dem Wipfel steigen , Die Länder beben in dem innern Grund , Hier lasse schwinden alles eigne Leben Von einem Leben , das uns all durchdringt , Das heftig unsern Atem hier bewegt Und mit dem Mond , der dort dem Meer entsteigt , In einer Nacht für Millionen lebt . Bewahren läßt sich nichts und viel genießen , Mir lasse ganz des Busens Freude scheinen ; Und was dir noch von alter Sorge bleibt , Das schreibe all an alte Freund nach Haus , In jene Gegend , wo sie immer sorgen . FÜRSTIN . Ach wohl bekenn ich mich der Sünde schuldig , Mit Wahn den keimenden Genuß zu stören , Doch ist er nicht so leer , mein schöner Knabe ; Auf meinen Wangen prangt nicht mehr die Frische , Mit der du gern in jeder Frucht dich siehst , Mit allen Lüften fühlst und dich bewegst , Und was in mir geschieht , ist fast geendet . Sieh morgens nur dein Angesicht im Wasser , Es wird bewegt von wechselndem Verlangen , Es wird bewegt wie von der Luft das Feld Und es vergeht kein Tag , wo du nicht lernest , Wo du nicht wächst zum größern Manne auf . O sag , in diesem Blick , was sagtest du , O sag , was dachtest du im Augenblicke . HYLAS . Beim Zeus , ich dachte nicht , ich sah dich an , Wie von der Lampen Schimmer du erhellt , Die einen neuen Tag in Nächten schaffen , Und hab ich mehr gedacht , ich weiß nichts mehr ; Beim Zeus , du denkst dir gar zu viel in mir , An deiner Seite denk ich nur an dich . FÜRSTIN . O schweig , es war der lieblichste Gedanke , Du willst mit neuer Lust mich überraschen , O daß du mir so was verbergen kannst , Daß ich nicht ganz in dir mich kann verlieren , Nicht kann mit deinen dunklen Augen sehen , Mit deinen Pulsen nicht die Zeit mir messen ! Bewache mich , daß ich die Brust dir nicht Zerreiß , mein Schicksal dir im Herzen lesend ; Wie jene Deuter in der alten Zeit Die schönsten Menschen opferten , um dann Aus ihrem Innern Künft ' ges zu vernehmen ; Dann wär ich ja mit meinem Schicksal fertig . HYLAS . Du läßt mir gar nichts übrig , dir zu sagen , Denn wie das Meer Italien umspannt , So sanft , so wild , so schrecklich und so lieblich , So regst du jeden Sinn in dem Gemüte , Und gibst ihm gleich ein ewig deutlich Wort . Was kann ich mehr noch , als dein Nachklang sein , Und Beßres immer , als dein Widerhall . FÜRSTIN . Was ich dir gebe , bring ich dir zurück , Ich hab ' s von dir , du nichts von mir empfangen , Denn wie die Biene alle Blüten regt , Die an der Erde träge duftend liegen , Mit ihrem Atem nicht , mit ihren Flügeln , So regen auch , wenn du die Arme um mich legest , Sich alle frohen Blüten wieder auf . HYLAS . Und wie ich jetzt so an mein Herz dich drücke , Da fühl ich in dem Augenblicke wieder , Was ich oft überhört , wenn du gesprochen ; Du weißt , ich habe manchen alten Traum , Der mich nicht läßt , hab ich ihn gleich verlassen . FÜRSTIN . Ich sitz dir stets zur Beichte , leg den Mund Dir immer an das Ohr , dir zu bekennen , Was in mir vorgeht ; nun bekenn mir auch , Was ist es für ein Traum , der dich bewegt , Der dich aus meinen Liebesnetzen zieht Und an den wesenlosen Himmel mahnt , Dem ich dich schöner Vogel hab geraubet ; Ein nutzlos Mühen hast du so verloren , Sieh wie die Vögel steigen , um zu fallen , In meiner Liebe steigst du immerdar . HYLAS . Du bist mir Vaterland und Freiheit , alles Was ich verloren und - was ich gehofft . Und füttre ich die Tauben und die Schwäne , Mir sind sie lieb , weil du zu ihnen lächelst , Nach keinem Ausflug mehr verlangt mein Herz ; Denn gar ein wunderbares geist ' ges Leben Seh ich in deinen Künsten überschweben . Ach wär ich doch ein Bild von deiner Hand ; Verachte meine kleinen Künste nicht , Der Himmel treibt die Gärtnerei mit mir . FÜRSTIN . Der Himmel will dir wohl , er denkt wie ich , Du weißt es ja , ich freu mich jeder Blume , Die du mir sorglich aufgezogen hast ; Und ihre Kränze sind lebend ' ger doch , Als alles , was mein Pinsel dir kann zaubern . Erfreu dich deines Werks , weil ich ' s bewundre , Und rühmen keine andre deinen Garten , Gedenk , ich leb darin die schönsten Stunden . O sieh die Malven , die du einst geflochten , Zum Zelte mir , wo wir so traulich schliefen , Sieh , wie die Sonne heut daran gewelkt ; Gewiß , sie schmachten heut nach frischem Regen ; Ich muß vergelten , wie sie mir getan , So will ich sie auch heute noch erquicken . HYLAS . Sie sind so schöner Mühe doch nicht wert . FÜRSTIN . Ich bitte dich , o laß mir diese Sorgen , Denn eine Sorge muß ich immer haben , Wie du mir oftmals liebend vorgeworfen . HYLAS . So seh ich dir hier unterm Kirschbaum zu , Und jeder deiner Schritte scheint mir Tanz , Und Anmut schwebt in jeglicher Bewegung ; Ein schöner Demantstrom entrinnt der Hand , Im Lampenschimmer düftet ' s rings so frisch . FÜRSTIN singt während des Begießens der Blumen . Der Himmel ist oft hell , kann dann bald weinen , Deckt seine klaren Augen zu , Die auch verhüllet noch zu trauren scheinen