und der höchsten Lust , während in dem nicht weit davon entfernten Tanzsaale die tolle , begeisternde Musik ertönte , während man das Lachen der Tanzenden vernahm und laute Rufe des wildesten Vergnügens . - - Da begann dieses arme kleine Leben , da begann es in Glanz und Pracht auf seidenen Kissen , um hier zu endigen unter Noth und Elend , um hier auszulöschen auf einem hölzernen Schragen , auf einem halb verfaulten und vermoderten Lager von Stroh . - Die unglückliche Mutter hatte das freilich nicht erlebt : sie war zur rechten Zeit gestorben , und er hatte die Stadt verlassen , achselzuckend , aber bald getröstet über das kleine Unglück , das er angerichtet ; er hatte allerdings seinen Geschäftsmann beauftragt , für die gute Unterkunft des Kindes zu sorgen , ohne sich aber weiter um dieses zu bekümmern , - und nun war es , so vortrefflich untergebracht - elend gestorben . Gewiß aber dachte er noch zuweilen an jenen Maskenball und an das unglückliche , unschuldige Mädchen , das ihm Alles und sich selbst geopfert . Gewiß tönte noch zuweilen in seinen Ohren jene rauschende Musik , die ihm zur höchsten Lust aufgespielt . - Gewiß aber drang auch manchmal ein seltsamer , schrecklicher Ton durch diese Melodieen ; gewiß sah er zuweilen , wenn er an jene Nacht dachte , einen kleinen Schatten langsam vor sich aufsteigen , ein kleines , bleiches , verkümmertes Wesen , das mit geschlossenen Augen bis dicht vor ihn hinschwebte und ihn dann plötzlich mit seinem starren , glänzenden Blicke gespensterhaft anschaute . - - - - Fünfundvierzigstes Kapitel . Sklavenhandel . Herr Sträuber hatte unterdessen im vorderen Zimmer einige Korrespondenzen besorgt , deren Inhalt ihm Meister Schwemmer oft nur mit wenigen Worten , manchmal aber sehr ausführlich vorgesagt . Der Letztere zog bei diesem Geschäfte häufig einige vergilbte Papiere zu Rath , die auf seinen Knieen und dem rothkarrirten Sacktuch ausgebreitet lagen . Diese Schreiben waren meistens an Angehörige und Bevollmächtigte , welche der Madame Schwemmer für Rechnung Anderer Kostkinder anvertraut hatten , gerichtet , und sehr verschiedener Art , der Zweck sämmtlicher aber , für den Unterhalt der armen Geschöpfe so viel Geld als nur immer möglich herauszupressen . Bald mußte eine neue nahrhafte Kost angewendet werden , bald sogar eine eigene Amme oder Wärterin ; und da man genau wußte , was die Empfänger der Schreiben am liebsten hörten , so hieß es darnach auch : » Die Gesundheit des Kindes bessert sich mit jedem Tage , « oder : » Es siecht langsam dahin und scheint uns trotz der sorgfältigsten und kostbarsten Pflege rettungslos verloren . « - Es ist traurig , das sagen zu müssen : aber die meisten Schreiben waren in letzterem Sinne abgefaßt . Während diese Korrespondenz geführt wurde , stand jener Mann , der vorhin im Kinderzimmer Ruhe gestiftet , mit gespreizten Beinen an einer Seite des Ofens und pfiff zuweilen eine Melodie leise vor sich hin , horchte auch wohl hie und da , wenn Herr Sträuber las , ohne aber bei dieser Veranlassung dem Leser selbst einen Blick zu schenken . Dies war Mathias , den man , wie sich der geneigte Leser erinnern wird , vorhin erwartet . » Jetzt kommt das wichtigste Schreiben , « sagte Meister Schwemmer , » und es ist am besten , wenn ich das Wort für Wort in die Feder diktire . Es betrifft das Mädchen , welches , wie mir heute Morgen meine Frau sagte , recht schlecht sein soll . « » O , der ist in diesem Augenblick gewiß sehr wohl , « meinte Mathias . » Wie so ? « » Weil sie wahrscheinlich jetzt ausgelitten hat . - Schade , da entgeht Euch ein gutes Kostgeld . « Meister Schwemmer machte eine Bewegung der Ungeduld und schaute den Anderen von der Seite an , als wenn er sagen wollte : was bekümmerst du dich darum ? Dann entgegnete er mit mürrischem Tone : glaubt das nur nicht , die kleine Kreatur ist seit einem halben Jahre so ; alle Augenblicke glaubt man , sie werde sterben , und auf einmal ist sie wieder fidel wie ein Wiesel , hat sie doch schon einmal vierzehn Tage wie todt gelegen . Mathias zuckte stillschweigend die Achseln und pfiff einige Takte des Jungfernkranzes . » Die hat uns Alle zum Besten , « fuhr Meister Schwemmer fort , » das kann ich Euch versichern ; gebt Acht , die reißt sich noch durch . « » Oder Ihr sorgt dafür , daß Ihre Stelle bald besetzt wird . « » Pfui , Mathias ! « versetzte Meister Schwemmer , indem er lachte und dann in einen mächtigen Husten gerieth . - » Geschäfts-Geheimnisse ! Wer wird darüber sprechen ; über die schweigt man . « » Nur Eins begreife ich nicht , « fuhr Mathias fort , ohne auf diese Bemerkung zu achten , » wie es Euch immer so gelingt , andere Kinder unterzuschieben . - Wie macht Ihr das eigentlich ? - Na , geht mit der Sprache heraus ! « Meister Schwemmer rückte auf seinem Stuhle ungeduldig hin und her , dann sagte er : » Das ist Sache der Weiber ; was geht das mich an ! « » Nun , mich geht ' s im Grunde auch nichts an , « erwiderte Mathias ; » es war nur so eine Frage . « » So gebt denn Achtung , Sträuber , « unterbrach Meister Schwemmer hastig diese unanegnehmen Erörterungen . - » Schreibt also : verehrtester Herr Doktor ! - Das Geld für den letzten Monat habe ich richtig empfangen und danke Ihnen noch besonders für die Zulage , - im Namen des armen Kindes - « » Im Namen des armen Kindes , « wiederholte Herr Sträuber , indem er sein linkes Auge zukniff . » Der Gesundheitszustand desselben , « fuhr Meister Schwemmer fort , » ist immer noch derselbe : das