ich den Becher fest gelupft . Ich fürcht mich nit so leicht . Aber heut ? Recht hast du ! Heut hab ich mir ein lützel Mut in die Leber gegossen . Weil ich sorg , daß morgen Verliertag ist . Das Letzte verlier ich nie . Ich selber bleib mir noch allweil . Aber morgen verlier ich das Beste . « Er faßte mit einem wilden Griff den Zügel des Falben . » Komm ! Wir müssen dem Seipelstorfer Meldung machen , daß die Mäus ins Wasser hupfen . « Er ließ die zwei Gäule keuchend hinaufjagen über den steilen Hügel , auf dem der Wald begann . Draußen im Moor verwandelte sich das Gerüttel der Erbsen in schweres Eisengerassel . Gäule stampften , man hörte das Räderknarren flink fahrender Karren , den dumpfen Schritt marschierender Haufen . Das Wiehern und Schnauben der Rosse , schreiende Befehle und die vielen aufgeregten Stimmen - alles schmolz ineinander zu einem wirren Lärm . Auf der festen Wiesenfläche , die vom Halbkreis der im Nebel unsichtbaren Waldhügel umzogen war , sammelte sich das fliehende Heer des Ingolstädters . Zelte wurden aufgeschlagen , Lagerfeuer angezündet . Bei den Troßkarren rauften sich die Hungrigen um die Zehrung , die man austeilte . Die geleerten Karren verkeilte man gegen die Moorstraße zu einer Schanze , um das rastende Kriegsvolk gegen einen nächtlichen Überfall der Münchener zu schützen . Als die Erschöpften bei den Feuern ruhen konnten , ihren Hunger stillen und den Durst ersäufen , kam in den Lärm des von Nebeln umsponnenen Lagers ein heiterer Klang . Die Lagerdirnen sorgten für Aufmunterung der betrübten Helden . Den Herzog hatte man zu einem Hauptmannszelte geführt , vor das Fürst Pienzenauer die Gadnischen als Wache stellte . Seinen scharlachfarbenen Einrössern traute Herr Ludwig nimmer . Während ihm beim Schein einer Fackel der zitternde Wolfl , der ein gedunsenes Gesicht und an den Handgelenken dicke Striemen hatte , die blauen , unter Schlammkrusten erloschenen Stahlschienen herunterschnallte , blieb der Herzog schweigsam . Er schien nicht zu hören , was die Herren und Hauptleute redeten , die im Zelte waren . Immer sah er die zwei abgehetzten Hunde an , die in ihrem schlammigen Haar auf einer Pferdedecke lagen und die jappenden Zungen über die schwarzen Lefzen hängen ließen . Sein stolzer Körper war gebeugt , sein Gesicht gealtert . Dunkle Ringe lagen um die Augen , tiefe Schnitte um den Mund . Was ihm der Wolfl hatte sagen müssen , hatte ihm die letzte Kraft zerbrochen . Als er des Eisens ledig war , sah er die Herren an und machte mit der Hand eine dankende Bewegung . » Morgen ! Heut sind wir müde . Wer schlafen kann , soll es tun ! « Er lächelte ein bißchen . » Laßt euch was Holdes träumen ! Die schönen Dinge muß man im Schlafe finden