wirr durcheinander lagen . Diese Mauer hatte zu ebener Erde eine schmale Toröffnung , auf welche der Ustad zuritt , indem er sagte : » Das ist die Diwar-y-Mugasa93 . Weshalb sie so genannt wird , weiß ich nicht . Wahrscheinlich hat sie einst als eine Art von Talsperre gedient . Jetzt ist dieser Ort so verrufen , daß man ihn am hellen Tage meidet , wie viel mehr also jetzt , des Nachts . Du wirst hier ungestörter sein als an jeder andern Stelle , Effendi . Man behauptet , wenn der Teufel eine Seele hole , so schaffe er sie des Nachts hierher , um sie zu zerreißen . « » Angenehme Wartestation ! « lachte ich . » Bei der bekannten Leichtgläubigkeit der frommen Taki-Kurden bin ich da allerdings im höchsten Grade vor menschlichen Besuchen sicher . Andere aber können mich nicht stören . « Wir stiegen ab , führten unsere Pferde zwischen den Steinen hindurch dem Tore zu und befanden uns , als wir dasselbe passiert hatten , zunächst in einem oben zugebauten Raume , in dem es vollständig dunkel war . » Daran habe ich nicht gedacht , « fuhr der Ustad fort . » Wir hätten Licht mitnehmen sollen . « » Habe ich , « sagte ich , indem ich eines aus der Tasche nahm und anbrannte . Man hatte einen viereckigen , mit einem Dache versehenen Anbau an die Mauer gefügt . Hinten ging eine Oeffnung in die Schlucht ; sie war von außen dicht verwachsen . In der Mitte der Dunkelkammer lag eine große Steinplatte . Weiter war nichts zu sehen . Da uns die Vorsicht verbot , die Pferde gleich hier unterzubringen , wo es im unerwünschten Falle weder ein Verbergen noch ein Entrinnen gab , versuchten wir , durch die Oeffnung hinaus in das Freie zu dringen , doch ohne die hindernden Büsche , welche diese Tür verstopften , in auffälliger Weise zu verletzen . Es gelang . Draußen war es halbdunkel , denn die Sterne fehlten dieser schmalen Schlucht , deren Felsenwände ganz beträchtlich in die Höhe stiegen . Es war keineswegs ein einladender Ort , an dem wir uns befanden . Seine Düsterheit stimmte ganz zu der teuflischen Idee , von welcher der Ustad gesprochen hatte . Wir führten die Pferde ein beträchtliches Stück in die Enge hinein und ließen sie sich niederlegen . Dann wurde es für Kara und den Ustad Zeit , ihren Gang nach der Bergeshöhe anzutreten . Ich bat sie , das Gebüsch an der Tür zu schonen , damit wir nicht durch abgebrochene Zweige verraten würden ; dann entfernten sie sich . Ich aber setzte mich zu Syrr , doch so , daß ich jeden Nahenden eher bemerken konnte , als er mich . Es verging Viertelstunde um Viertelstunde . Die Mitternacht kam . Also befanden sich meine beiden Kameraden jetzt wahrscheinlich oben auf ihrem Lauscherposten . War es ihnen gelungen , den Ort der Zusammenkunft zu entdecken ? Eben legte ich mir diese Frage vor , da sah ich zwei Gestalten , welche langsamen Schrittes von der Mauer her nach hinten kamen - - - persisch gekleidet ; sie waren es . Da stand ich auf . » Bleib ruhig sitzen ! « sagte der Ustad . » Wir haben über eine Stunde zu warten , ehe ich nach dem Bache gehen kann . « » Eure Absicht ist nicht gelungen ? « fragte ich . » Nein , « antwortete er , indem wir uns niedersetzten . » Wir lagen gut versteckt beim Hollunderbaum . Da kam Ahriman Mirza mit noch Einem . Wahrscheinlich war dies der Vertraute , den du in unsern Ruinen bei ihm gesehen hast , denn der Mirza hatte sich nicht vor ihm verhüllt . Sie sprachen miteinander , nicht lange und auch nicht laut , doch so , daß wir jedes Wort verstanden . Ahriman hatte die Reitpeitsche in der Hand . Er mußte erst kürzlich einmal hier gewesen sein , denn er nahm eine Larve aus dem hohlen Baume , die nicht drin gewesen ist , als Kara ihn untersuchte . Er band sie vor das Gesicht und zog dann eine Agraffe aus der Tasche seines Rockes , um sie an die Mütze zu stecken . Dabei sagte er : Die habe ich noch von drüben , bei den Dschamikun . Ich fand keine Zeit , sie zu verstecken , weil ich wegen des Scheik ul Islam schnell um den Berg herum zu meinem Pferde mußte . Die hiesige kann also steckenbleiben , vielleicht für immer , denn ich glaube nicht , daß ich sie hier noch einmal brauchen werde . Heut mache ich es kurz . Die Befehle zur Umzingelung am Mittwoch Abend sind schnell gegeben . Dann gehe ich im » Utaq-y-Scheijtan « 94 noch einmal die beiden Dokumente durch , ehe ich dem Scheik ul Islam das seinige in der Dschemma wiedergebe . Jetzt komm ! Dieser Lieblingsesel Allahs ahnt gar nicht , daß er sich mit der Unterschrift der Kaiserurkunden vollständig in meine Hand geliefert hat ! Sie gingen , und wir krochen aus unserm Versteck hervor , um ihnen zu folgen . Da dies aber höchst leise und vorsichtig geschehen mußte , taten wir es nicht schnell genug und suchten dann vergeblich , eine Spur von ihnen zu sehen oder zu hören . Um wenigstens nicht ganz ohne Resultat zu dir zu kommen , kehrten wir zum Hollunder zurück , aus dem wir die Agraffe genommen haben . « » Warum ? Wozu ? Kann das nicht üble Folgen haben ? « » Möglich ! Aber ich hatte das Gefühl , daß ich dieses glitzernde Ding nicht steckenlassen dürfe . Ich kenne diese Empfindung ; sie hat mich immer richtig geführt . Denke an unsere Anzüge , ohne welche wir von dem Boten jedenfalls nichts erfahren hätten ! « » So mag es sein . Auch ich folge derartigen Eingebungen stets gern . Ist dir der Name Utaq-y-Scheijtan bekannt