, humansten Fürsten , dessen Blick Güte und Wohlwollen lächelte , der die Majestät vergessen ließ in der Liebenswürdigkeit , glaubte etwas gesehen zu haben , was er sein Leben durch nicht vergessen dürfe . Wie mehr als gnädig hatte er gegrüßt , mit welcher Huld die Anreden empfangen . Wie viele Frauen schworen , wenigstens bei sich , daß das Auge des Unwiderstehlichen auf ihnen gehaftet . Aber er war nicht zu Tanz und süßem Liebesspiel gekommen . Der Ernst der Gegenwart dämpfte wieder die aufsteigende Lust ; in die Jubelstimmen hatten sich andre Laute gemischt , kühne Rufe , die der unbewachten Brust entschlüpften , auch Thränen ; die funkelnden Degenspitzen schienen Vielen schon angeröthet . So ernst wehmüthig war der Empfang gewesen im großen Portal des Schlosses . Hier hatten König und Königin , von ihrem Palais herübergekommen , den Gast bewillkommnet . Es war eine feierliche Scene , als die beiden jungen Monarchen sich umarmten , als der Czaar die Hand der huldvollsten Königin an die Lippen drückte ; ein Moment , von dem Europas Schicksal abhing ! Und in wie lautloser Theilnahme hatte die Menge dem Familienstück zugesehen , das zum großen Trauerspiel für hundert Tausende , für Millionen werden durfte , mit welcher bangen Spannung gewartet , was drinnen vorgehe , als die höchsten Herrschaften in die Apartements getreten waren . Und doch wusste man , daß es hier nicht geschehe . Sie nahmen nur Erfrischungen ein . Die Hofequipagen standen schon vor dem Portal , in denen die Wirthe den hohen Gast nach Potsdam entführen wollten . Dort - wo Friedrich schläft - sollte gewürfelt werden über das Loos der Zukunft . Die Hofequipagen rollten schon lange auf der gedielten Kunststraße hin , die für eines der wunderbaren Prachtwerke der Königsstadt galt , als die Offiziere in den Konditorladen traten . So prächtig ihre Gala-Uniform , so bescheiden sah damals der Laden aus . Nichts von Gold und Mahagoni , nichts von Säulen und funkelndem Krystall . Auch glänzte das wenige Tageslicht , das durch die Kolonnaden der Stechbahn ins Zimmer fiel , nicht wider von zahllosen Riesenbogen ausgespannter Zeitungen . Zeitungen waren freilich auch hier schon , zwei oder drei vielleicht , bescheidene Blättchen , auf grauem Löschpapier , die wöchentlich zwei oder drei Mal alle Neuigkeiten der Welt wieder erzählten , was in der Türkei geschah und am Rheine , und von Berlin brachten sie voran lange Listen aller angekommenen Fremden , mit ihren Titeln und den Wirthshäusern , darin sie wohnten . Dann alle Ernennungen zu Hof- und Staatsdiensten , zuweilen auch eine Mittheilung , daß ein hoher Herr bei Hofe empfangen und zur Tafel gezogen worden . Und hinterher Theaterrecensionen , Charaden , Fabeln , Anzeigen von Auktionen , Verkäufen , Büchern , Wohnungen und sehr vielerlei . Aber bei besonderen Gelegenheiten stand auch voran ein Gedicht , gereimt oder ungereimt , immer jedoch zum Lobe der höchsten Herrschaften . Denn jene Zeiten waren vorbei , wo man sich in den Zeitungen auch wohl einen Spaß erlaubte , wie der wunderliche Gelehrte Philipp Moritz und der erst in diesem Jahre 1805 verstorbene noch wunderlichere Burrmann , welcher die Leser mit Reimereien , so seltsam wie er selbst , beschenkte . So hatte er einst am 21. Dezember die Vossische Zeitung mit dem Vers angefangen : Gottlob und Dank Die Tage werden wieder lang . Nein , seit jenen Zeiten war ein feiner klassischer , französischer Geschmack in die Zeitungen gefahren , wie er ja auch in der Gesellschaft war . Der tölpelhafte deutsche Hanswurst war längst fortgeschickt , und man sprach nur das aus , was gegen nichts und Niemand verstieß , auch auf die Gefahr hin in dem Gesagten nichts zu sagen . Darum , doch aus andern Gründen , las man nie in den Berliner Zeitungen von dem , was in Berlin geschah , es sei denn , daß eine hohe Obrigkeit es der Druckerei zugesandt , und auch über das Draußen enthielt man sich jeder eignen Meinung und druckte nur ab , was andere Zeitungen vorher gedruckt hatten . Heute aber war ein außerordentliches Ereigniß auch in der genannten Vossischen Zeitung . Voran stand ein langes Gedicht , dessen Anfang und Ende so lauteten . Jemand las es in der Konditorei laut vor , als die Offiziere eintraten , und Alle , die es hörten , sahen sich verwundert an : Nicht Salomon und Titus - wozu Namen Der Vorzeit ! Sind wir Neueren so arm ? - Nein , Alexander , Friedrich , Arm in Arm , Stehn da , ein Brüderpaar . Zu Preußens Adler kamen Die Adler Rußlands ! Jubelnd sieht Berlin Sie über sich vereinten Fluges ziehn . Sie stehen vor dir , Arm im Arm . O glückliches Berlin ! Sprich aus die schönen Namen ! Wer sind die Menschenfreunde ? Sprich ! Wer ? - Alexander , Friederich ! Daß das Gedicht ausgezeichnet schön sei , darüber war nur eine Stimme , aber einer der eingetretenen Offiziere begriff nicht , wie solch ein Blitzkerl von Zeitungsschreiber augenblicklich von den Evenements Witterung habe , daß er auf der Stelle im Stande sei , sie drucken zu lassen , und gar in Versen ! » Und , « sagte ein anderer , » daß man ' s drei Mal in der Woche erfährt , was vorher passirt ist ! Erst muß es doch geschrieben werden , was schon eine verfluchte Arbeit ist , und dann gedruckt und verkauft . « - » ' s ist auch ' ne schwarze Kunst , « lachte ein Anderer . Herr Josty , mit der Flasche Euraçao in der Hand , flüsterte den Herren zu : » Und was werden Sie erst sagen , wenn wir alle Tage ein Blatt bekommen , was uns jeden Tag von den Kriegsevenements avertirt . Sehn Sie mal gefälligst in der Ecke hinterm Ofen den Herrn im grünen Rock und Nankinghosen . Das ist Herr Professor Lange . Der giebt