Morgen wußte er nicht , was mit ihm geschehen , er wurde aber von Tage zu Tage matter und hinfälliger , daß er zuletzt beständig zu Bette bleiben mußte . Das war aber der Teufel , von dem meine beiden Kinder besessen waren und der kam nicht aus meinem ersten Manne , der war fromm und gut , aber der zweite hatte den Teufel im Leibe , von seinem Blute kam es auch beim ältesten . « Susanna verstand das nicht , sie mochte aber nicht mehr davon hören , vielmehr kam sie mit erneuten Vorstellungen für Anton Frau Anna wieder sehr unrecht . Heftig rief diese : » Und könnte ich ihn mit einer Stecknadel loskaufen , ich stieß sie ihm lieber ins Herz ! Geh Kurt , hüte dich vor dem Menschen , er borgt dir sicher was ab ; er soll sich was verdienen , dann mag er sich vor mir sehen lassen , sonst will ich ihn beim Rat verklagen . Du bist ein guter Junge , Kurt , dir schenkte ich gerne was , aber sieh , ich hab nur noch wenig ; etwas mußt du aber von mir nehmen zum Angedenken wenigstens , wenn ' s dir sonst auch nichts hilft . Da hast du den Degen und den Beutel , oder willst du ihn nicht behalten und willst recht gut sein , so gib es meinem Mann ; mit dem Degen sollte er auf Beute ziehen , und wenn er mir den Beutel voll Geld bringe , dann solle er auch einmal wieder in meinem Bette schlafen . « Das alles hatte sie mit einer Härte gesprochen , die Susannen erschreckte ; sie wäre ohnedies bald fortgegangen , außerdem ermahnte sie aber noch eine bekannte Stimme zur Rückkehr nach dem Wirtshause . Güldenkamm sang vor der Türe zur Zither : Von Wein und von Scherz Entfliehet mein Herz Durch die drückende Hitze . Durch die blendenden Blitze Hab ich umsonst ihr gesungen : Wohin , ach wohin ist mein Liebchen entsprungen ? Ein lieblicher Duft Erfrischet die Luft , Herrlich segnen die Gluten , Sterne spiegeln in Fluten , Schmerzliche Glut , die ich leide : Dahin , ach dahin ist die liebliche Freude ! Und wär sie nun nah , Und wär sie nun da , Sähen Sterne sie wieder , Säng ihr Nachtigall Lieder ; Ich nur allein , ich müßte dann schweigen . Vorhin , ach vorhin war Liebchen mir eigen ! Susanna wußte kaum , wie sie Abschied genommen und wie sie zur Türe hinaus gekommen , sie horchte , und das ganze Haus schien ihr in schmerzlicher Bezauberung ; sie ergriff Degen und Beutel , der ihr verehrt war , grüßte kaum und sprang die Treppen hinunter zur Tür hinaus zu dem Sänger , dem sie ihre Trauer erzählte , von der hartherzigen Frau . » Der arme Anton ! « sagten beide ; dann aber griff Güldenkamm in die Saiten und sprach ergriffen mit großer Lebendigkeit von allerlei Plänen , wie sie sich künftig durch Schauspielerei ernähren könnten , sie wären gerade vollständig drei , um alles Traurige und Lustige der ganzen Welt darzustellen . Hätten sie gewußt , wie bedrängt ihr armer Anton zu Pforzheim in der Zwischenzeit lebte , sie würden sich nicht so leicht beruhigt haben . Seger war gleich nach ihrer Abreise fortgewandert , indem er Anton versicherte , er habe kein Geld , er wolle auf Wilddiebere ausgehen ; die Pferde , erzählte er ihm , habe er in der ersten Nach im Brettspiel verloren . Anton war nun ganz sich selbst überlassen ohne Geld und nicht ohne Mißtrauen wegen seiner Landsknechtskleidung von dem Wirte angesehen , der für alles gleich bar bezahl sein wollte . Die wenigen Kreuzer , die Seger zurückgelassen , waren bald verzehrt ; er wußte sich keinen Rat , als unerwartet ein Jud zu ihm eintrat um alte Kleider von ihm zu erhandeln . Es schien ihm ein Himmelsbote , denn gleich fielen ihm seine Pluderhosen ein , die wohl vierzig Ellen gutes Tuch enthielten ; er fragte der Juden , was er ihm zu einem Paar anderer zugeben wollte . Er mußt sie ausziehen , der Jude besah sie inwendig so lange , daß Anton ihn mit der krummen Nase hineinstieß , dann hielt er sie gegen das Licht ; endlich sagte er , sie wären schon sehr dünn , er wolle ihr aber doch ein Paar andere Hosen dafür geben . » Verfluchter Jude « rief Anton , » was gibst du aber zu ? sonst behalte ich sie . « » Nun « , sagte der Jude , » ich will noch ein Paar Handschuhe zu geben . « Anton warf ihn über diese unbequeme Rede zur Tür hinaus » Wer solche Hände hat , braucht keine Handschuhe . « Als er seine Hosen kaum wieder angezogen hatte , klopfte der Jude wieder an die Tür und bat sehr demütig , er möchte den Handel ihm nicht versagen , er wolle die Hosen noch einmal besehen . Anton in seiner Not mußte die Hosen wieder ausziehen , der Jude besah sie und sagte , er wolle sie nur einem Tuchhändler zeigen , weil er nicht wüßte , ob das Tuch auch in der Wolle gefärbt wäre . Anton gestattete ihm das Gesuch . Der Jude ging fort , es läutete zum Essen , aber er kam nicht wieder , Anton rief den Wirt und erzählte ihm den Vorfall , der aber faßte einen Argwohn , er möchte die Hosen schon verkauft und das Geld ausgegeben haben , denn er hätte keinen Juden bemerkt , er wurde deswegen zornig und drohte ihm , daß er nicht länger bei ihm wohnen dürfte . Anton war in großer Not , er ward um so hartnäckiger gegen den groben Wirt , setzte ihn auf sein Bett , zog ihm die Hosen aus , die er dann gemächlich anlegte und zu der Frau ging . Der Wirt schämte sich