gehe zwischen den Feldern und den wallenden Saaten , ich steige auf die sanften Hügel empor , ich wandere an den blätterreichen Bäumen vorüber , und gehe so fort , bis mich eine fremde Gegend ansieht , der Himmel über derselben gleichsam ein anderer ist und andere Wolken hegt . Im Gehen sinne und denke ich dann . Der Himmel , die Wolken darin , das Getreide , die Bäume , die Gesträuche , das Gras , die Blumen stören mich nicht . Wenn ich recht ermüdet bin und auf einem Bänklein wie hier oder auf einem Sessel in unserem Garten oder selbst auf einem Sitze in unserem Zimmer ausruhen kann , so denke ich , ich werde nun nicht wieder so weit gehen . - - Und wo seid denn Ihr gewesen ? « fragte sie , nachdem sie sich unterbrochen und ein Weilchen geschwiegen hatte . » Ich bin nach dem Essen von dem Erlenbache zu dem Teiche hinauf gegangen , « antwortete ich , » dann durch das Gehölze auf den Balkhügel empor , von dem man die Gegend von Landegg sieht und den Turm seiner Pfarrkirche erblicken kann . Von dem Balkhügel bin ich dann noch auf den Höhen fortgegangen , bis ich zu den Rohrhäusern gekommen bin . Da ich dort schon zwei starke Wegstunden von dem Asperhofe entfernt war , schlug ich den Rückweg ein . Ich hatte im Hingehen viele Zeit verbraucht , weil ich häufig stehen geblieben war und verschiedene Dinge angesehen hatte , deshalb wählte ich nun einen kürzeren Rückgang . Ich ging auf Feldpfaden und mannigfaltigen Kirchenwegen durch die Felder , bis ich zwischen Dernhof und Ambach wieder zu dem Seewalde und zu dem Erlenbache herabkam . Von dort aus waren mir Raine bekannt , die am kürzesten auf die Felderrast herüber führten . Obwohl auf ihnen kein Weg führt , ging ich doch auf ihrem Grase fort , und kam so gegen Euch herzu . « » Da müßt Ihr ja recht müde sein « , sagte sie , und machte eine Bewegung auf dem Bänklein , um mir Platz neben sich zu verschaffen . Ich wußte nicht recht , wie ich tun sollte , setzte mich aber doch an ihrer Seite nieder . » Habt Ihr etwa ein Buch mit Euch genommen , um auf dieser Bank zu lesen , « fragte ich , » oder habt Ihr nicht Blumen gepflückt ? « » Ich habe kein Buch mitgenommen , und habe keine Blumen gepflückt , « antwortete sie , » ich kann nicht lesen , wenn ich gehe , und kann auch nicht lesen , wenn ich im freien Felde auf einer Bank oder auf einem Steine sitze . « Wirklich sah ich auch gar nichts neben ihr , sie hatte kein Körbchen oder sonst irgend etwas , das Frauen gerne mit sich zu tragen pflegen , um Gegenstände hinein legen zu können ; sie saß müßig auf dem Bänklein , und ihr Strohhut , den sie von dem Haupte genommen hatte , lag neben ihr in dem Grase . » Die Blumen pflücke ich , « fuhr sie nach einem Weilchen fort , » wenn sie bei Gelegenheit an dem Wege stehen . Hier herum ist meistens der Mohn , der aber wenig zu Sträußen paßt , weil er gerne die Blätter fallen läßt , dann sind die Kornblumen , die Wegnelken , die Glocken und andere . Oft pflücke ich auch keine Blumen , wenn sie noch so reichlich vor mir stehen . « Mir war es seltsam , daß ich mit Natalien allein unter der Esche der Felderrast sitze . Ihre Fußspitzen ragten in den Staub der vor uns befindlichen offenen Stelle hinaus , und der Saum ihrer Kleider berührte denselben Staub . In der Krone der Esche rührte sich kein Blättchen ; denn die Luft war still . Weit vor uns hinabgehend und weit zu unserer Rechten und Linken hin so wie rückwärts war das grüne , der Reife entgegen harrende Getreide . Aus dem Saume desselben , der uns am nächsten war , sahen uns der rote Mohn und die blauen Kornblumen an . Die Sonne ging dem Untergange zu , und der Himmel glänzte an der Stelle , gegen die sie ging , fast weißglühend über die Saatfelder herüber , keine Wolke war , und das Hochgebirge stand rein und scharf geschnitten an dem südlichen Himmel . » Und habt Ihr bei dem roten Kreuze auch ein wenig geruht ? « fragte ich nach einer Weile . » Bei dem roten Kreuze habe ich nicht geruht , « antwortete sie , » man kann dort nicht ruhen , es steht fast unter lauter Halmen des Getreides , ich lehnte mich mit einem Arme an seinen Stamm und sah auf die Gegend hinaus , auf die Felder , auf die Obstbäume und auf die Häuser der Menschen , dann wendete ich mich wieder um und schlug den Rückweg zu diesem Bänklein ein . « » Wenn heiterer Himmel ist und die Sonne scheint , dann ist es in der Weite schön « , sagte ich . » Es ist wohl schön , « erwiderte sie , » die Berge gehen wie eine Kette mit silbernen Spitzen dahin , die Wälder sind ausgebreitet , die Felder tragen den Segen für die Menschen , und unter all den Dingen liegt das Haus , in welchem die Mutter und der Bruder und der väterliche Freund sind ; aber ich gehe auch an bewölkten Tagen auf den Hügel , oder an solchen , an denen man nichts deutlich sehen kann . Als Bestes bringt der Gang , daß man allein ist , ganz allein , sich selber hingegeben . Tut Ihr bei Euren Wanderungen nicht auch so , und wie erscheint denn Euch die Welt , die Ihr zu erforschen trachtet ? « » Es war zu verschiedenen Zeiten verschieden « , antwortete ich ; » einmal war die Welt so klar als schön , ich