zürn nicht , Hauke ! Ich trau , du wirst auch so uns nicht verlassen ! « Da ergriff er eifrig ihre Hand , und sie entzog sie ihm nicht . Noch eine Weile standen die jungen Menschen in dem sinkenden Dunkel beieinander , bis ihre Hände auseinanderglitten und jedes seine Wege ging . – Ein Windstoß fuhr empor und rauschte durch die Eschenblätter und machte die Läden klappern , die an der Vorderseite des Hauses waren ; allmählich aber kam die Nacht , und Stille lag über der ungeheueren Ebene . Durch Elkes Zutun war Hauke von dem alten Deichgrafen seines Dienstes entlassen worden , obgleich er ihm rechtzeitig nicht gekündigt hatte , und zwei neue Knechte waren jetzt im Hause . – Noch ein paar Monate weiter , dann starb Tede Haien ; aber bevor er starb , rief er den Sohn an seine Lagerstatt . » Setz dich zu mir , mein Kind « , sagte der Alte mit matter Stimme , » dicht zu mir ! Du brauchst dich nicht zu fürchten ; wer bei mir ist , das ist nur der dunkle Engel des Herrn , der mich zu rufen kommt . « Und der erschütterte Sohn setzte sich dicht an das dunkle Wandbett . » Sprecht , Vater , was Ihr noch zu sagen habt ! « » Ja , mein Sohn , noch etwas « , sagte der Alte und streckte seine Hände über das Deckbett . » Als du , noch ein halber Junge , zu dem Deichgrafen in Dienst gingst , da lag ' s in deinem Kopf , das selbst einmal zu werden . Das hatte mich angesteckt , und ich dachte auch allmählich , du seiest der rechte Mann dazu . Aber dein Erbe war für solch ein Amt zu klein ich habe während deiner Dienstzeit knapp gelebt – ich dacht es zu vermehren . « Hauke faßte heftig seines Vaters Hände , und der Alte suchte sich aufzurichten , daß er ihn sehen könne . » Ja , ja , mein Sohn « , sagte er , » dort in der obersten Schublade der Schatulle liegt das Dokument . Du weißt , die alte Antje Wohlers hat eine Fenne von fünf und einem halben Demat ; aber sie konnte mit dem Mietgelde allein in ihrem krüppelhaften Alter nicht mehr durchfinden ; da habe ich allzeit um Martini eine bestimmte Summe , und auch mehr , wenn ich es hatte , dem armen Mensch gegeben ; und dafür hat sie die Fenne mir übertragen ; es ist alles gerichtlich fertig . – – Nun liegt auch sie am Tode : die Krankheit unserer Marschen , der Krebs , hat sie befallen ; du wirst nicht mehr zu zahlen brauchen ! « Eine Weile schloß er die Augen ; dann sagte er noch : » Es ist nicht viel ; doch hast du mehr dann , als du bei mir gewohnt warst . Mög es dir zu deinem Erdenleben dienen ! « Unter den Dankesworten des Sohnes schlief der Alte ein . Er hatte nichts mehr zu besorgen ; und schon nach einigen Tagen hatte der dunkle Engel des Herrn ihm seine Augen für immer zugedrückt , und Hauke trat sein väterliches Erbe an . – – Am Tage nach dem Begräbnis kam Elke in dessen Haus . » Dank , daß du einguckst , Elke ! « rief Hauke ihr als Gruß entgegen . Aber sie erwiderte : » Ich guck nicht ein ; ich will bei dir ein wenig Ordnung schaffen , damit du ordentlich in deinem Hause wohnen kannst ! Dein Vater hat vor seinen Zahlen und Rissen nicht viel um sich gesehen , und auch der Tod schafft Wirrsal ; ich will ' s dir wieder ein wenig lebig machen ! « Er sah aus seinen grauen Augen voll Vertrauen auf sie hin . » So schaff nur Ordnung ! « sagte er ; » ich hab ' s auch lieber . « Und dann begann sie aufzuräumen : das Reißbrett , das noch dalag , wurde abgestäubt und auf den Boden getragen , Reißfedern und Bleistift und Kreide sorgfältig in einer Schatullenschublade weggeschlossen ; dann wurde die junge Dienstmagd zur Hülfe hereingerufen und mit ihr das Gerät der ganzen Stube in eine andere und bessere Stellung gebracht , so daß es anschien , als sei dieselbe nun heller und größer geworden . Lächelnd sagte Elke : » Das können nur wir Frauen ! « Und Hauke , trotz seiner Trauer um den Vater , hatte mit glücklichen Augen zugesehen , auch wohl selber , wo es nötig war , geholfen . Und als gegen die Dämmerung – es war zu Anfang des Septembers – alles war , wie sie es für ihn wollte , faßte sie seine Hand und nickte ihm mit ihren dunkeln Augen zu : » Nun komm und iß bei uns zu Abend ; denn meinem Vater hab ich ' s versprechen müssen , dich mitzubringen ; wenn du dann heimgehst , kannst du ruhig in dein Haus treten ! « Als sie dann in die geräumige Wohnstube des Deichgrafen traten , wo bei verschlossenen Läden schon die beiden Lichter auf dem Tische brannten , wollte dieser aus seinem Lehnstuhl in die Höhe , aber mit seinem schweren Körper zurücksinkend , rief er nur seinem früheren Knecht entgegen : » Recht , recht , Hauke , daß du deine alten Freunde aufsuchst ! Komm nur näher , immer näher ! « Und als Hauke an seinen Stuhl getreten war , faßte er dessen Hand mit seinen beiden runden Händen . » Nun , nun , mein Junge « , sagte er , » sei nur ruhig jetzt , denn sterben müssen wir alle , und dein Vater war keiner von den Schlechtsten ! – Aber , Elke , nun sorg , daß du den Braten auf den Tisch kriegst ; wir müssen uns stärken ! Es gibt viel Arbeit für uns ,