, ihr in seiner Technik Unterricht zu geben , und täglich in den Palast ihres Gemahles gehen mußte . Dies verdrehte ihm den Kopf oder lenkte ihn vielmehr auf den Weg , dessen Anfang von je in ihm war ; er machte irgendeine Dummheit , auch mochte der Vorfall mit der Bescheidenheit , den er auf seine Weise mir erzählt , dazukommen sein Gluck verließ ihn plötzlich , er wurde vermieden und ging nach Paris zurück . Dort gelang es ihm durch den Kunsthändler , auf günstige Weise bekannt zu werden ; er mußte eines Tages in die Tuilerien gehen , seine Mappen vorlegen und sah sich in einen allerliebsten kleinen Salon versetzt , in welchem die blühenden Kinder des Königs , Mädchen und Söhne , scherzend und lachend um seine Arbeiten sich drängten und Blätter für ihre Albums auswählten . Diese Auszeichnung wurde in den Pariser Journalen gemeldet , und er las seinen Namen im Journal des Debats , aber zum ersten und letzten Male , obgleich er seither keinen Tag ruhig schlafen konnte , wenn er dies Blatt nicht gelesen . Von nun an nahm der Irrsinn vollständig Platz in ihm , er behandelte seinen Beruf als Nebensache und trachtete mehr danach , seinen eingebildeten Rechten Geltung zu verschaffen . Zum zweiten Mal von der vornehmen Welt zurückgewiesen , mußte er in einen nachteiligen Verkehr mit Händlern treten , um nur dann und wann ein Blatt zu verkaufen . Von wohlhabenden Landsleuten , die sich zum Vergnügen in Paris aufhielten und den Umgang des Künstlers gesucht hatten , lieh er Geld , wenn er in Not war , und da er dieses mit ernsthaften und anständigen Manieren tat , das Geliehene aber nicht zurückgab , vielmehr von großen und wichtigen Dingen sprach , während er doch sonst ein kluger und einsichtiger Mann schien , so hielt man ihn bald für einen durchtriebenen und gefährlichen Schelm , der nur darauf ausgehe , andere auf tückische Weise um das Ihrige zu bringen . Daß er in der festen Überzeugung lebte , jeden Tag sein großes Schicksal aufgehen zu sehen , wo er als ein König dieser Welt alles Empfangene hundertfach vergelten könne , wurde ihm nicht angerechnet ; vielmehr verzieh man ihm nicht , wenn er einmal verrückt sei , daß er doch mit soviel schlauem Anstand und wahrer Menschenkenntnis seine wohlhabenden Bekannten wiederholt habe anführen können . Er fühlte dies recht gut mit seiner vernünftigeren Hälfte , welche durch die Not immer zur Not wachgehalten wurde ; denn während unserer seltsamen Gespräche über die Erfahrungen sagte er mir einst » Wenn Sie einst in Verlegenheit geraten und Geld leihen müssen , so tun Sie dies ja nicht auf eine anständige und geschickte Weise , wie es ernsten Leuten geziemt , wenn Sie nicht ganz sicher sind , es auf den bestimmten Tag zurückzugeben , sonst wird man Sie für einen abgefeimten Betrüger halten ! Vielmehr tun Sie es ohne alle Scham und auf liederliche , närrische Weise , damit die Leute sagen können Es ist ein Lump , aber ein guter Teufel , man muß ihm helfen ! « Überhaupt erschien er sonst in allen Dingen als ein gewandter und verständiger Mann und wußte seinen Irrsinn lange zu verbergen . Auch hatte er nach Art der Irren doch immer ein böses Gewissen , welches ihn trachten ließ , die Leute über ihn im unklaren zu halten , um nicht gewaltsam in seinen Gedankengängen gestört zu werden , und jene List , welche sich manchmal vernünftig stellt , um einen freiern Spielraum zum Unsinne zu gewinnen . In einem solchen Gefühle war er endlich in seine Heimat zurückgekehrt , um sich da auszuruhen und durch fleißige Arbeit und ein vernünftiges Leben zu Kräften und zu einem festern Standpunkte zu gelangen , von dem aus er seinen Stern erwarten könnte . Allein er fand durch die Familien von einem oder zweien jener Muttersöhnchen , denen er mäßige Summen schuldete , die Stimmung so gegen sich eingenommen , daß er überall abgestoßen und mit Verdacht umgeben ward . Er schrieb dies Mißgeschick den Kabalen der europäischen Kabinette zu , hielt sich ganz still , um diese zu täuschen und einzuschläfern , und machte dabei die schönsten Zeichnungen . Diese sandte er aber nicht an namhafte Plätze , weil er der Meinung war , seine Feinde würden den Verkauf verhindern , sondern an entlegene Orte , von wo sie immer unverkauft zurückkamen . Ich glaube , daß Römer während der Zeit seines Aufenthaltes keine anderen Mittel hatte als das wenige Geld , was er von mir empfangen . Es stellte sich erst nachher heraus , daß er nie etwas Warmes genossen , sondern sich heimlich mit Brot und Käse ernährte , und seine größte Ausgabe bestand in der Unterhaltung seiner feinen Wäsche und der Handschuhe . Zu seinen Kleidern wußte er so Sorge zu tragen , daß sie bei seiner Abreise noch ebenso gut aussahen wie bei der Ankunft , obschon er immer dieselben trug . Nachdem ich vier Monate unter seiner Leitung zugebracht , wollte ich mich zurückziehen , indem ich die bezahlte Summe nun als ausgeglichen betrachtete . Doch er wiederholte seine Äußerung , daß es hiemit nicht so genau zu nehmen und die Studien deshalb nicht abzubrechen wären ; es sei ihm im Gegenteil ein angenehmes Bedürfnis , unsern Verkehr fortzusetzen . So arbeitete ich zwar nicht mehr anhaltend in seiner Wohnung , besuchte ihn aber jeden Tag , emfing seinen Rat und richtete mich manchmal auch vorübergehend bei ihm ein . Weitere vier Monate vergingen so , während welcher er , durch die Not gezwungen , aber leichthin und beiläufig mich anfragte , ob meine Mutter ihm mit einem kleinen Darlehen auf kurze Zeit aushelfen könne ? Er bezeichnete ungefähr eine gleiche Summe wie die schon empfangene , und ich brachte ihm dieselbe noch am gleichen Tage . Im Frühjahr endlich gelang es ihm , aber erst infolge eines mühseligen Briefwechsels , wieder einmal eine Arbeit zu verkaufen ,