es sich noch zur höchsten Ehre rechnen müsse , der » weltberühmten , schönen , fetten , veilchenbekränzten Athenä « ihren uralten Glanz wiedergegeben zu haben , und dem sie nicht den geringsten Dank schuldig wären , wenn er ihre Mauern auch mit gediegenem Golde hätte überziehen lassen . Aus diesem Tone kann man sie wenigstens an allen öffentlichen Orten täglich blasen hören . Sie bauen nun wieder ein Nephelokokygia über das andere ins Blaue hinein , immer voraussetzend die Schätze des großen Königs würden ihnen ewig zu Gebote stehen , ob sie es schon der Mühe nicht werth halten , sich seines Wohlwollens durch eine dauerhafte Verbindung seines Interesse mit dem ihrigen zu versichern . Was die Folgen dieses demokratischen Stolzes und der falschen Maßregeln , wozu er sie verleiten wird , seyn müssen , läßt sich , ohne daß man ein Tiresias zu seyn braucht , leicht voraussehen . Aber die kurzsinnige Attische Aufgeblasenheit sieht nichts voraus , wird durch keine Erfahrung klüger , und begeht alle ihre großen und kleinen Thorheiten immer als ob es das erstemal wäre . - Doch , kein Wort weiter von Athenischen Staatsverhältnissen und demokratischen Albernheiten ! Weiß ich denn nicht , wie widerlich und langweilig dir , mit Recht , diese Dinge sind ? Auch soll es das letztemal seyn , daß ich dich damit behellige ! - Ein anderes wär ' es , wenn ich dir von Zeit zu Zeit eine Aristophanische Komödie im Geschmack der Acharner , der Ritter und der Vögel mitzutheilen hätte , die dir ohne einen kleinen Commentar nicht immer verständlich wären . Aber solche Früchte bringt der Attische Boden nicht mehr hervor . Die Wiederherstellung der Demokratie hat zwar das Gesetz gegen den Mißbrauch der ungezügelten Freiheit der alten Komödie83 ziemlich unkräftig gemacht : aber Zeit und Umstände scheinen unvermerkt auch auf diesen Zweig der öffentlichen Unterhaltung zu wirken , und ich betrachte die Komödie , wie ich sie seit meiner Zurückkunft finde , als den Uebergang zu einer künftigen neuen Gattung , deren regelmäßigere und elegantere Form eine natürliche Folge der , in umgekehrtem Verhältniß mit der Abnahme der demokratischen Ungezogenheit , immer steigenden Verfeinerung des Geschmacks und der Sitten seyn wird . Indessen läßt gleichwohl die leichtfertige Muse des Dichters der Wolken weder ihrer unnachahmlichen Genialität noch ihrem gewohnten Muthwillen so enge Schranken setzen , daß sie sich nicht noch immer bald einzelne Hiebe mit derselben Geißel , die vor dreißig Jahren einen Kleon bis auf die Knochen zerfleischte , bald Züge von eben demselben neckenden Spott , womit sie einst einen Lamachus , Euripides , Nicias , Alcibiades , ja den unsträflichen Sokrates selbst verfolgte , und bei jeder Gelegenheit die bittersten Sarkasmen über das Volk und die Regierung von Athen erlauben sollte . Sein neuestes Stück , der Weibersenat84 betitelt ( welches ich für dich abschreiben lasse ) , enthält ziemlich starke Beweise hiervon , ist aber dabei so ekelhaft schmutzig , daß ich , wiewohl es von feinerem Witz und trefflichen Einfällen strotzt , mir doch kaum getraue es dir vor die Augen zu bringen . Eine meiner ersten Angelegenheiten , nachdem ich von meiner neuen Wohnung Besitz genommen hatte , war , die alte Bekanntschaft ( Freundschaft kann ich sie ehrlicher Weise nicht wohl nennen ) mit den Attischen Sokratikern zu erneuern . Der gute Kriton war seinem geliebten Freunde schon vor einigen Jahren in das unbekannte Land nachgezogen , wovon Plato in seinem Phädon so viel Wunderbares zu berichten hat . Stilpon lebt zu Megara , Cebes und Simmias sind nach Theben zurückgekehrt , und streuen dort guten Sokratischen Samen aus . Unter den Anwesenden wurde ich von dem wackern Gerber Simon , von Kritobulus ( der unserm Meister durch sein Leben als Hausvater und Bürger Ehre macht ) und von Aeschines , des Lysanias Sohn , am freundlichsten empfangen ; von Plato kalt und vornehm , von Antisthenes ( der mit den Jahren nicht milder geworden ist ) ein wenig - cynisch . Es war als ob er mich erst von allen Seiten beschnuppern müßte , bevor er mich erkannte und einige Freude über unser Widersehen äußerte ; welches letztere übrigens all bejahrten Leute zu thun pflegen , wenn ihnen ein jüngerer Bekannter nach langer Zeit wieder zu Gesichte kommt . Im Grund ist es nicht so wohl das Vergnügen über unser Daseyn , als die Freude darüber daß sie selbst noch da sind , was sie uns dadurch zu erkennen geben . Ich fange an sehr lebhaft zu fühlen , daß uns beim Eintritt in die männlichen Jahre , eine bestimmtere Art von Beschäftigung immer unentbehrlicher wird . Ohne gerad ' eine förmliche Schule zu eröffnen und ein Aristophanisches Phrontisterion aus meinem Hause zu machen , bin ich entschlossen , nach dem Beispiel des Sokrates und in seiner Manier ( sofern ich sie ohne Anmaßung und Nachäfferei zur meinigen machen kann ) einen Theil meiner Zeit einigen fähigen Jünglingen , die sich zu mir halten wollen , zu widmen . Zu diesem Ende ist ein gegen den Garten offener Säulengang meines Hauses täglich etliche Stunden einem jeden geöffnet , der sich darin ergehen und an der kleinen Gesellschaft , die sich da zusammen zu finden pflegt , als Mitsprecher oder als bloßer Zuhörer Antheil nehmen will . Diese Galerie ist mit auserlesenen Gemälden geziert , und unter einigen Stücken von Polygnotus , Zeuxis , Pausias , Parrhasius und Timanthes , glänzen die trefflichen Copeien von deinem Tod des Sokrates und dem Ende des unglücklichen Kleombrotus so sehr hervor , daß sie gewöhnlich die Augen der hierher Kommenden zuerst auf sich ziehen und am längsten festhalten . Mitunter fallen auch ziemlich komische Dialogen vor , wie z.B. der folgende , den ich dir , weil er mir noch ganz frisch im Gedächtniß liegt , zur Kurzweil mittheilen will . Ein edler junger Athener trat mit einem zierlich gekleideten fremden Jüngling Arm in Arm in die Galerie . Sie eilten mit flüchtigen Blicken von einem Bilde zum andern