, als auf einem Pferde zu reiten , nur vollkommen recht geben . « » Das heißt die Vorurtheile doch etwas zu weit ausdehnen , « versetzte ich auf ' s innigste ergötzt , daß sie die Sache ihres Onkels zu der ihrigen machte und seine mir bereits seit meiner Kindheit bekannte Schwäche beschönigte . » Wenn Sie so alt wären wie mein Onkel , und wie er , in den Freiheitskriegen eine Armee , oder wer weiß was commandirt hätten , wurde Ihr Urtheil anders lauten , « gab sie schnell zur Antwort , » aber sagen Sie ihm das lieber selbst , vielleicht gelingt es ihm leichter , wie mir , Sie zu überzeugen . Ich mache Sie indessen vorher darauf aufmerksam , daß er sehr leicht in Eifer geräth , « fügte sie mit einem schelmischen Lächeln hinzu . » Wenn ich Gelegenheit finde , mit ihm zusammenzutreffen , möchte ich es wirklich einmal darauf ankommen lassen . « » O , eine solche Gelegenheit wird sich bald genug bieten . Die beiden guten Alten wollen mir bis zum Mineralbrunnen entgegengehen , und wenn Sie – « » Und wenn Sie mir gestatten wollen , so lange Ihr Begleiter zu sein , « fuhr ich fort , als sie verlegen stockte , » so könnte ich vielleicht die Ehre haben , durch Sie Ihrem Herrn Onkel vorgestellt zu werden ? « » Nun – ja – und ich bezweifle nicht , daß Sie ihm sehr willkommen sein werden , zumal Sie ihm die neuesten Nachrichten über seinen lieben Gustav Wandel bringen . « » Die allerneusten Nachrichten über das Wohlbefinden des leichtsinnigen Patrons , « pflichtete ich bei , nachdem ich mich einen Augenblick abgewendet hatte , um einen drohenden Ausbruch verrätherischer Heiterkeit niederzukämpfen und meine Züge wieder in ernstere Falten zu legen . » Einen Rath muß ich Ihnen aber doch ertheilen , « fügte sie nach kurzem Sinnen zögernd hinzu , » alte Leute verdienen stets die größte Rücksicht , namentlich aber ein so tapferer Krieger und liebevoller Onkel ; ich bitte Sie daher , wenn Sie mit ihm über Herrn Wandel sprechen , nicht – ich meine – « » Ihn nicht Schlingel und leichtsinnigen Patron zu nennen ? « » Ja , das meinte ich ; ich bin überzeugt , Sie denken sich nichts Böses dabei , denn Sie nennen ihn ja Ihren Freund , allein mein Onkel kann nicht leiden , wenn man auch nur im Scherz schlecht von seinem Schützling spricht – ich denke , die Zusammenkunft wird jedenfalls eine angenehmere Färbung tragen , wenn Sie « – » Wenn ich mich befleißige , einen gewissen , seinen Vormund auf unverantwortliche Weise vernachlässigenden Gustav Wandel als einen Engel im Studentenkleide darzustellen , « unterbrach ich meine anmuthige Vertheidigerin . » Ja , aber auch darin dürfen Sie nicht zu weit gehen , denn mein Onkel ist sehr leicht zu erzürnen und weiß Ernst und Ironie genau von einander zu unterscheiden . « » Bauen Sie darauf , mein Fräulein , ich werde mich ganz in dem von Ihnen gewünschten Sinne benehmen , wenn auch nur , um Ihnen gefällig zu sein – « » O , meinetwegen nicht , « fiel das reizende Kind mir stotternd in die Rede , » nur meines Onkels und Ihrer selbst wegen ; ich kenne den Herrn Wandel ja nicht einmal . « » Dann soll er sich Ihnen in nächster Zeit vorstellen , ich werde ihn mit Vorwürfen überhäufen und ihm sagen – « » Nein , sagen Sie ihm lieber nichts , es sei denn , mein Onkel ermächtigte Sie dazu . Wenn er sich so lange nicht hat sehen lassen , ist jetzt erst recht kein Grund vorhanden , daß er sich plötzlich , durch fremde Menschen darauf aufmerksam gemacht , der Oberförsterei im Siebengebirge erinnert . « » Auch das verspreche ich Ihnen , mein Fräulein , ich verspreche Ihnen bei meiner Ehre , keine Silbe von Ihnen oder der Oberförsterei zu erwähnen . « » Meines Onkels wegen , der schon ungeduldig wird , möchte ich wohl , daß er seinen Besuch nicht zu weit hinausschöbe , « versetzte sie , offenbar nicht ganz einverstanden damit , daß ich es förmlich abgelobte , dem Erwarteten auch nur einen Wink zu geben . » Sind Sie selbst denn nicht neugierig , den leichtsinnigen Menschen kennen zu lernen ? « fragte ich darauf mit einem heimlichen Seitenblick auf die junge Reiterin , die mit bezaubernder mädchenhafter Schüchternheit zu mir herüberschaute . » Meines Onkels wegen bin ich allerdings sehr neugierig , aber auch für mich bin ich auf sein erstes Erscheinen gespannt , und ich muß es wohl sein , indem kein Tag vergebt , an welchem der Onkel oder die Tante nicht von dem Herrn Gustav sprechen . Er ist wohl sehr groß ? « » Beinah so groß , wie der Herr Oberstlieutenant . « » Ich glaube verstanden zu haben , daß Sie meinen Onkel nicht kennen ? « » Persönlich nicht « , entgegnete ich , meine Unbedachtsamkeit wieder verbessernd , » aber ich habe die beiden Herren mehrfach in den Straßen Bonn ' s neben einander gesehen . « Eine kurze Strecke legten wir jetzt auf dem stark ansteigenden Wege schweigend zurück . Der Führer trieb seinen Esel mit Worten und einzelnen wohlgemeinten Schlägen an ; meine Gefährtin betrachtete sinnend die struppige Mähne und die langen beweglichen Ohren des geduldigen Thiers , und ich weidete mich wieder an dem Anblick ihrer schlanken jungfräulichen Gestalt , die so anmuthig und geschmeidig allen Bewegungen des Reitthiers nachgab . Sie hatte mir ihr edel geschnittenes Profil zugekehrt ; die langen Wimpern ruhten über den gesenkten Augen beinah auf den rosigen Wangen , und ihre rabenschwarzen Locken , welche tief auf ihren Busen hinabfielen , verlängerten und verkürzten sich bei jedem Schritt , als hätten sie spielend ihre Federkraft versuchen und es sich gegenseitig zuvorthun wollen . Lange noch hätte ich