ihn gestern im Vorbeigehen gesehen – ein hübscher Mann , stattlich und frisch ! Er hat freilich was Kurzangebundenes , wie es ja die Herren vom Geldsack fast noch mehr im Wesen haben , als die von Adel – den Ton kenn ' ich als alter Offiziersbursche gut genug . – Er stand mit dem Pächter Griebel an der Schneidemühle , die er umbauen lassen will – na , wackelig genug ist sie ! « Das Mädchen wandte sich ab , als höre sie kaum auf das , was er sagte , und nahm das weiße Tuch von der Bank , um es wieder über den Kopf zu werfen . » Aber mir geht die Umwälzung im alten Hirschwinkel doch ans Herz , « setzte er hinzu . » Das Vorwerkshaus steht auch nicht fester als die Schneidemühle – der beste Vorwand , kurzen Prozeß zu machen . « » Mag er ! « sagte das Mädchen rauh , während sie die Tuchzipfel mit hastigen Händen unter dem Kinn zusammenknüpfte . » Mag er uns auf den Bettel schicken ! Mag ' s sein – immerhin ! Ich zermartere mir des Nachts nur immer den Kopf , wie wir die Kranke fortbringen wollen – « Die Stimme versagte ihr . » Aber das ist doch das wenigste , « meinte er mit seinem treuherzigen Lächeln in dem bärtigen Gesicht . » Halten Sie mich denn für so ' nen Schneider , daß ich nicht einmal das abgezehrte , schwache Weibchen auf dem Arme forttragen könnte ? – Stundenweit will ich sie tragen , die gute alte Dame , und sie soll weder Ruck noch Zuck verspüren in ihren schmerzhaften Gliedern . Und so weit ist ' s ja auch noch lange nicht bis zu dem Hause da . – Die schöne Eckstube auf der Südseite ist groß und hell – da kann ihr Bett stehen , und sie sieht von zwei Seiten ins Grüne , das wird ihr gut tun . Und der alte Herr hat ' s hier am Fenster auch viel hübscher als auf dem Vorwerk ; es fährt und geht doch dann und wann ein bißchen Menschentreiben vorbei – auf dem Vorwerk sieht er nur in den öden Hof , wo die paar übriggebliebenen Hühner krakeln und scharren . « » Sie sind treu wie Gold , Fritz ; aber – « » Und das Giebelstübchen da oben – « fuhr er fort , ohne ihren Einwurf zu beachten , und zeigte mit dem Daumen nach dem Fenster , vor welchem die Vogelbauer hingen – » das ist das schönste im ganzen Hause ; ich lasse einen kleinen Ofen hineinsetzen , und da kann eine junge Dame im Sommer und Winter malen und in ihrer freien Zeit hübsches Geld verdienen . Also mit dem Bettel ist ' s noch nichts , noch lange nicht ... Nur immer den Kopf oben behalten – das ist die Hauptsache ! « » Ja , das werde ich ! « sagte sie fest und nicht ohne einen gewissen Trotz . » Es soll dem tückischen Schicksal schwer werden , mich niederzuwerfen . Noch weiß ich nicht , was Seelenmüdigkeit ist , und dazu fühle ich die Kraft der Jugend in meinen Händen ... Und ansehen soll mir ' s gewiß keiner , wenn das bißchen Selbstgefühl einmal nicht so gehorchen will , wie es soll und muß ! – Im übrigen sind Sie ja da , Fritz , meine treue Stütze ! « Sie griff nach dem Handkorb . » Nun muß ich heim – da wartet noch ein tüchtiges Stück Arbeit auf mich . Und nebenbei muß ich noch plätten – die arme Kranke soll und muß morgen frischgewaschene Bettvorhänge haben ; aber ich bin mit meinem Tannenzapfenvorrat zu Ende « – ein Lächeln huschte wie Sonnenlicht über ihr Gesicht – » und da habe ich den unverschämt großen Korb da mitgebracht . « Er lachte , nahm den Korb und zugleich das Brot vom Sims und beeilte sich , das Haus aufzuschließen . Gleich darauf kam er beladen zurück . Durch den Wald wenigstens werde er ihr die Last tragen , sagte er abwehrend , als sie danach griff ; und nun schritten sie einträchtig nebeneinander , zwei prächtige Gestalten , die zusammenpaßten . Und der Hund trabte auf der anderen Seite neben dem Mädchen , als sei sie das Eigentum seines Herrn , das sie beide eifersüchtig und schützend in ihre Mitte nehmen müßten . Herr Markus sprang aus dem Gebüsch und sah ihnen nach , starr und unverwandt , bis sie mit der Biegung des Weges verschwanden . Dann fuhr sein Blick verdüstert über das Haus ... Wie lange dauerte es noch , da hingen hübsche Vorhänge an den kahlen Fenstern und ein schönes , junges Weib sah heraus – eine lächerliche Zusammenstellung , die der feinen Welt abgelauschten Umgangsformen und das Teigkneten , das Waschen und Scheuern der zukünftigen Frau Forstwärterin ! – Aber es war trotz alledem so ! Diese beiden Menschen arbeiteten und sorgten mit vereinten Kräften für ihre verarmte Herrschaft , und aus der treuen Kameradschaft wurde schließlich der Ehebund – selbstverständlich ! ... Was wollte auch die Dienende , von weither Gewanderte im ärmlichen Arbeitskittel mehr ? Sie trat in die gesicherte Stellung der Frau , bekam ein schönes Heim im Walde und einen stattlichen Mann , der noch dazu nach Bildung und Belehrung strebte und » die Nase in naturwissenschaftliche Bücher steckte « . Dieses unbegreifliche Mädchen mit seiner beispiellosen Hingebung hatte dann die geliebten Hilfslosen im eigenen Hause . Sie bediente nach wie vor Fräulein Erzieherin und behütete ihr die letzten silbernen Löffel , auf daß kein gemeiner Blechlöffel ihre verwöhnten Lippen berühre . Und droben im schönen Giebelstübchen sollten die Feldblumensträuße gemalt werden , hatte der Forstwärter gesagt ... Zum Teufel , nein , Herr Grünrock , so weit war es noch lange nicht ! » Der Herr vom Geldsack mit seinem kurzangebundenen Offizierston « ließ sich nicht beschämen