sie , und beide richteten an den Schulmeister das Ersuchen , als zweiter Aufwärter bei der Mahlzeit zu dienen . Nichts konnte dem Manne erwünschter sein . Er versetzte , daß sein ganzes Bestreben jetzt dahin gehe , nützlich zu wirken , daß er daher mit Freuden die Gelegenheit , die ihm heute dazu durch das Bedienen der Gäste gewährt werde , ergreife , und in diesem anscheinend zufälligen Ereignisse eine wahre Fügung des Himmels erkenne , indem er nicht verschweigen könne , daß der Herr Schulrat Thomasius ihm gewisse Aussicht auf die Schulmeisterstelle der Bauerschaft gegeben habe , daher das vorläufige Aufwarten gleichsam schon den Anfang des ihm zugesagten Dienstes darstelle . Nach dieser Rede band er sich hurtig eine weiße Schürze vor , holte mit Geschicklichkeit einen gekochten Schinken vom Feuer und setzte ihn anstandsvoll auf die Tafel im Baumgarten . Sonach waren alle Hindernisse beseitiget , und die ganze Hochzeitgesellschaft nahm auf eine gereimte Einladung des Burschen , der Hölscher zu bitten vergessen hatte , Platz . Die Braut , die Brautjungfern , der Diakonus , der Brautvater , die städtischen Freunde , die Exzellenz , der Schirrmeister und die größten Hofesbesitzer mit ihren Frauen stellten sich um die Tafel unter den Bäumen im Garten , die geringeren Leute und die jungen Bursche und Mädchen unter Anführung des Küsters um die im Flur . Der Diakonus sprach an seinem Tische ein Gebet , der Küster eins an dem seinigen . Hierauf wurde an beiden Tischen ein geistliches Lied angestimmt . Für Lisbeth war zwischen den Brautjungfern ein Platz offengelassen worden . Der Hofschulze sah sich unruhig nach ihr um . Sie kam nicht . Dagegen kam während des Gesanges der Jäger , überblickte die Tafel , fand für sich keinen Platz offen , weil die zwei unerwarteten Gäste , die Exzellenz und der Schirrmeister , schon allen Raum hinweggenommen hatten , Lisbeths Platz aber unbesetzt . Freudeglänzend wurde sein Antlitz , er schlich sich sacht seitwärts nach dem Hause , um sein Mädchen aufzusuchen . Sie trat ihm bei den Linden entgegen , umgekleidet , in ihrem gewöhnlichen Anzuge , den Strohhut auf dem Haupte . - » Nun ist mir wohl , nun bin ich wieder wie ich sein muß ! « rief sie freundlich . - » Ich weiß « , sagte er , » du magst dich nicht verstellen , du wolltest neulich nicht einmal leiden , daß ich dir an deinem Haare zeigen durfte , was für Zöpfe die schwäbischen Mädchen tragen . « » Nein « , sagte sie , » niemals was vorstellen , was man nicht ist . « Sie wollte nach dem Tische im Baumgarten gehen , der Jäger hielt sie aber zurück und rief : » Wie ? In dem leichten städtischen Kleidchen willst du dich als Brautjungfer an den Tisch setzen ! Da erwarte nur , daß dich der Hofschulze , der streng auf Ordnung und Kostüm hält , fortweiset ! « - » Ja , was soll ich beginnen ? « fragte sie verlegen ; » das häßliche steife Zeug lege ich nimmermehr wieder an . « » O meine Geliebte « , sagte der Jäger zärtlich , » wollen wir denn unser Glück unter die Bauern tragen ? Dasitzen und rohe Späße anhören und langweilige Bräuche mit anschauen ? Ist ' s denn nicht der Tag unserer Tage ? Gehört er nicht ganz uns unter Gottes liebem Himmel und auf Gottes grüner Erde ? Müssen wir zwei nicht allein beieinander bleiben , fern , fern von den anderen Menschen ? Ich wollte dich bitten , mit mir zu gehen , den Hügeln zu , den Platz suchen , wo ich dich zum ersten Male fand bei der schönen Blume ! « » Wie darf ich das ? Was würden sie von mir im Oberhofe sagen « , versetzte sie scheu . Sie entfernte sich von ihm . » Wohl ! Wohl ! « rief er halbzornig . » So setze dich denn nieder bei deinen Kameradinnen ; für mich ist aber nicht gedeckt , ich gehe zu Wald ! « - Er ging trotzig einer Seitenpforte zu , die in das Freie führte . Ein stechender Schmerz saß ihm im Herzen . Um nichts , wenn ihr wollt . Das ist die Liebe . - Aber er hatte noch nicht die Pforte erreicht , als er seine Schulter leise angerührt fühlte . Er wandte sich um ; Lisbeth war ihm nachgefolgt . - » Wenn sie dir nichts zu essen geben wollen , da mag ich auch nichts , und wo du bleibst , bleibe ich auch « ; sagte sie herzlich und zog ihn , bevor er etwas erwidern konnte , nun selbst durch die Pforte in das Freie . Er umfaßte sie und beide sprangen durch Wiese und Feld . Siebentes Kapitel Der vornehme Herr vom Hofe macht vergebliche Anstrengungen , sich herabzulassen . Der Spaßmacher Steinhausen wird jedermann verständlich Die Braut saß quer vor dem Tische und rührte keinen Bissen an . Der Brautvater , welcher dem Auftritte zwischen dem Jäger und Lisbeth aus der Entfernung zugeschaut hatte und infolge desselben den Platz der dritten Jungfer leer bleiben sehen mußte , flüsterte gekränkt und ingrimmig : » Dieser Untugend werde ich noch vor Abend mit der Manier ein Ende machen . « - Auch er aß wenig . Desto angelegener ließen die Bauern sich dieses sein , hatten ihre Messern , ein jeder das seinige aus der Tasche hervorgezogen , womit sie ohne Gabeln fertig zu werden wußten , und sprachen den Hühnern tapfer zu , ohne darüber ihre mutigen Vorsätze auf Schinken , Mostertstücke und Braten daranzugeben . Eine unendliche Last von Eßbarem dampfte auf den Tafeln , fast schien es selbst diesen Appetiten gegenüber , unmöglich , alles zu bewältigen , wenn nicht dennoch die Schnelligkeit , womit die ersten Gänge vom Angesichte der Welt verschwanden , dazu die Aussicht gegeben hätte . Alles schrotete , käute , schluckte ,