, und meine Hände zitterten vor Freude ; denn auch meine Mutter pflegte stets ein Blättlein anzulegen , und wenn auch nur ein kurz und unterlaufend Wörtlein von Renaten drinnen stand , so konnt ich ' s wohl zu hundert Malen lesen . Aber das Schreiben , so ich gleich den wenigen , welche ich noch von dieser verehrten Hand erhalten sollte , getreulich aufbewahret , war allein von meinem Vater und lautete nach viel herzlichen Worten , wie hier folget : » Was aber die Gemeinde in solche Wirrniß setzet , daß selbst mein mahnend Wort nur kaum gehöret wird , das darf auch Dir , mein Josias , nicht gar verschwiegen bleiben . Es war am letzten Sonnabend , da ich nachmittages an meiner Predigt saß , als der Höftmann Hansen mit ungestümen Schritten zu mir eintrat . › Was habt Ihr , Höftmann ? ‹ sagte ich : › Ihr wisset , daß ich um diese Zeit ungern gestöret bin . ‹ › Ja , ja , Herr Pastor ‹ , sprach er ; › wisset Ihr ' s denn schon ? Fort ist er und wird nicht wiederkommen ! ‹ Und da ich schier erschrocken nachfrug : › Wer ist denn fort ? ‹ , entgegnete er : › Wer anders als der Hofbauer ! Hab ' s mir schon lang gedacht , daß es so kommen müsse ! ‹ › So sprecht , Höftmann ‹ , sagte ich und schob mein Schreibewerk zurück ; › was ist ' s mit dem ? ‹ › Weiß nicht , Herr Pastor ; aber ein Stöhnen und Ramenten haben die Mägde nachts von seiner Kammer aus gehört ; doch da die Tochter nicht daheim ist , so hat keine sich hinein getrauet ; erst als die alt Marike aufgestanden , haben sie der sich an den Rock gehangen . Ist auch ein groß Geschrei geworden , da sie in die Kammerthür getreten ; denn als sei die ganze Bettstatt umgestürzet , so hat alles , Pfühl und Kissen , über den Fußboden hin verstreut gelegen ; das alte Weib aber ist auf ihren Knien in dem Wust umhergerutschet , hat darin umhergefunselt und jedes Häuflein Bettstroh sorgsam aufgehoben , als wolle sie darunter ihren Bauren suchen , von dem doch keine Spur zu finden war . ‹ › Nun , Höftmann ‹ , sagte ich fürsichtig ; › es ist noch früh am Tage ; der Hofbauer wird schon wiederkommen . ‹ Der aber schüttelte den Kopf : › Herr Pastor , es ist schon über eine Stunde Mittag . ‹ Da ich dann erfuhr , daß die Tochter wieder einmal bei dem Küster und Klosterprediger Carstens in Husum auf Besuch sei , so vermochte ich den Höftmann , ihres Vaters Wagen mit Botschaft nach der Stadt zu schicken . Aber schon um drei Uhr ist sie von selber wieder auf dem Hof gewesen ; und hat es die Weiber , welche dort zusammengelaufen , schier verwundert , daß das Mädchen , so doch kaum achtzehn Jahre alt , so schweigend zwischen ihnen hingegangen und nicht geweinet , noch eine Klage um den Vater ausgestoßen ; nur ihre Augen seien noch viel dunkler in dem blassen Angesicht gestanden . In den alten Bäumen – so wird erzählet – habe es von den Vögeln an diesem Tag gelärmet , als seien alle Elstern aus dem ganzen Wald dahin berufen worden . Das Mädchen hat aber fürgeben , ihr Vater müsse auf dem Moor bei seinem Torf verunglückt sein , wo er die letzten Tage noch habe fahren lassen ; da sie jedoch außer ihren beiden Knechten noch Leute aus dem Dorf hat aufbieten wollen , so sind nur gar wenige ihr dahin gefolget , denn sie fand keinen Glauben mit ihren Worten , und auch die Wenigen sind schon vor Dunkelwerden heimgekehret ; denn bei den Torfgruben sei vom Bauer keine Spur zu finden , und sei das Moor zu unermeßlich groß , um alle Sümpf und Tümpel darin durchzusuchen . Als nun der allmächtige Gott Wald und Felder und auch das wüste Moor mit Finsterniß gedecket , ist der Schmied Held Carstens , der seine Schwiegermutter , so ihrer Tochter in den Wochen beigestanden , nach Ostenfeld zurückgebracht , um Mitternacht am Rand des Waldes wieder heimgefahren . Der Mann hat sein alt treuherzig Gespann am Zügel gehabt und ist schier ein wenig eingenicket ; da aber die sonst so frommen Gäule plötzlich unruhig worden und mit Schnauben nach der Waldseite zu gedränget , so hat er sich ermuntert und ist nun selber schier erschrocken ; denn drüben auf dem Moore hat aus der Finsterniß ein Schein gleich einem Licht gezucket ; das ist bald still gestanden , bald hat es hin und her gewanket . Er hat gemeinet , daß die Irrwisch ihren Tanz beginnen würden , hat aber als ein beherzter Mann während dem Fahren noch mehrmals hingesehen , und da es letztlich näher kommen , ist eine dunkle Gestalt ihm kenntlich worden , so neben dem Irrschein zwischen den schwarzen Gruben und Bülten umgegangen . Da hat er ein still Gebet gesprochen und auf seine Gäule losgepeitschet , damit er nur nach Hause komme . Am andern Morgen in der Frühe aber haben die Leute drunten an der Straße des Hofbauren Tochter ohne Kappe , mit zerzausetem Haar und eine zertrümmerte Laterne in der Hand , langsam nach ihres Vaters Hofe zuschreiten sehen . Als ich am Vormittage dann dahin ging , wie es meine Amtspflicht heischet , vernahm ich , daß sie abermalen mit ihren Knechten nach dem Moor hinaus sei ; da ich aber spät am Nachmittage wiederkam , trat sie in schier zerrissenen und besudelten Kleidern mir entgegen und sahe mich fast finster aus ihren dunkeln Augen an . Ich wollte sie auf den verweisen , ohn dessen Hülf und Willen all unsre Kraft nur eitel Unmacht ist ; allein sie sprach : › Habet Dank , Herr Pastor , für die