demselben Momente diktirte er auch zugleich die Strafe . Der König entließ den jungen Grafen seiner Funktionen bei der Königin - der ganzen Familie wurde angezeigt , daß sie sich des Hofes zu enthalten habe . Der Marschall harrte vergeblich mit hartnäckiger Verzweiflung an den Stufen des königlichen Schlosses auf die Gewährung der flehenden Bitte : auf seinen Knieen um Verzeihung bitten zu dürfen . Niemand hatte Muth , auch nur den berühmten Namen des Marschalls zu nennen . An ein solches Majestätsverbrechen erinnern , hieß sich dessen theilhaft machen . Außer der feierlichen Sendung , die der Familie ankündigte , daß sie in Ungnade gefallen , betrat Niemand mehr die Schwelle des geächteten Hauses , und der König schien vergessen zu haben , daß es eine Familie des Namens gäbe ; er wußte , daß er sie damit auslöschte und grenzenlos strafte . Gedenken wir jetzt der Marschallin von Crecy , so werden wir gestehn müssen , daß sie mit der einzigen Geißel gezüchtigt wurde , deren Schläge sie fühlte und nicht von sich abzuhalten wußte . Sie versuchte die beste Stellung zu nehmen , die noch möglich wäre ; aber es war nur die eine übrig , die sie aus allen bisher behaupteten Vortheilen und Ansprüchen verdrängte und ihr bis in die intimsten Verhältnisse ihres Hauses , bis zu ihren , jetzt minder ehrerbietigen Domestiken herab , eine Kette von bitteren Kränkungen bereitete , wie sie das Dasein derselben für sich unmöglich gehalten hatte . Diese Leiden wurden noch vermehrt , indem sie jeden Augenblick erwarten mußte , der wahre Grund von Leonin ' s Entfernung werde zu Tage kommen . Die gutmüthige Herzogin von Lesdiguères , der man nicht den Hof verboten hatte , die aber zu stolz und zu ehrlich war , ihn zu besuchen , während die Familie ihrer Tochter in Ungnade war , bestürmte die Marschallin mit Vermuthungen und Nachforschungen , welche diese , so lange als möglich , ausweichend beantwortete ; endlich aber ihr , wie der bekümmerten Viktorine erzählte , daß Leonin , von einer seiner hypochondrischen Launen ergriffen , außer sich , daß die Ceremonie Viktorinen schaden würde , und empört über die Nothwendigkeit , sie zulassen zu müssen , die Flucht ergriffen habe und ohne Gepäck , ohne Bedienten , in einer einfachen Hofkarosse nach Ste . Roche geeilt sei , wo es sich wirklich gezeigt , daß er im Fieberwahnsinne abgereist , da er dort sogleich tödtlich erkrankt sei . Viktorine wollte ihm jetzt nachreisen ; aber die Aerzte unterstützten die Weigerung der Aeltern . Sie mußte zwar nachgeben und bleiben , aber mit erhöhtem Mißtrauen und in großer Bekümmerniß um ihren Gemahl . Dagegen schlug die Marschallin vor , nachdem die ersten vier Wochen für ihre Schwiegertochter vorüber waren , daß beide Familien sich nach Moncay , dem schönen Schlosse der Marschallin , was doch einige zwanzig Lieues von Paris lag , begeben sollten . Schon waren alle Vorkehrungen dazu getroffen , welche die Marschallin mit Ungeduld betrieben , da sie in der veränderten Existenz , die sie an Paris band und ihr Versailles , das Feld aller ihrer früheren stolzen Ansprüche verschloß , es kaum zu ertragen vermochte , als sie aufs neue sich in ihren Plänen durchkreuzt sah , und ihr die wenig gekannte Lehre gegeben ward , von den Umständen beherrscht zu werden . Am Tage vor der Abreise meldete man ihr , daß der Marschall plötzlich in seinem Zimmer einen bösen Fall gethan habe , und der Hausarzt ihm bereits zur Ader lasse . Die Marschallin grollte zwar heftig darüber , fühlte aber doch , daß sie sich zu ihm begeben müsse , innerlich fest entschlossen , diesem Ereignisse keinen Einfluß auf ihre Abreise zu gönnen , da sie sich jeden Tag fast mit Empörung in Paris erwachen fühlte . Mit vollständig schmollender Miene , fest entschlossen , ihn auszuschelten und ihm ihre Abreise anzukündigen , trat die Marschallin in seine verhaßten Gemächer ; und ihre Laune ward nicht verbessert , als die Domestiken ihres Gemahls , ohne sie zu beachten , weinend und händeringend an ihr vorüber stürzten , wie es schien , dringende Befehle zu vollführen . Als sie das Schlafgemach des Marschalls betrat , blieb sie horchend stehen ; der Kaplan mit einigen Gehilfen , der Arzt , knieend und den Marschall im Arm , umgaben das Bett ; - aber das Röcheln des Todes war ein zu verständlicher Laut , um Zweifel zu lassen über das , was vorging . Mit steifen Knien schob sich die Marschallin näher . » Was geht hier vor ? « rief sie entsetzt , mit rauher Stimme . - Niemand antwortete . - » Marschall , Marschall , was habt Ihr gemacht ? Erholt Euch ! Faßt Euch ! Seid ein Mann ! « so rief sie , schon von der Wahrheit überzeugt , ihrer Erregung nur in zürnender Weise sich entledigend . » Das war er , ein ganzer Mann ! « sagte der Arzt und legte ihn auf sein hartes Kissen zurück ; - » aber Männer müssen auch sterben ! « » Sterben ! « rief die Marschallin - » Herr Doktor , Ihr fabelt , Sterben , er war diesen Morgen noch gesund - ein kräftiger Mann ! « » Ueberzeugen sie sich selbst , Frau Marschallin , « sagte der Arzt zurücktretend - » hier findet der menschliche Wille eine Grenze , die auch Ihro Gnaden nicht abändern können . Ein Schlagfluß hat einen an sich nicht tödtlichen Fall veranlaßt - es floß kein Blut mehr , obwol ich schon im Palais war , als der Zufall eintrat . « Die Marschallin trat näher und schauderte zurück vor dem starren Gesicht ihres Gemahls , das sie nie geliebt . Er hatte seine eiserne , zürnende Miene , und sie konnte sich nicht überwinden , ihn zu berühren ; ihre natürliche Härte war durch die Erlebnisse der letzten Zeit so gesteigert , daß sie um den Preis der Welt kein