geschmückt mit glänzendem Schloß und zierlich geputzten Kürbissen und Pfauenfedersträußen , Truhe und Spinnrocken und Garnwinde nicht zu vergessen . Vorspringende Erker von kleinen Schartenfenstern erhellt , enthielten die Lagerstellen der Frauen des Hauses , und der längs der Vorderseite des obern Stockwerks hinlaufende Söller bot ihnen eine willkommne Stelle dar , um in freier Luft zu arbeiten , zu beten , zu plaudern , oder in stiller Unthätigkeit dem Treiben und Leben des Taubenvolks zuzuschauen , das oben an des Schlosses Zinne seinen Schlag besaß , und auf und nieder flatterte an den steil gezackten Giebelseiten des bunten Ziegeldachs . Rings um war oben die Aussicht frei , nur an der Seite nicht , wo der lange und runde Wartthurm in die Höhe strebte , welcher aus dem Gemäuer des innern Hofraums entsprang , - in seinem Erdgeschosse die enge und kleine Kapelle der Burg enthielt , und drei Stockwerke zählte , bis zu der Zinnen räumlicher Krone , drei Verließe enthaltend , von welchen das oberste des Lichts genoß , das mittlere einer milden Dämmerungshelle sich erfreute ; das unterste aber , zu welchem nur ein rundes Loch den Eingang bot , tief hinabging in schaurig dunkle Gruft , wohin blos die ferne Stimme des in der Kapelle die Messe singenden Priesters drang , da der schreckliche Schlauch des Verließes dicht hinter dem Altar sich abwärts senkte . Auch dieser schwache Trost war jedoch zu gegenwärtiger Zeit dem Unglücklichen versagt , der vielleicht diese Schreckensgrüfte bewohnen mußte . Der Herr dieser Behausung , welcher weiter nichts Merkwürdiges als das schon Berührte aufzuweisen hatte , war in den Kirchenbaum gethan worden ; der Pfaffe , der den Kapellendienst im Schlosse versehen hatte , war ausgeblieben , und dumpfiges Schweigen herrschte Tag und Nacht in dem verödeten Kirchlein , wie der Staub auf seiner Glocke . Wallrade wußte nicht , ob das unterste Verließ des Wartthurms , auf dem sie stand , einen Gefangenen barg ; aber daß im mittlern Stockwerke des Erkergebäudes Menschen in Haft lagen , war unbezweifelt , da von Zeit zu Zeit , trotz dem dicken Gemäuer und den schmalen Luftluchen klagende oder singende Stimmen herausdrangen , nur hörbar für den auf der Thurmspitze aufmerksam Lauschenden . Im Vergleich mit diesen armen , zwischen düstern Wänden eingesperrten Leuten mußte Wallrade freilich ihr Schicksal glücklich preisen , und sie that es auch , so lange ihr Auge Erholung suchte in den freien Himmelsräumen . Sah sie jedoch hinab in die enge Veste , welcher sie dennoch nicht entrinnen konnte , da wollte ihre Brust beinahe zerspringen . Montfort hätte keine bitterere Qual für sie ersinnen können , als den Verlust ihrer Freiheit ; und alles Gold der Welt hätte sie für die Erlaubniß gegeben , einen jener Renner zur Flucht besteigen zu können , die so eben im Zwinger zu einem Zuge fertig gemacht und gezäumt wurden . Die Knechte der Burg , vielleicht ein Dutzend an der Zahl , krochen gerüstet aus ihren Hütten , und jagten sich , plumpe Scherze treibend , auf dem Rasen umher , während der Schmied die Hufe der Rosse besichtigte , und in Eile zusammenpfuschte , was verdorben war , oder nicht mehr halten wollte . Mittlerweile traten die Herren des würdigen Trosses aus der Gatterpforte : Bechtram mit seinen Gefährten . Ihr Anzug verrieth deutlich , daß sie nicht zu einem Lustritt gingen . Bewaffnet bis an die Zähne stiegen sie zu Pferde , winkten der Hausfrau , die dem scheidenden Gatten noch die Hand durch ' s Gatter reichte , ein Lebewohl , und zogen durch das schmale Thor über die schwankende Brücke in ' s Freie . Der Leuenberger , der zur Bewachung des Hauses zurückgeblieben war , ertheilte dem Thorwächter die nöthigen Befehle zur Verschließung der Burg . Die Brücke ging knarrend in die Höhe ; die wenigen zurückgebliebenen Burgleute gingen an ihr Geschäft , oder an das zeitvertreibende Spiel , und die ausgezogenen Männer waren noch nicht an die Spitze des Tannenbruchs gelangt , als schon in der Veste wieder eine Ruhe herrschte , gleich der des Grabes . Es währte indessen nur kurze Zeit , so kamen rasche Tritte den Thurm herauf , und der gegenwärtige Schirmvogt der Veste stand plötzlich vor Wallraden . Das Gefühl und Bewußtseyn des wichtigen Amts , das er in diesem Augenblicke zu bekleiden erkoren war , sprach aus seiner Haltung und seinen Zügen . - » Beschäftigt , alle Räume des mir anvertrauten Schlosses zu besichtigen , « sprach er mit widerlichem Lächeln , - » muß ich doch auch sehen , wie und wo sich meine werthe Gefangene befindet . « » Sie lugt hier nach dem Zuge der freien Lerchen , « entgegnete Wallrade ebenfalls lächelnd : » und kann nicht begreifen , wie sich diese holden Sänger diesem finstern Thurme nähern mögen , in welchem die Knechtschaft weint . « - » Ei , was kümmern Euch die Knechte im Thurm ? « versetzte Veit mit einer plumpen Verbeugung : » Ihr seyd die Herrin von Neufalkenstein , mehr denn Frau Else selbst . « - » O spart Euer höhnisch Schmeichelwort , « erwiederte Wallrade leicht , » und vor Allem laßt ja dergleichen Frau Else nicht hören , Ihr wißt , sie versteht nicht lange Scherz , und ist eifersüchtig auf die Oberherrschaft . « - » Wie ich auf einen Blick von Euerm holden Augenpaar ; « fügte Veit wie oben bei . Wallrade zuckte die Achseln , und gab sich die Miene , seinen Worten keinen Glauben beimessen zu wollen , daher nahm der Leuenberger seine Zuflucht zu Betheuerungen . - » Pest und rother Hahn ! « rief er : » Schönes Fräulein , ich will den Hals brechen zur Stelle , wenn ich eine Lüge spreche . Ich würde lügen wie ein Schelm , wenn ich sagen wollte , daß ich Euch von Anbeginn gern gesehen , aber das Wohlwollen , und - laßt es mich heraussagen , -