einem Liebeswege ging . In die jährliche Verlosung , welche mit der Gemäldeausstellung verbunden war , hatte Erikson eines seiner kleinen Bilder verkauft , und dasselbe war von der Witwe eines großen Bierbrauers gewonnen worden , die nicht gerade im Rufe einer Kunstfreundin stand , sondern mehr in Erfüllung einer Anstandspflicht reicher Leute sich an diesen Dingen beteiligte . Da es öfter vorkam , daß so gewonnene Gegenstände an zudringliche Händler verschleudert wurden , so suchten die Künstler ihr Werk in solchem Falle wiederzuerwerben , um den Gewinn selbst zu machen . Auch Erikson hatte bei gedachter Gelegenheit den Versuch gewagt und gehofft , das Bild um ermäßigten Preis an sich zu bringen , um es abermals zu verkaufen und der Mühsal der Erfindung und Ausführung eines neuen Werkleins für einmal enthoben zu sein . Denn er war bescheiden und hielt nicht dafür , daß das Bestehen der Welt von der Unerschöpflichkeit seines Fleißes abhänge . Er suchte also die Wohnung der Gewinnerin unverweilt auf und stand bald auf dem Vorsaale des Witwensitzes , dessen Stattlichkeit das Gerücht von dem Reichtume des verstorbenen Brauers zu bestätigen schien . Eine alte Dienerin , welcher er sein Anliegen mitteilen mußte , brachte ihm ohne Zögern den Bericht , daß die Herrin das Bild mit Vergnügen abtrete , daß er aber ein andermal wieder vorsprechen möge . Weit entfernt , über solche Willfährigkeit und Geringschätzung empfindlich zu sein , ging Erikson ein zweites und drittes Mal hin , und erst jetzt wurde er etwas betroffen und erbost , als die Dienerin endlich kundtat , die bequeme Dame verkaufe das Bild um ein Vierteil des angegebenen Wertes und bestimme das Geld für die Armen ; der Herr Maler möge , um nicht fernere Mühe zu haben , es am andern Tage bestimmt abholen und das Geld mitbringen . Er tröstete sich indessen mit der Aussicht , nun jedenfalls ein Vierteljahr nicht malen zu müssen , und das Wetter ausspähend , ob es gute Jagdtage verspreche , machte er sich zum vierten Male auf den Weg . Die unvermeidliche Alte führte ihn in ihr kleines Dienstgemach und ließ ihn da stehen , um das Kunstwerkchen herbeizuholen . Dieses war aber nirgends zu finden ; immer mehr Bedienstete , Köchin , Kammermädchen , Hausknecht und Kutscher rannten umher und suchten in Küche , Keller , Kammern und Remisen . Endlich rief das Geräusch die Witwe herbei , und als sie , die , nach dem kleinen Bildchen urteilend , gewähnt hatte , einen ebenso kleinen und dürftigen Urheber zu finden , nun den mächtigen Erikson dastehen sah , dessen Goldhaar glänzend auf die breiten Schultern fiel , geriet sie in die größte Verlegenheit , zumal er , aus einem ruhigen Lächeln erwachend , sie mit festem offenem Blicke betrachtete wie eine Erscheinung . Sie war aber auch des längsten Anschauens wert ; von der Rosenfarbe der Gesundheit und Lebensfrische überhaucht , kaum vierundzwanzig Sommer alt , vom reinsten Ebenmaß an Gestalt und Gliedern , mit braunem Seidenhaar und braunen lachenden Augen , konnte ihr Wesen kurz und gut als ein aphrodisisches im besten Sinne bezeichnet werden , ein solches nämlich , das der Eignerin wohl bewußt war und von ihr selbst darum mit edler Sitte gehütet wurde . Um die gegenseitige Verwunderung und Verlegenheit zu endigen , lud die Errötende mit zurückgekehrter Geistesgegenwart den Maler ein , in das Zimmer zu treten , und wie sie dort waren , entdeckte er die kleine Gemäldekiste , welche als Fußschemel unter dem Arbeitstischchen der Witwe stand , von dieser nicht beachtet oder vergessen . » Hier ist ' s ja ! « sagte Erikson und zog das Kistchen hervor . Es war noch nicht einmal geöffnet worden ; denn der Deckel haftete noch leicht aufgeschraubt an demselben . Erikson machte ihn mit wenig Mühe los , und das kleine Bild glänzte nun in seinem Rahmen , der nach einem alten reichen Muster gearbeitet war , mit aller Frische im Tageslichte . Inzwischen hatte die junge Frau die Lage der Dinge schnell zu erfassen gesucht und wünschte vor allem der Beschämung zu entgehen , die ihr die nachlässige Art , eine Kunstsache zu behandeln , zuziehen konnte . Von neuem errötend , sagte sie , sie habe in der Tat nicht gewußt , um was es sich handle ; nun aber , obgleich sie keine Kennerin sei , scheine ihr doch das Bildchen von vorzüglichem Werte , und sie glaube den Schöpfer desselben zu beleidigen , wenn sie nicht mindestens die Hälfte des Ankaufspreises verlange . Besorgt , sie möchte ihre Forderung abermals erhöhen , beeilte sich Erikson , die Börse zu ziehen und die Goldstücke hinzulegen , indes die Dame das einfache Landschäftlein immer aufmerksamer betrachtete und die schönen Augen in dem sonnigen Gefildchen spazierengehen ließ , wie wenn sie Land und Meer des Golfes von Neapel vor sich hätte . Dann blickte sie wie verschüchtert zu dem Recken empor und begann wieder je mehr sie das Bild ansehe , desto besser gefalle es ihr , und sie müsse nun die volle Summe dafür fordern ! Seufzend bot er drei Vierteile , um wenigstens etwas zu retten . Allein sie scheute sich keineswegs , auf ihrer Wortbrüchigkeit zu beharren , und erklärte , das Bild lieber behalten als es unter dem Werte hingeben zu wollen . » In diesem Falle wäre es lieblos von mir « , versetzte Erikson , » mein kleines Werk einer so guten Stelle zu berauben ; auch habe ich keine weitere Ursache mehr , auf einem Handel zu bestehen , der mir keinen Gewinn bringt ! « Er strich hiemit sein Geld wieder ein und machte Anstalt , sich zu entfernen . Doch die Schöne , den Blick auf das Bildchen gerichtet , bat ihn mit einiger Verlegenheit , noch einen Augenblick zu verziehen . Erst jetzt bot sie ihm einen Stuhl an , um Zeit zu gewinnen , ihre Genugtuung für den solchem Manne angetanen Affront vollständig zu machen . Endlich besann