hat ihn eben gefunden . Und dabei legte sie eine große Frühkartoffel vor ihn hin , die , beim Ansetzen , mit ihrer Spitze in den goldenen Erbring hineingewachsen war . Da war er also wieder . Die gnädige Mutter Natur gab ihn heraus , und Josua von Bredow und seine geborene von Ribbeck wußten nun , daß wieder bessere Tage kommen würden . Er gab ihr einen Kuß und strich den alten Arnstedt ohne Widerrede aus . Und als in der Woche darauf die silberne Hochzeit wirklich gefeiert wurde , da traten sie zum zweiten Mal vor den Altar , und der alte Lehniner Pastor Krokisius , der aber damals noch bei mittlern Jahren war , hielt eine wunderschöne Rede über den Spruch : Wen Gott liebhat , dem müssen alle Dinge zum Besten dienen . Und als seine Rede , denn er konnte sich nicht kurz fassen , endlich zu Ende war , da nahm er die Hand der Silberbraut und steckte den Ring an denselben vierten Finger , von dem ihn die böse Haselrute abgestreift und dadurch eine lange Zwischenzeit des Unfriedens geschaffen hatte . Am Tage nach dieser Feier aber , denn sie mochten sich von ihrem Schatz nicht wieder trennen , ließen sie von Berlin her einen Graveur kommen , der mußte den Tag des Verlustes und des Wiederfindens in den Ring eingraben und die schöne Bibelstelle , über die Pastor Krokisius gepredigt hatte . Und wenn sie nicht gestorben sind , so leben sie heutigen Tages noch . « Die Gräfin-Exzellenz hatte während der Erzählung mehr und mehr ihre hautaine Haltung abgelegt und tippte jetzt Lewin , wie zur Besiegelung ihrer jungen Freundschaft , mit der Lorgnettenspitze auf die Hand . Kathinka versprach , sobald sie Königin geworden sein würde , ihn als Traumdeuter und ersten Erzähler an ihren Hof zu ziehen , und nur die Bischofswerder konnte sich nicht darüber beruhigen , daß dieser entzückende Ring gerade in eine Kartoffel hineingewachsen sei , » die Poesie leide darunter « , eine Bemerkung , der Lewin ohne weiteres zustimmte , weil er die Unmöglichkeit einsah , in diesen ästhetischen Anschauungen Licht zu schaffen . Der alte Geheimrat , seiner Natur entsprechend , verweilte bei Nebensächlichkeiten und wollte namentlich wissen , welcher Bredowschen Linie der Erbring angehört habe . Dann kam er auf Lehnin , verbreitete sich über die Weissagung , deren erste und letzte Zeilen er im lateinischen Original auswendig wußte , und schloß mit einem Seufzer darüber , daß ihm während voller siebzehn Jahre ein Besuch dieser alten Kulturstätte , zugleich des Begräbnisplatzes so vieler Markgrafen und Kurfürsten , versagt geblieben sei . » Aber warum versagt ? « unterbrach ihn Tubal , und ehe der alte Ladalinski antworten konnte , fiel Kathinka mit aller Bestimmtheit ein : » Machen wir die Partie . Wer ist unser Reisemarschall ? Tubal , nein ; Lewin , zweimal nein . Aber Sie , Herr von Jürgaß ! Ich will nicht so viel Menschenkenntnis haben , um einen Attaché von einem Professor zu unterscheiden , wenn Sie nicht der geborene Reisemarschall sind . « » Ich würde sofort meine Unfähigkeit beweisen , wenn ich widerspräche . « » Also angenommen ? « » Ja . « » Und wann ? « » Nicht vor Dienstag . Wir haben in Potsdam Relais ; so ist es Zeit , wenn wir um Mittag aufbrechen . Rendezvous : Schöneberg , am Schwarzen Adler . Zwölf Uhr pünktlich . Au revoir . « Fünfzehntes Kapitel Lehnin Und der verabredete Dienstag kam . Aber er kam nicht , ohne daß das eingetreten wäre , was bei ähnlichen Verabredungen immer einzutreten pflegt : die Hälfte hatte sich inzwischen eines andern besonnen . Nicht nur die Gräfin-Exzellenz samt der Dame d ' atour vom Hofe der hochseligen Königin , auch der alte Geheimrat , dessen pedantisch-romantisches Verlangen , die lateinischen Zeilen der Lehninschen Weissagung an Ort und Stelle zitieren zu können , den eigentlichen Anstoß zu der Partie gegeben hatte , hatte schließlich auf die Teilnahme daran verzichtet . Aber an Stelle dieser ausscheidenden Elemente waren andere herangezogen worden , und ein frischer , in der Nacht von Montag auf Dienstag gefallener Schnee versprach eine rasche und prächtige Fahrt . Denn man war übereingekommen , die Partie zu Schlitten zu machen . Ein leiser Ostwind ging , die Sonne schien , und der Himmel stand blau und wolkenlos wie eine Glocke . Es schlug eben zwölf vom Schöneberger Turm , als vier Schlitten vor dem » Schwarzen Adler « , dem durch Jürgaß bestimmten Rendezvous , vorfuhren . Ihre Insassen waren Bekannte vom Ladalinskischen Balle her , Graf Matuschka , Graf Seherr-Thoß , Graf Zierotin , alle drei mit ihren jungen Frauen . Nur Bninski fehlte . Statt seiner war Tubal als Schlittenpartner eingetreten und hatte an Kathinkas Seite Platz genommen . Eine Minute später erschien ein fünftes Gespann , etwas größer und nach Art aller gemieteten Schlitten ziemlich unelegant , in dem Lewin , von Hirschfeldt und Bummcke saßen . Jürgaß , der zu beschaffenden Relais halber , war schon seit drei Stunden nach Potsdam voraus . Die Begrüßungen gingen eilig , denn es gebot sich , des kurzen Tages halber , mit den Minuten zu geizen . Tubal nahm die Tête , dann folgten die drei jungen Paare , während der » Célibataire-Schlitten « , wie die gräflichen Damen das zuletzt eingetroffene Gefährt in guter Laune getauft hatten , den Schluß machte . An dieser guten Laune nahm alsbald alles teil ; die Pferde warfen den Schaum nach hinten , die Schellen und Glöckchen läuteten , und wenn ein niedrig hängender Zweig gestreift wurde , stäubte der Schnee in die Luft oder fiel in glitzernden Kristallen auf die Muffen und Bärendecken nieder . Und dabei Geplauder überall , auch in dem abschließenden Schlitten der Célibataires . » Wo nur Bninski sein mag ? « fragte Lewin . » Er schien so geneigt , uns zu begleiten . « » So haben