ganz unruhig und machte ein paar Sätze . » Jesus ! « schrie Kathrin . » Das Tier wird noch mit dir durchgehen und du brichst den Hals – komm herunter ! « » Wenn du meine hübsche Zuleika halten willst – gern « , sagte ich , » sie ist lammfromm und beißt nicht . « Kathrin erwiderte nichts , sie sah stier nach den gegenüberliegenden Fenstern des Pastors Renner , wurde plötzlich dunkelrot und machte eine Handbewegung , indem sie mit den Schultern zuckte , als wolle sie sagen : » Ich bin unschuldig daran , daß sie so verdreht ist « , dann verschwand sie . Ich wandte mein Pferd – da stand am offenen Fenster die Frau Gerichtsschreiberin mit ängstlichem Gesicht , und der junge Pfarrer trat eben auch hinzu und lächelte sehr ironisch , ganz wie damals . Ich war aber heute zu übermütig , um mich davon einschüchtern zu lassen , winkte ziemlich herablassend mit der Reitpeitsche und sagte : » Kathrin erklärt , sie fürchtet sich vor dem Tier , und ich habe niemand , der es mir halten kann – ich wollte gern zu meinem Vater hinaufgehen « , setzte ich erläuternd hinzu . Es lag eine leise Aufforderung an die Galanterie des jungen Geistlichen darin , aber er rührte sich nicht . Er erwiderte nur meinen Gruß und meinte : » Ich glaube , es ist besser , Sie reiten nach dem Schlosse und kommen zu Fuß hierher zurück . Mir geht es wie Kathrin , ich fürchte mich auch vor – Damenpferden . « Dann machte er eine Verbeugung und verschwand vom Fenster . Eine unangenehme Zugabe , dachte ich , dieser junge Pastor mit seiner beißenden Ironie . Dann fiel mir etwas ein : ich warf mein Pferd herum , ritt nach dem Schlosse und ließ den kleinen Jockei aufsitzen , der uns sonst immer begleiten mußte , und kam nun , von diesem gefolgt , bald wieder vor meines Vaters Hause an , sprang , von dem Diener unterstützt , leicht vom Pferde , warf ihm die Zügel zu und befahl ihm , die Tiere langsam auf und ab zu führen . Dann ging ich hinauf zu meinem Vater . » Guten Tag , Gretchen ! Kommst du auch einmal , nach mir zu sehen ? Wie geht es dir , und was war vorhin unten für ein Wortwechsel ? Die Kathrin warf wieder einmal alle Türen zu , daß das Haus dröhnte . Gott weiß , was die Alte wieder hat « , sagte mein Vater . » Du kommst jetzt so selten , Kind ; ich habe dir etwas mitzuteilen , und es ist gut , daß du heute endlich da bist . Komm , setze dich . « Er winkte nach dem Sofa , drehte sich halb in seinem Sessel herum , schob die Brille auf die Stirn , und nach ein paar langen Zügen aus der Pfeife , fuhr er fort : » Nicht wahr , Kind , du kannst doch noch einige Zeit auf dem Schlosse bleiben ? « » Ja , lieber Vater , ich denke wohl , man behält mich dort noch gern . « » So , und wenn das nicht wäre , so hat mir Frau Gerichtsschreiberin Renner drüben angeboten , dich bei sich aufzunehmen , und – « » Warum ? « rief ich hastig . » Wie kommst du darauf ? « » Ich will reisen , mein Kind , ich will , da ich noch so wenig gesehen habe , die Museen der größeren Städte besuchen . Ich werde längere Zeit abwesend sein und möchte dich natürlich unter bestem Schutz wissen . « » Du kannst ruhig reisen , lieber Vater « , versicherte ich , » ich bleibe selbstverständlich auf Bendeleben . Ich weiß nicht , wie dir der Gedanke kommt , daß ich von dort fort müsse . « » Du hast recht , Kind , es ist auch ein komischer Gedanke , aber wie so etwas manchmal plötzlich kommt ! Man will doch für alle Fälle gesorgt haben , wenn man eine so lange Reise vor sich hat . Es könnte ja sein , die Hanna bliebe nun in Wien bei der Tante , oder die ganze Familie ginge längere Zeit auf Reisen – für diesen Fall findest du drüben jederzeit freundliche Aufnahme . « » Nie gehe ich dorthin , lieber hause ich hier ganz allein mit Kathrin ! « rief ich , und die Tränen schossen mir in die Augen . » Der junge Pastor drüben kann mich nicht leiden und seine Mutter schlägt die Hände über dem Kopf zusammen , weil ich reite . Ist es denn überhaupt eine Sünde , auf dem Pferde zu sitzen ? Kathrin schilt und sagt , ich solle nicht hierherreiten , sie schämt sich meiner . Mein Gott , tue ich denn etwas Böses ? « Ich brach in Tränen aus . Mein Vater wollte mich trösten , war aber dabei so ungeschickt , daß er gar nicht wußte , wie er es anfangen sollte . Er stellte , offenbar peinlich berührt , seine Pfeife in die Ecke und kam zu mir . » Weine nicht , Kind , die Kathrin ist wunderlich . Etwas Böses ist es ja gerade nicht , sie meint nur , du seiest keine vornehme Dame , und deshalb schicke es sich nicht für dich . Du darfst ihr das nicht übelnehmen , sie meint es schließlich doch nur gut . Sieh , verbittere mir den Abschied nicht , ich möchte dich gern heiter hier zurücklassen . « Er streichelte mir dabei liebkosend die Wangen , so daß ich , von dieser ungewohnten Zärtlichkeit gerührt , meinen Arm um seinen Hals schlang und unter Schluchzen fragte : » Willst du denn schon so bald fort ? Warum sagst du mir es heute erst ? « » Weil ich nicht gern lange vorher von etwas spreche . Übermorgen denke ich