wurde aber unter diskretem Gelächter der Tafelrunde belehrt , daß diese Vögel nur in der Freiheit der Moore und Heiden Norddeutschlands zu gedeihen vermöchten . Prinzessin Karoline ließ sich solche kleinen Zurechtweisungen gutmütig gefallen . Sie pflegte zu sagen , daß sie kein Gewicht darauf lege , für eine von den modernen gelehrten Frauen gehalten zu werden , die in der Naturwissenschaft wie in der Geographie Bescheid wissen müßten . Sie brachte so viel Frische und Lustigkeit in die Unterhaltung , daß sie darüber nicht bemerkte , wie zerstreut ihre Gastgeber daran teilnahmen . Sie fragte nach Augusts Verbleib und hörte , daß er sich in dringenden Geschäften habe entfernen müssen . Sie fragte auch nach Nachrichten von dem fernen Amerikaner , worauf plötzlich ein unbehagliches , ja erschreckendes Schweigen am Tisch entstand . Prinzessin Karoline blickte durch ihre Schildpattlorgnette rings um sich her und fragte : » Ich habe doch wohl nicht eine Dummheit gesagt ? « Und dann beugte sie sich zu Trinette vor , die ihr gegenübersaß , und flüsterte hörbar : » Der junge Mann ist doch nicht etwa krank oder gar gestorben ? « » Nein , Gott sei Dank , nein , « antwortete ihr Kosegarten mit einem etwas tiefern Atemzug , » aber Freude macht er uns auch nicht . Man muß die Dinge nehmen , wie sie kommen , ja , das Leben ist einmal putzwunderlich . Es wird wohl Zeit , daß man sich zu seinen Vätern in die Gruft legt ! « Die Prinzessin stieß einen kleinen Entsetzensschrei aus . » Um Gottes willen , cher ami ! « rief sie , und die Schildpattlorgnette fiel klirrend in ihren Schoß , » reden Sie doch nicht solche abscheulichen Dinge ! Sterben – krank sein – alt werden ... gar nicht nett , gar nicht nett ! Denke nicht gern daran ! ... Jugend hat keine Tugend . Der Herr Sohn wird ein wenig leichtsinnig gewesen sein – eh bien – die Leichtsinnigsten sind die Liebenswertesten . Erinnere mich seiner als Page : scharmanter Junge ! « » Wir dürfen wohl unsern Maßstab nicht an jene Existenzen dort drüben legen , « mischte sich der blonde Kammerherr , der die Prinzessin begleitet hatte , ins Gespräch , » es verrücken sich ja jetzt auch bei uns die Anschauungen über die Gebiete , die dem Edelmann zur Verwendung seiner Kraft zustehen , um ein bedeutendes . « » Ja , ja , « gab Kosegarten zu und faßte seinen grauen Bart mit der knochigen Hand , als müßte er dort irgendwie eine Stütze suchen , » das meint August auch . Ich weiß nicht , was man dazu sagen soll . Mögen die Jungen ihr Heil versuchen ... Mit der Landwirtschaft ist nichts mehr anzufangen – das haben wir Alten ja schon . Schockschwerenot – zum Deibel nicht noch einmal – genugsam erfahren ! « » Hoheit äußerten sich neulich interessiert , « begann der Kammerherr vorsichtig , » zu erfahren , welche Art von industriellem Unternehmen Ihr Sohn August nun auf Rauschenrode eröffnen wird ? « » Ach ja , kolossal interessant , « rief die Prinzessin , » Industrie ist Trumpf , meint mein Bruder , der Herzog ! « Kosegarten ließ seine blauen , bekümmerten Augen auf ihr weilen . » Zu einem industriellen Unternehmen gehört bekanntlich Geld , « bemerkte er , » und wo August das hernehmen will , ist mir schleierhaft . Aber das ist ja seine Sache , ich mische mich da nicht ein ! « » Geld ... « seufzte die Prinzessin , » das ist ein so schreckliches Wort Vraiment . lieber Kosegarten , ich hasse dieses Wort ! Es stört und hindert mich immerfort zu tun , was ich möchte . « Kosegarten lachte und schlug mit der Hand auf den Tisch . » Ein verfluchtes Wort ! Wissen Hoheit , daß es heutzutage geradezu unanständig , pöbelhaft ist , Geld zu haben ! « Und nun lachten sie beide , und die Prinzessin rief : » Superbe ! Unanständig ist es , Geld zu haben ! Das sage ich auch ! – Mein lieber Kosegarten , wir verstehen uns noch ebensogut wie vor zwanzig Jahren , als wir Walzer miteinander tanzten ! « » Man ist alt , steif und faul geworden , « sagte Kosegarten resigniert . » Aber Hoheit haben sich gehalten ... diese Augen – « » Na ja , die Augen ... « fiel die Prinzessin ein , » aber was tue ich mit den Augen allein ! Eine arme , alte , fette , sitzengebliebene Prinzessin ! Gar nicht nett , lieber Kosegarten , gar nicht nett ! Reden wir von etwas anderm , reden wir von der Jugend ! Womit hat denn Ihr Sohn in Amerika eigentlich sein Glück gemacht ? « Die Frage kam so überraschend , daß sie Kosegarten förmlich verblüffte und er im Augenblick keine Antwort wußte . Er zog die Brauen hoch , blickte die Prinzessin verwirrt an und brummte unsicher : » Glück gemacht ? Na , das ist nu solche Sache ! « Trinette aber vergaß in diesem Augenblick ihre höfische Gewandtheit nicht . Sie beugte sich vor und sagte etwas obenhin , wie man von selbstverständlichen Dingen spricht : » Mein Neffe hat leider große Verluste in seinem Geschäft erleiden müssen , politische Konstellationen , die dort drüben ja immer in den Handel mit hineinspielen . Aber , Gott sei Dank , er ist momentan ganz wieder auf der Höhe ... Wir haben die Aussicht , ihn in kurzer Zeit hier zu einem flüchtigen Besuch bei seinen Eltern zu erwarten . « » Nein , was Sie sagen ! « rief die Prinzessin begeistert und schlug die kleinen , weißen Händchen wie ein Kind zusammen . » Meine liebe Frau von Kosegarten , warum haben Sie mir das nicht längst erzählt ? – Das ist ja eine große Freude für Sie ! « Frau von Kosegarten bekam nasse