klammerte sich wieder fester an den Geliebten . Oppermann aber legte die Hand über die schwimmenden Äuglein , griff militärisch , so gut es ging , zum Gruße an die Mütze , schwankte noch drei Schritte näher und grüßte zum zweiten Mal mit einem unbeholfenen Kratzfuß sehr zutunlich und , wie es schien , gleichfalls recht erfreut über die angenehme Begegnung . » Herrje , Herrje , « stammelte er grinsend , » da – sind wir – die jungen Herrschaften ja schon wieder ! Mit Verlaub – Fräulein , was – haben Sie denn bei uns gestern vergessen ? « » Gestern ? « fragte das Fräulein , und : » Gestern ? ! « wiederholte Hilarion ebenso verwundert wie sein Bräutchen . » Mit Verlaub , ich hab ' Sie beide doch gestern nachmittag erst aus dem Walde herausgedigerieret . Zwanzig Silbergroschen Douceur – der junge Herr hätte auch wohl einen Taler draus machen können . « » Liebster Mann , « rief der Assessor dem immer vergnüglicher blinzelnden Oppermann zu : » gestern waren wir , ich und das Fräulein , nicht hier in Eurem verhexten Walde , und Ihr habt uns also auch nicht wieder hinausdirigieren können . Aber einen Taler zahle ich Euch mit Freuden , wenn Ihr uns jetzt noch tiefer hineinführt , das heißt zu dem Herrn Konstantius , der hier in der Gegend wohnen soll ! « Der Alte hatte sich glucksend an einen Baum gelehnt und schüttelte bedenklich den Kopf . » Mit Verlaub , Sie waren es nicht , die gestern schon bei Herrn Konstantius um Rat waren ? « » Gewiß nicht ; auf Ehre ! « » Na , « rief der muntere Greis nickend , » hören Sie , dann fängt es aber allnachgerade an von Ihnen hier im Revier zu wimmeln , und der Va – ter – Konstan – ti – us hat recht . « » Worin hat der Vater Konstantius recht ? « » Darin – nämlich , daß es ihm zu viel wird und er ausziehen will . « » Gütiger Himmel ! « flüsterte Ernesta ; aber ihr kluger Hilli war mit seinen Überredungskünsten glücklicherweise noch nicht zu Ende . » Hören Sie , alter Freund , « sagte er zutraulich , » es soll mir auch auf zwei Taler nicht ankommen , wenn Sie uns diesmal noch den Weg zu Ihrem Einsiedler führen . « » Hm ! « murmelte der Alte , vor einem durch das Gezweig blitzenden Strahl der sinkenden Sonne niesend und dann die Nase mit dem Knöchel des rechten Zeigefingers reibend . » Ne ! « brummte er , einen Entschluß herausreibend . » Ich tu ' es nicht ! Er ist seit dreißig Jahren mein einzigster Kumpan und Trost in der Einöde , und er will keine unglücklichen Liebespaare mehr . Er will sich nicht mehr überlaufen lassen . Weshalb sind Sie es gestern nicht gewesen ? Gestern wären Sie die Allerletzten gewesen , die er vor sich gelassen hat . « » Siehst du , Hilarion ? « schluchzte Ernesta , » o Gott , gib ihm nur schnell ein Trinkgeld , und laß ihn uns zu unserer Droschke zurückbringen ! « » Ernesta ? ! « stammelte Hilarion nun wirklich ein wenig vorwurfsvoll ; doch glücklicherweise hatte Oppermann der Brave das bängliche Wort des armen Kindes überhört und ergriff seinerseits von neuem mit immer dickerer Zunge stammelnd das Wort : » Wissen Sie , was ich tun will für die zwei Taler ? Ich will Ihnen die Direktion angeben , und wenn Sie hernach Ihren Weg allein finden , so ist uns allen geholfen . Wollen Sie ? « » Gewiß , Sie alter – « schrie der Assessor bei der Regierung , das Hauptwort im Satze verschluckend . » Na , dann verlassen Sie sich nur auf Oppermann ; Sie sein die ersten nicht , denen er die Direktion angegeben hat . Sie halten sich also zuerst – « Und er fuhr fort , wir aber fahren nicht in dieser Richtung fort , ihm zu folgen , denn eine umständlichere Wegbeschreibung hatten Hilarion und Ernesta noch nimmer in ihrem Leben erhalten ; es war unter allen Umständen ein Jammer , daß er – der Vater Konstantius – noch in keinem Reisebuch stand , und daß weder Herr Bädeker noch Herr von Berlepsch ihn in seiner Wildnis aufgefunden und touristengerecht gemacht hatten ! Den Schluß von Oppermanns Rat und Andeutung dürfen wir jedoch unseren Lesern nicht vorenthalten , denn er war in mehr als einer Hinsicht von Wichtigkeit und in jeder ungemein merkwürdig . » Ohne meinen Dorst hätten Sie lange suchen sollen , liebste junge Herrschaft ! Das Trinkgeld ist redlich verdient , da verlassen Sie sich auf Oppermann . Aber eines will ich Sie noch in den Handel geben , Fräulein ; nämlich zweierlei . Als wie erstens , wenn Ihnen etwas Absonderliches begegnen sollte auf dem Wege , so erschrecken Sie mich nicht zu arg . Es meint ' s nicht böse und es tut Ihnen nichts , und mehr darf ich nicht sagen . Ewige sagen , es ist ein Spuk , andere sagen , es ist eine Dummheit ; aber Oppermann sagt , alle sind sie Esel und kennen den Wald nicht und was sein Wesen in ihm hat bei Tag und Nacht , bei Sturm und Sonne , bei Winter- und Sommerzeit . Passen Sie nur auf ! wenn Es sich meldet , so denken Sie an Oppermann . Es kennt mich , und wenn Es hinter mir lacht , so denk ' ich nur : Na , na ! – und wenn Es mir als ein Funken , Vogel oder als eine nackte Jungfer in Spinneweb kommt , dann sage ich auch : Na , na ! – und Es kennt Oppermann auch , und Es ist es und nicht das Echo , das lacht : Aber , Oppermann , Oppermann ! und auch sein Pläsier