persönlich zu erstatten habe , und es sei doch leider Gottes noch so mancherlei zu besorgen , das zu übernehmen sie ihn bitten müsse . Er stand auf , zog die Uniform in die Taille und ging , das zerknüllte Papier blieb auf dem Fußboden liegen . Hedwig von Kerkow hob es auf und glättete es mechanisch – eine Verlobungsanzeige , und unten in der Ecke von Mädchenhand zierlich gekritzelt . „ Lieber Heinz ! Sie sind mir zuvorgekommen , ich wollte Sie überraschen , nun waren Sie doch eiliger als ich . Ich gratuliere Ihnen hiermit herzlichst und wünsche , daß Sie ebenso glücklich sind im Besitz Ihrer lieben Braut wie ich in dem meines Bräutigams . Mit schönem Gruß Ihre alte Freundin Aenne . “ Hedwig Kerkow dachte ein Weilchen nach – sie hatte nie etwas von einem Wesen gehört , das Aenne hieß . – Sie ließ das Papier achtlos liegen und griff zum Taschentuch , um die wieder aufquellenden Thränen zu trocknen . Dann kam Heinz zurück , und die Geschwister saßen beisammen in der dämmerigen Stube . Hin und wieder redeten sie [ 055 ] ein paar kurze Worte von der Verstorbenen und von der unglücklichen Schwester , und ob diese in ihrem Zustand wohl die Nachricht zu begreifen vermöge . Und wieder ward es still . Endlich sagte Hedwig . „ Gottlob – Heinz , daß die Mutter deine Verlobung noch erfahren hat , es war der letzte Lichtstrahl für sie ! “ Er nickte . „ Wird Toni zum Begräbnis kommen , Heinz ? “ „ Ich weiß nicht . – ich hoffe es nicht . “ „ Du hoffst es nicht ? “ „ Ich meine , ich glaube es nicht , sie ist noch im Dienst und – “ „ Aber zum Begräbnis wird Durchlaucht sie doch ohne weiteres beurlauben ? “ „ Ja , aber ob sie noch rechtzeitig hier sein kann – “ „ Hast du ihr denn nicht telegraphiert ? “ „ Nein ! “ „ Aber warum denn nicht ? “ Er blieb die Antwort schuldig , und dann kam die Totenfrau . Er konnte seine Braut hier nicht sehen , er wollte nicht – nur wenigstens hier nicht Komödie spielen , im Angesicht des Todes ! Toni hatte übrigens gar nicht daran gedacht , zu kommen . Sie schickte einen Kranz aus Palmen , weißen Rosen und Frauenhaar , vermeldete , daß die Herzogin warmen Anteil nehme und daß Tante Gruber ihr erzählt habe , wie liebenswürdig und gut die Verstorbene gewesen und wie schade es sei , daß sie dieselbe nicht noch kennengelernt habe . Dann ein Grnß an die Schwester . Heinz hatte gedacht , der Brief würde etwas darüber enthalten , daß Hedwig dereinst eine Zufluchtsstätte in seinem Hause finden sollte , er hätte so gern dem armen Mädel diesen Hoffnungsstrahl für die Zukunft bei der Rückkehr vom Kirchhofe in das öde verlassene Zimmer gebracht – aber nichts davon ! Und das als Antwort auf den Brief , in dem er Hedwigs Lage geschildert – – – “ „ Was meinst du , Heinz , fragte am Abend die Schwester , „ kann ich es wagen , die Wohnung zu behalten bei meinen unsicheren Einnahmen ? Wenn ich gesund bleibe und alle meine Schülerinnen behalte , so dürfte es vielleicht langen , um die lieben Räume nicht verlassen zu müssen . – Es würde mir so schrecklich schwer werden , hier hinauszugehen , Heinz , “ fügte sie wie entschuldigend hinzu und sah ihn an mit den vom Weinen rotgeränderten bittenden Augen , als erwartete sie eine Aufmunterung von ihm . „ Freilich , Hede , “ antwortete er , „ auf alle Fälle und selbst , wenn dir eine Schülerin absagt oder Krankheit dich hindert ! Aengstige dich nur nicht , ich werde schon sorgen – auch für Ottilie – plage dich darum nicht – “ „ Ach , Heinz , wenn ich dich nicht hätte ! “ Sie ging hinüber zu ihm , legte den Kopf an seine Wange und begann wieder leise zu schluchzen . „ Kind , du nimmst es zu schwer . Tausend Mädel haben noch weniger als du , nicht einmal ein Talent , wie es dir so nett weiter hilft – denk ’ mal , wenn du nun nicht maltest , wenn du , wie Ottilie , unter fremden – – “ „ Wir sind aber auch gar nicht erzogen , um dergleichen schwierige Lage so mir nichts dir nichts zu überwinden ! “ stieß sie hervor . „ So herausgerissen aus dem glänzenden Leben , bei Papas Tode dann nichts haben , gar nichts ! Ja freilich – ein Justizrat mit glänzender Praxis kann leben wie ein Fürst , und wenn er dann fort muß und hat nichts gespart – – “ „ Hedwig , weine nicht ! Wir haben kein Recht , dem Toten Vorwürfe zu machen , und , nebenbei , es hülfe ja auch nichts . “ „ Ich will ja nichts mehr sagen , Heinz , nur leid thut es mir , daß Mama nicht noch dein Glück erleben konnte . – – Hattet ihr schon von der Hochzeit gesprochen ? “ „ Ja ! “ antwortete er kurz . „ Und wann sollte – – ? “ „ Weihnachten . “ „ Auch jetzt noch ? “ „ Ja – ja – ich glaube , Toni will es auf jeden Fall . “ „ Ich finde es auch richtig , Heinz , und Mama würde es ebenfalls wünschen , daß die Trauer um sie nicht zwischen euch trete . Ihr lebt zudem recht still für euch in dem kleinen Breitenfels . “ „ Wir werden zunächst reisen , nach Tonis Wunsch . “ „ Ach ! “ Sie sah ihn an mit stiller Bewunderung . „ Wie herrlich ! “ – Welch ein Glück hatte der Heinz ! O , wer auch einmal an eine Reise hätte denken dürfen gar