Sage bestätigt den Heiland als den , welchen die Kirche verehrt und darstellt , als einen göttlichen Brunnen der Barmherzigkeit . Selbst an dem ekelsten Gegenstande findet die Güte noch eine Schönheit . « Und schwere Tränen stürzten über ihre Wangen . Die Hofleute waren erstaunt , ihre Herrin also reden zu hören . Es war offenbar , daß sie an sich selbst dachte und unter der Gewalt eines plötzlich über sie kommenden unüberwindlichen Wahrheitsbedürfnisses ohne Hehl und Scham unter einem durchsichtigen Schleier ihren Ursprung aus der Kirche und ihre entsetzliche römische Sünde zeigte . Der Mund des einen verzog sich in der Dämmerung zum Spott , während die Stirne des andern sann und grübelte . Es ist schwül , und sie fühlt das Gewitter – dachten sie . Die Blässe der Herzogin schimmerte wie Marmor durch das Halbdunkel . Alfonso sprach kein Wort , aber er betrachtete sein Weib ohne Groll , mit Liebe und Teilnahme . Der Teppichhändler Emin aber freute sich des Gleichnisses von der Tapete . In dem entstandenen Schweigen wurde die bange Schwüle noch fühlbarer . Man hörte in der Ferne unheimliche Unkenrufe und das Schreien eines Käuzleins , nach welchem der Kardinal , der an der Unterhaltung keinen Anteil genommen , aufmerksam und geärgert hinhorchte . Da trat unversehens Don Ferrante aus den Bäumen und ließ seine mißtönige Stimme vernehmen . » Hier wird erbaulich gesprochen « , höhnte er , » wohl von der Eminenz ! Ich lese es im Dunkel auf den kasteiten Mienen . Schade , daß ich zu spät komme ! Ich kann immer etwas Moral brauchen , und noch mehr Bruder Julius , den ich mitbrachte , der mir aber unterwegs in den Pfirsichspalieren hängenblieb . Es steckt dort eine Pica , die Tochter des neuen Gärtners , der er jetzt Pfirsiche für die herzogliche Abendtafel pflücken hilft mit den üblichen Griffen und Bissen und ehrbaren Spielen und Wortspielen , welche seit Adams Zeiten das Ergötzen unserer edeln Menschheit sind . « Diese mehr bittere als lose Rede schlug wie ein Blitz in einen Pulverturm . Donna Angela , die bisher ihr Angesicht an den Knien der Herzogin verborgen hatte , fuhr wie eine vom Pfeil getroffene Löwin in die Höhe und wollte , durch die Büsche brechend , davoneilen , da der nächste Augenblick den Unwürdigen in ihre Gegenwart bringen konnte ; doch die dunkle Figur des Kardinals verwehrte ihr die Flucht . Er stellte sich vor sie , und es schwirrte von seinen Lippen : » Der Nazarener fand an dem ekeln Aase noch etwas Schönes , an dem Hunde Don Giulio hätte er es nicht gefunden ! « Da änderte sich plötzlich die Haltung des aufgebrachten Mädchens . Die Brandmarkung des ausschweifenden Jünglings , zu der – wunderbarerweise – nur sie ein Recht zu haben glaubte , kochte in ihr als Zorn und Widerspruch . Sie schüttelte ihr stolzes Haupt und bewegte die Lippen . » Es wäre denn , Ihr allein , Donna Angela , wüßtet ein Lob auf ihn ! « beleidigte er sie . Da sprach die Trotzige mit erhobener Stimme : » Don Giulio hat wundervolle Augen ! Die muß ihm der Neid , die müsset Ihr , Kardinal , ihm lassen ! « » Muß ich ? Muß ich wirklich ? « rief Ippolito bebend und trat in die Nacht der Bäume zurück . Er verließ das Boskett und erschien wieder nach wenigen Minuten und einer entsetzlichen Tat . Was war geschehen ? Er hatte kaum das Dunkel betreten und einen leisen Ruf hören lassen , so kroch Kratzkralle , der sich durch » Unke « und » Käuzlein « , wie der Kunstausdruck lautete , angemeldet hatte , auf dem Bauche , wie eine Schlange , aus dem Dickicht , und ihm gegenüber auf der andern Seite des Pfades wurden in derselben Haltung Firlefanz und Drachenbrut sichtbar . Es waren die drei Schlimmsten seiner verabschiedeten Bande , die vor ihm aufstiegen . » Was wollt ihr von mir , Schurken ? « fuhr er sie an . Die Mützen mit den Händen vor die Brust drückend , wisperten die drei : » Gold , Gold , Gold , Eminenz ! Wir haben Euch länger gedient , als die andern und erwarten mehr von Euch ! Euer Schatzmeister aber hat uns alle gleich bedacht . « Da überwältigte den Kardinal sein böser Dämon . Er zog einen schweren Beutel hervor . » Euer ! « lockte er , » wenn ihr Don Giulio ... « Firlefanz machte die Gebärde des Erstechens : » Abgemacht , Eminenz ! « – » Nicht so ! Sondern ... « das Wort zauderte in seinem Munde , » ihn blenden . « Zuerst wollten ihn seine Banditen nicht verstehen . » Kennt ihr ihn ? « fragte er . » Er ist mein Freund ! « versetzte Kratzkralle mit Stolz . » In wenigen Minuten geht er hier vorbei . Horcht ! ... Ich vernehme schon seine Schritte ! « In der Tat wurde ein fernes Schreiten auf dem knirschenden Kiese der Allee hörbar . Da warf sich Kratzkralle dem Kardinal zu Füßen und stöhnte mit dem tiefsten Selbstbedauern : » Ich Verdammter ! Wär ich nicht geboren ! Herrlichkeit , befehlt mir , ihn zu erstechen ! Nacken oder Herz ! Nur nicht die lieben schönen Augen ! ... Das tu ich nicht ! « sagte er dann entschlossen . Da stieß ihn Firlefanz beiseite . » So laß uns zweie machen , Kapaun ! Desto besser , wenn wir nicht mit dir teilen müssen ! « Das wollte nun Kratzkralle auch nicht . Der Kardinal ließ seinen Beutel fallen und ging auf dem Pfade , den er gekommen war , nach dem Boskette , ohne zurückzulauschen . Hier aber war nicht nur der eherne Amor gefesselt , sondern alle Geister der Unterhaltung lagen in Banden . Man saß , in der Schwüle schwer atmend , zusammen und konnte bei der sinkenden Nacht kaum