Virtuosen und die starken Gefühle zu schwärmen , als für die Welt und ihre nächsten Aufgaben . Pauline schlug sich zur fröhlichen Partei , zu Denen , die sogar am Schmerz eine eigene Freude hatten , durch unverstandene Stimmungen sich verständlich machten und in der Zerrissenheit ihre wahre Einheit fanden . Sie hatte früher gemalt . Da aber die Malerei nicht aufregt und im Gegentheil große Ruhe bedingt , so ergriff sie die Feder und warf in zwei Romanen , Amarantha und Nadasdi , eine Menge jener vulkanischen Stoffe aus sich heraus , die sie , wie so viele andere weibliche Naturen damaliger Zeit , so auch in sich vorgefunden haben wollte . Amarantha galt für ein Bild aus der Wirklichkeit und wurde reißend gelesen . In der That hatte Pauline hier Alles zusammengerafft , was sie nur , ohne zu auffallend indiscret zu erscheinen , von gestörten Eheverhältnissen , unverstandenen Seelenleiden , zerrissenen Freundschaften in der höhern Gesellschaft beobachtet hatte . Sie hatte einige Gräfinnen , Baronessen , Fürstinnen in Conflicte ihrer nächsten Herzensinteressen gebracht und dabei die jungen Offiziere und Legationssecretaire die Rollen spielen lassen , die in alten Zeiten die St. - Preuxs , die Werthers oder Roquairols spielten . Amarantha war die Heldin dieser Abenteuer , eine eitle aus einer Hand in die andere fliegende und für jede neue Liaison und jede alte » Rupture « immer die triftigsten Gründe anführende Coquette , die zuletzt , da sie Niemanden mehr gewinnen kann , fromm wird , ins Kloster geht und dort einige komische Wunder thut . Das Ganze war mit Bosheit geschrieben und deshalb gewiß nicht ohne Unterhaltung , denn leider gehört die Malice jetzt auch zu den Musen ; Apollo würde sie in unserm Jahrhundert als die zehnte seines Bundes nicht zurückweisen dürfen . Die Malice erfindet , schafft , sie » macht « . Eine Zeitlang wenigstens dauern ihre Werke . Eine Zeitlang fesseln , unterhalten sie , dann zerstiebt ihre Composition und diese zehnte Muse , die eben noch wie ein leichtes duftgewobenes Traumbild lächelnd vorüberschwebte , verwandelt sich in ein garstiges altes Hexenweib , mit Krallen an den Fingern und einem giftschäumenden Mund voll unheimlicher Zähne ... Nach der Dame » Tausendschön « , d.h. Amarantha , sollte der Roman » Nadasdi « eine eigene Erfindung der Geheimräthin vorstellen . Doch machte sie mit diesem jungen Magyaren Nadasdi ein klägliches Fiasko . Kein Mensch mochte ihn lesen , so langweilig war die Geschichte eines schwärmerischen und sentimentalen ungarischen Husarenoffiziers , der in ihrem Roman sechsmal über Briefe , die er erhält , in Ohnmacht fiel . Man brachte in diesem selben Strudel , genannt die » Gesellschaft « , das Wort auf , wenn man sich langweilte , zu sagen : Ich nadasdisire mich . Man ließ z.B. in einem öffentlichen Blatte das Zeugniß eines Briefträgers abdrucken , der erklärte , Nadasdi wäre beim Empfange seiner Briefe niemals ohnmächtig geworden , sondern hätte regelmäßig sein Porto bezahlt , ohne die Adresse zu lesen , sich auf sein Kanapee niedergestreckt , türkischen Taback gekaut und seine Lieblingsbeschäftigung ergriffen , zu schlafen , was schon damals seine Kameraden nadasdisiren genannt hätten .... O , an erfinderischer Bosheit fehlt es in der Gesellschaft für Den gar nicht , der sich in ihr zu weit hervorwagt , mehr Geist als ein Anderer haben will und dann einmal einen Unfall erlebt ! Ein Kleiderhändler mußte sogar in den Zeitungen Nadasdi - Schlafröcke ankündigen , wo nicht nur auf das Langweilige dieses Buches im Allgemeinen , sondern auch auf die Beschreibung eines Phantasie - Schlafrocks ihres Helden angespielt war , dem die unglückliche Dichterin mehr als drei volle Druckseiten ihres Werks gewidmet hatte . Pauline gab nach dieser Demüthigung die literarische Laufbahn auf und befleißigte sich einer neuen » Läuterung « . Sie nannte nämlich die Metamorphosen ihrer Beschäftigung » Läuterungen « . Sie wollte alle Schlacken unreiner Empfindungen , wie sie in der Vorrede zu Amarantha und Nadasdi gesagt hatte , von sich werfen und sich in einen reinern Äther tauchen . Ist Dinte ein reinerer Äther ? hatte zu ihr einmal der Baron Otto von Dystra , der berühmte Reisende , gesagt . Zwar erwiderte sie diesem Sonderling , dem eben eine schwarze Sklavin gestorben war , die er sich aus Afrika mitgebracht hatte , sie hätte gehofft , allmälig so oft in diesem Äther zu baden , bis sie seinem Geschmacke entsprechen würde ... allein ihre » Läuterungen « wurden ebenso verspottet , wie Nadasdi , dessen Schlafrock und seine Ohnmachten . Unentschlossen , wohin sie sich in ihrer Rathlosigkeit wenden sollte , überraschte sie und alle Welt der Thronwechsel .... Ein junger Herrscher ergriff das Scepter anfangs mit schüchternen Händen , als er aber eine junge liebenswürdige Gattin gefunden hatte und mit ihr einen sehr gewählten Beirath vom Hofe seiner Schwiegerältern , als Mitgift , wie man spottete , erhielt , trat er sicherer und selbständiger auf . Anfangs war nichts so sehr aus der Mode als das junge Königspaar . Man beachtete es kaum . Man bespöttelte seine Neigungen und erklärte beide Theile für beschränkt . In kurzem aber wendete sich das Blatt . Das Herrscherpaar wurde Mode . Seine Gesinnung fing an den Ton anzugeben . Alles richtete sich nach der neuen Sonne , der es wirklich , so hoch sie stand , zwei Jahre mühseligen Ringens gekostet hatte , durch die Wolken der » Gesellschaft « hindurchzudringen . Plötzlich kam nun das Einfache , » Seelenvolle « , Bescheidene , Beschränkte , Häusliche in die Mode . Das » Geniale « wurde verabschiedet . Man las gerade nicht fromme oder frömmelnde Schriften , aber man las unschuldige , reine , seelenläuternde , naive . Die frivolen Sittengemälde der großen Welt wurden ignorirt . Man » portirte « sich für das Einfache , Naive , Ländliche . Pauline , noch niedergedrückt von ihrem Nadasdi , sah aus einer gewissen Einsamkeit , in der sie sich nach ihrem Falle hielt , dieser Wendung