gerührt , ergriff Partei für sie , hielt um ihre Hand an , was dem Vater wie der ganzen Familie nur gelegen kam , und heiratete sie , nachdem er seinen Auswanderungsplan aufgegeben hatte . Bald danach , um Martini herum , übersiedelten beide hierher , nach Tschechin , und schon am ersten Adventssonntage kam die junge Frau zu mir und sagte , daß sie sich zur Landeskirche halten und evangelisch getraut sein wolle . Was denn auch geschah und damals ( es geht jetzt ins zehnte Jahr ) einen großen Eindruck auf die Bauern machte . Daß der kleine Gott mit dem Bogen und Pfeil in dem Leben beider eine Rolle gespielt hat , ist mir unzweifelhaft , ebenso daß beide seinen Versuchungen unterlegen sind . Auch sonst noch , wie nicht bestritten werden soll , bleiben einige dunkle Punkte , trotzdem es an anscheinend offenen Bekenntnissen nie gefehlt hat . Aber wie dem auch sein möge , mir liegt es pflichtmäßig ob , zu bezeugen , daß es wohlanständige Leute sind , die , solang ich sie kenne , sich gut gehalten und allzeit in einer christlichen Ehe gelebt haben . Einzelnes , was ihm , nach der entgegengesetzten Seite hin , vor längrer oder kürzrer Zeit nachgesagt wurde , mag auf sich beruhn , um so mehr , als mir Sittenstolz und Tugendrichterei von Grund aus verhaßt sind . Die Frau hat meine besondere Sympathie . Daß sie den alten Aberglauben abgeschworen , hat sie mir , wie Du begreifen wirst , von Anfang an lieb und wert gemacht . « Die Wirkung dieses Ecceliusschen Briefes war , daß das Küstriner Gericht die Sache vorläufig fallenließ ; als demselben aber zur Kenntnis kam , » daß Nachtwächter Mewissen , nach neuerdings vor Schulze Woytasch gemachten Aussagen , an jenem Tage , wo das Unglück sich ereignete , so zwischen fünf und sechs ( um die Zeit also , wo das Wetter am tollsten gewesen ) die Frau Hradscheck zwischen den Pappeln an der Mühle gesehn haben wollte , ganz so , wie wenn sie halb verbiestert vom Damm her käme « da waren die Verdachtsgründe gegen Hradscheck und seine Frau doch wieder so gewachsen , daß das Gericht einzuschreiten beschloß . Aber freilich auch jetzt noch unter Vermeidung jedes Eklats , weshalb Vowinkel an Eccelius , dem er ohnehin noch einen Dankesbrief schuldete , die folgenden Zeilen richtete : » Habe Dank , lieber Bruder , für Deinen ausführlichen Brief vom 7. d. M. , dem ich , soweit er ein Urteil abgibt , in meinem Herzen zustimme . Hradscheck ist ein durchaus netter Kerl , weit über seinen Stand hinaus , und Du wirst Dich entsinnen , daß er letzten Winter sogar in Vorschlag war , und zwar auf meinen speziellen Antrag . Das alles steht fest . Aber zu meinem Bedauern will die Geschichte mit dem Polen nicht aus der Welt , ja , die Verdachtsgründe haben sich gemehrt , seit neuerdings auch euer Mewissen gesprochen hat . Andrerseits freilich ist immer noch zu wenig Substanz da , um ohne weiteres eine Verhaftung eintreten zu lassen , weshalb ich vorhabe , die Hradscheckschen Dienstleute , die doch schließlich alles am besten wissen müssen , zu vernehmen und von ihrer Aussage mein weiteres Tun oder Nichttun abhängig zu machen . Unter allen Umständen aber wollen wir alles , was Aufsehn machen könnte , nach Möglichkeit vermeiden . Ich treffe morgen gegen 2 in Tschechin ein , fahre gleich bei Dir vor und bitte Dich , Sorge zu tragen , daß ich den Knecht Jakob samt den beiden andern Personen , deren Namen ich vergessen , in Deinem Hause vorfinde . « So des Justizrats Brief . Er selbst hielt zu festgesetzter Zeit vor dem Pfarrhaus und trat in den Flur , auf dem die drei vorgeforderten Dienstleute schon standen . Vowinkel grüßte sie , sprach , in der Absicht , ihnen Mut zu machen , ein paar freundliche Worte zu jedem und ging dann , nachdem er sich aus seinem Mantel herausgewickelt , auf Eccelius ' Studierstube zu , darin nicht nur der große schwarze Kachelofen , sondern auch der wohlarrangierte Kaffeetisch jeden Eintretenden überaus anheimelnd berühren mußte . Dies war denn auch bei Vowinkel der Fall . Er wies lachend darauf hin und sagte : » Vortrefflich , Freund . Höchst einladend . Aber ich denke , wir lassen das bis nachher . Erst das Geschäftliche . Das beste wird sein , du stellst die Fragen und ich begnüge mich mit der Beisitzer-Rolle . Sie werden dir unbefangner antworten als mir . « Dabei nahm er in einem neben dem Ofen stehenden hohen Lehnstuhle Platz , während Eccelius , auf den Flur hinaus , nach Ede rief und sich ' s nun erst , nach Erledigung aller Präliminarien , an seinem mächtigen Schreibtische bequem machte , dessen großes , zwischen einem Sand- und einem Tintenfaß stehendes Alabasterkreuz ihn von hinten her überragte . Der Gerufene war inzwischen eingetreten und blieb an der Tür stehn . Er hatte sichtlich sein Bestes getan , um einen manierlichen Menschen aus sich zu machen , aber nur mit schwachem Erfolg . Sein brandrotes Haar lag großenteils blank an den Schläfen , während ihm das wenige , was ihm sonst noch verblieben war , nach Art einer Spitzflamme zu Häupten stand . Am schlimmsten aber waren seine winterlichen Hände , die , wie eine Welt für sich , aus dem überall zu kurz gewordenen Einsegnungsrock hervorsahen . » Ede « , sagte der Pastor freundlich , » du sollst über Hradscheck und den Polen aussagen , was du weißt . « Der Junge schwieg und zitterte . » Warum sagst du nichts ? warum zitterst du ? « » Ick jrul mi so . « » Vor wem ? Vor uns ? « Ede schüttelte mit dem Kopf . » Nun , vor wem denn ? « » Vor Hradschecken ... « Eccelius , der alles zu Gunsten der Hradschecks