Sie schon eine solche Uhr gesehen ? doppelter Secundenzeiger - der Zeiger oben zeigt Monat und Datum - direct aus London - ich glaube , es ist die erste , die auf dem Continent getragen wird . Apropos ! wer kann denn heute Nacht das hübsche , schwarzäugige , kleine Ding gewesen sein , das wir auch aufgestört hatten und das im allerliebsten Nachtcostüm über den Flur huschte - es schien eine Art Wirthschafterin oder dergleichen . Ihr habt doch weiter keinen Besuch auf dem Schlosse ? Nein - Also ganz en famille ? Wollen Sie gefälligst die Klingel über Ihrem Kopfe ziehen ? Ich dächte , ich sähe heute ganz ausnehmend wohl aus - Jean ! habe ich Dir nicht gesagt , Kameel , daß Du diesen Rock hier nicht tragen sollst - gleich zieh ' den neuen an ! und dann geh ' und frage bei der gnädigen Herrschaft an , ob ich jetzt meine Aufwartung machen dürfe . Die Frau Baronin haben schon zweimal nach dem Herrn Baron gefragt . Nun , dann sag ' , ich würde gleich kommen . - A revoir , lieber Timm , ich hoffe , Sie an der Mittagstafel zu sehen - und Felix warf noch einen letzten Blick in den Spiegel , goß etwas Eau de Cologne auf sein weißes Taschentuch und schritt durch die Thür , welche ihm Jean öffnete , davon , ohne sich weiter nach Albert , der ihm auf dem Fuße folgte , umzusehen . Dieser schaute dem Enteilenden mit einem höhnischen Lächeln auf den schmalen seinen Lippen nach : lieber Timm , murmelte er ; ich will Dir den lieben Timm und das Sie anstreichen , Du Affe ! Es war am Abend desselben Tages . Man hatte so eben die Mahlzeit , die bei gutem Wetter jetzt stets auf der Terasse eingenommen wurde , beendet und bereitete sich zu einem gemeinschaftlichen Spaziergange , den man , auf den Vorschlag der Baronin , durch den Buchwald nach dem Strande machen wollte . Oswald hätte sich ausschließen mögen , da ihm in seiner augenblicklichen Stimmung die Gesellschaft peinlich war , aber Felix , der ein großes Gefallen an dem schweigsamen , ernsten Mann zu finden schien , hatte ihn so lange gebeten , kein Störenfried und Spielverderber zu sein , daß er sich endlich , zu Bruno ' s großer Freude , zum Mitgehen entschloß . So brach man denn auf und gelangte bald in den schönen Wald , wo in den grünen Zweigen noch die rothen Abendlichter spielten und die Vögel sangen . Felix hatte der Baronin den Arm gegeben ; Fräulein Helene ging an ihres Vaters Seite ; Oswald , Albert und die Knaben und Mademoiselle Marguerite gingen voran oder folgten , bald einzeln , bald paarweise , wie der schmale Waldweg es eben erlaubte . Felix , den sein Arzt besonders vor Erkältung gewarnt hatte , fand es im Wald doch kühler und feuchter , als er vermuthet , und er wünschte im Stillen sehnlichst , daß die Partie sich nicht zu sehr in die Länge ziehen möchte . Indessen hielt er es natürlich für gerathener , seinen geheimen Wünschen keine Worte zu leihen , sondern dem reizenden Einfall » dieses romantischen Spazierganges « ein Compliment zu machen . Es freut mich , wenn ich damit Ihrem Geschmack entsprochen habe , lieber Felix , sagte Anna-Maria : ich gestehe , ich hätte Ihnen so viel Sinn für die einfachen Freuden das Landlebens nicht zugetraut . Wie gut trifft es sich , daß auch Helene diesen Geschmack theilt . Ihr werdet einmal ein recht verständiges , solides Leben führen , wie es sich für Eure Verhältnisse schickt . Nun , meine Verhältnisse , liebe Tante - Werden sich bessern , ich bin davon überzeugt ; aber Sie werden viel zu thun haben , lieber Felix , bis Sie ganz frei aufathmen können . Wie lange hat es gedauert , bis selbst wir nur die allergrößten Hindernisse aus dem Wege geräumt hatten ! und von einer wirklichen Beherrschung der Situation können wir erst in ein paar Jahren sprechen , wenn Stantow und Bärwalde uns hoffentlich nicht mehr länger vorenthalten werden können und die übrigen Güter in neuen und , ich denke , besseren Pacht kommen . Sie sollten Ihre Güter auch neu vermessen lassen , lieber Felix . Sie finden in Timm einen fleißigen und geschickten Arbeiter . Ich bin ganz überrascht , daß Sie den jungen Mann schon von früher her kennen ; von der Cadettenschule , nicht wahr ? Ja , liebe Tante ; er war ein großer - Liebling - ich glaube es gern ; ist er es doch auch hier bei uns Allen . Das wollte ich nun eigentlich nicht sagen , versetzte Felix lachend ; indessen man hatte ihn allerdings im Allgemeinen sehr gern . Er war der unermüdlichste Spaßmacher ; und wenn es sich um einen Geniestreich handelte , so stand er sicher an der Spitze . Indessen , man thut gut , ihm den Daumen etwas auf ' s Auge zu halten ; er gehört zu den Leuten , die , wenn man ihnen den kleinen Finger giebt , die ganze Hand nehmen . In der That ! sagte Anna-Maria , die Augenbrauen in die Höhe ziehend ; ich habe den jungen Menschen bis jetzt stets für die Bescheidenheit selbst gehalten ; für viel bescheidener , als etwa unsern Herrn Stein . Wirklich ? meinte Felix ; ich hätte nun gerade gedacht , daß Herr Stein sich seiner Stellung vollkommen bewußt ist . Nun , Sie werden ihn noch näher kennen lernen . Er ist einer der arrogantesten Menschen seines Standes , die mir je vorgekommen sind . Wir wollen ihm das austreiben , sagte Felix , seinen äußerst winzigen Schnurrbart drehend ; mit solchen Leuten muß man kurzen Prozeß machen . Ich kenne das . Diese Leute sind sich alle gleich . Sobald sie merken , daß wir sein wollen , was wir von Rechtswegen sind -