endlich doch über Ulrich kam : da nahm er es an , daß dieser alle Schuld sich selbst auflud - und suchte sich selbst davon zu befreien . Um Vater und Mutter litt Ulrich diese Qual . Ein Leben voll ungestillter Sehnsucht nach dem Sohne hatten sie geführt ; redlich mit sich gekämpft , um seinetwillen auf ein Wiedersehen mit ihm zu verzichten , damit er nie das unselige Geheimniß seiner Geburt erfahre - und nun , nach so langer Zeit hatten sie es doch verrathen ! Nun hatten die segnenden Elternhände auf seinem Haupt geruht - es waren nur Augenblicke gewesen voll Kampf und Qual und Wehmuth - und wie theuer waren sie erkauft ! Wie hatte Ulrich nur allein seiner hohen Kunst gelebt ! wie war ihm jede Versuchung leicht gewesen zu überwinden , die ihn einmal zum Niedern ziehen wollte , schon allein durch diesen heiligen Schwung seiner Seele , die vom Gemeinen und Rohen sich abgestoßen fühlte ! Wie redlich hatte er mit sich gekämpft , wenn die Versuchung kam in einem reizenderen Gewande , mit einem Blick , der auch zum Himmel flog , in ihm den seinen zu begegnen - aber doch in irdisch schöner Form , an die er nie sich hingeben durfte ! Der Schwärmerei widerstand er nicht , aber sie machte ihn nur begeisterter und wärmer und lockte ihn zu keiner Sünde . Nur der Versuchung , die von Elternhand ihm kam , hatte er nicht zu widerstehen vermögen . So wenig wie sein Dasein überhaupt ein Verbrechen war vor Gott , da es die Welt und zumal die Satzungen des Bundes , dem er angehörte , es doch dem Unschuldigen selbst dazu machten : so wenig war ein Verbrechen vor Gott , wenn der Sohn den Vater vom entsetzlichsten Tode rettete , als dessen Ursache er sich selbst anklagen mußte ; aber es war ein Verbrechen vor der Welt und vor dem Gericht , daß er ihm ein Opfer entzog . Er war vor sich selbst auf der Hut gewesen , nicht nach seiner Mutter zu forschen , und da er erfuhr , wie nahe sie ihm war , und in ' s Claragäßlein zog , um ihr noch näher zu sein : da hatte er dennoch jeder Versuchung widerstanden , sich und sie zu verrathen ; aber wie hätte er mögen die Mutter auf dem Sterbebette sich vergeblich nach ihm sehnen lassen - wie hätte er mögen dem eigenen Sehnen widerstehen , den letzten Segen seiner Mutter zu erhalten ? Nun war es geschehen - nun war es vorbei ; er hatte keine Mutter mehr , und ihr Segen war ihm doch zum Fluch geworden , der flüchtige Vater ahnungslos ihm selbst zum Verräther ! Er hatte nichts gewonnen und Alles verloren . Als man ihn vor dem geistlichen Gericht verhörte , bekannte er wieder , was er vor dem Hüttenmeister bekannte . Sein Urtheil lautete in erster Instanz auf Tod durch das Feuer . Er vernahm es mit ruhiger Resignation . Mochte mit ihm geschehen , was da wollte - er gehörte ja nicht einmal in das Leben - seine bloße Existenz ward ihm ja schon zum Verbrechen angerechnet . Er hatte von aufgeklärten , begeisterten Männern sprechen hören , die in Kostnitz noch vor seiner Zeit den Flammentod für ihre Ueberzeugung erlitten und auf dem Holzstoß noch fromme Triumphgesänge angestimmt hatten . Hätte er doch auch so leiden dürfen für eine höhere Idee ! Aber aus dem schönsten und freiesten Bunde , der zu seiner Zeit bestand , aus einem kunstgeweihten Leben war er ausgestoßen worden , nur um eines blinden Vorurtheils Willen - und sterben sollte er für eine That , zu der sein Gewissen und natürliches Gefühl ihn gedrängt . Das war es , warum er nur bitter lächelte und nicht freudig , da ihm das Todesurtheil verkündet ward . Aber es konnte noch nicht sogleich vollzogen werden , denn die Schöppen vom Nürnberger Stadtgericht bedurften seiner als Zeugen im Prozesse wider die Juden . - Der Rath von Nürnberg trachtete danach eine Gelegenheit zu ergreifen , sich der Juden für immer zu entledigen . Konnte zu den vielen Anklagen , welche gegen sie vorlagen , sich nun noch die gesellen , mit den Raubrittern geheime Verbindungen unterhalten zu haben , so hoffte der Rath endlich vom Kaiser die Erlaubniß zu erhalten , die Juden ganz und für immer aus der Stadt zu vertreiben . Es durfte daher nicht versäumt werden , neue Schuldbeweise gegen sie vorzubringen , und dazu sollte nun auch Ulrich mithelfen . Denn Martin Behaim , der von Elisabeth erfahren , daß sie Ulrich ' s Kunde die Rettung seiner Schätze verdanke , wollte sich ihm dankbar erzeigen , und hatte ihn als den Ueberbringer des Vogels genannt . Es war wichtig von ihm zu erfahren , wie er in den Besitz desselben gekommen , und ob er wirklich , wie man munkelte , » diese Nachricht einer hübschen Judendirne abgeschwatzt « und welche Beweise er für die Betheiligung der Juden an jenem Raub etwa zu schaffen wisse . Indeß hatte Elisabeth Scheurl den Propst Kreß gesprochen und von ihm erfahren , wie es um Ulrich stand . Er jammerte ihn - aber da er nicht absah , was er selbst thun konnte , das Geschick des ausgestoßenen Baubruders zu mildern , war er nun selbst auf der Hut das seinige nicht mit ihm zu verknüpfen ; sah er aber ohne Gefahr für sich selbst eine Möglichkeit Ulrich zu retten , so war sie ihm tausendmal willkommen . Als ihn daher Elisabeth für ihr Vorhaben in ' s Vertrauen zog und dafür wieder Vertrauen von ihm verlangte , da gab er es ihr mit Freuden und verheimlichte ihr nichts , was ihr bei ihrem Vorhaben förderlich sein konnte . So ernst und heilig ihm die Sache war - es spielte doch ein schlaues Lächeln um seinen Mund : er behielt doch recht , daß der Baubruder vor den Augen der stolzen