du brauchst bei so einer Kält den weiten Weg heut nimmer heimfahren ! « Am Tisch ein heiteres Gelächter . Sogar die blonde Magd , obwohl sie zitterte vor barmherziger Sorge , mußte schmunzeln . » An die tausend Leut sind um das Rappenholz hergestanden . Und auf den Herzog Heinrich hat ein kostbar Zelt mit einem Glutpfändl gewartet , daß der hohe Herr bei der schönen Lustbarkeit nit frieren müßt . Das Glöckl hat geläutet , und der Herzog , ein kleines , braunes , flinkes Manndl , ist dahergeritten mit stolzem Gefolge . Also , Freimann , sag ich , fangen wir an in Gottesnamen , fürnehme Herren därf man nit warten lassen . Der Weg zum Schragen hinauf ist ganz vereist gewesen . Und da tut der Freimann einen Rutsch . Du , sag ich , das bedeutet nichts Gutes , heut wirst noch eine Dummheit machen ! Und richtig ! Wie der Freimann auf dem Spreißel hockt und kletzelt mir den Hänfenen um das kitzlige Zäpfl , da tut die Leiter jählings auf dem hauen Eis einen Fahrer . Hoppla ! schreit der Freimann und will sich halten an mir . Aber für so ein schweres Paarl ist der Hänfene nit berechnet gewesen . Und ist gerissen . Und derweil der Freimann einen Purzelbaum über den Schragen macht , bin ich auf dem schönen Glatteis schlittengefahren bis vor das warme Glutpfändl des Herzogs hin . Der schaut , ich weiß nit wie . Und fragt mich : Nüremberger , woher so flink ? Ich sag : Gradaus vom Himmel her . Und einen schönen Gruß vom heiligen Petrus bring ich . Der Herzog macht ein paar Augen , als wüßt er nit , ob er lachen oder sich ärgern soll . Und sagt : Warum bist du , wenn du schon vor des Himmels Tor gestanden , nit auch hineingegangen ? Ich sag : So hab ich tun wollen , gnädigster Herr ! Aber der Petrus hat mich nit durch die himmlische Maut gelassen . Und hat befohlen : Kehr um , ich darf dich nit allein in den Himmel lassen , es ist so fürgesetzt im Buch der Ewigkeit , daß du selbander kommen mußt mit dem Herzog Heinrich von Laridshut . « Malimmes mußte warten , bis sich der lustige Aufruhr am Tisch ein bißchen legte . » Ich sag ' s. Und der Herzog verfärbt sich ein lützel , schmunzelt aber gleich und ruft : Der Mann soll leben ! Hütet seine Gesundheit und gebt ihm sicheres Geleit bis Nüremberg ! Und wie ich mit dem Freimann wieder heimgefahren bin nach Landshut , schauet , da hat mich , weil ich so lang mit meiner dünnen Hos auf dem kalten Eis gesessen bin , halt auch ein lützel gefroren . Und ich sag zum Freimann : Gelt , da siehst du ' s , man soll den Tag nit vor dem Abend loben , schau , jetzt geht ' s mir auch nit besser als dir ! « Am Tische ging ein Spektakel los , so laut , daß man das einzelne Wort nicht mehr verstand . In heiterem Aufruhr schrien sie alle durcheinander und fingen darüber zu streiten an , ob der Herzog Heinrich von Landshuf einen abergläubischen Schreck verspürt oder den Galgenspaß mit einem barmherzigen Herrenscherz erwidert hätte . Während dieses Streites schlich sich die blonde Magd mit heißem Gesicht zu Malimmes hin , schlang ihm plötzlich den Arm um den Hals und flüsterte ihm ins Ohr : » Magst mich haben ? « Er lachte , küßte sie schnell auf die glühende Wange , gab ihr einen Schlag auf die runde Seite und sagte : » Dummes Gänsl , du ! Aber ein richtiges Weibl bist ! Lauft der Tod einem Mannsbild nach , so rennt dem Tod noch allweil ein Weibl voraus , das flinker ist . « Der Knecht des Runotter war in die Stube getreten . Marimpfel sprang auf und schrie : » Wo ist dein Bauer ? Warum kommt er nit ? « » Mein Bauer laßt dir sagen , er wartet noch , bis ich heimkomm . Dann muß er wieder zur Arbeit ins Holz . « Gleich nach dem letzten Wort machte der Knecht sich wieder davon . Dem Gadnischen Hofmann schwoll der Kamm . » Wart , Bauer ! Dir sag ich ein Wörtl ! « Da faßte Malimmes den Arm des Bruders und mahnte freundlich : » Tu dich besinnen ! Sei gescheit ! « » So gescheit wie du bist , bin ich schon lang gewesen . « Marimpfel befreite seine Faust , stieß ein paar der lustig Streitenden aus seinem Weg und verließ die Leutstube . Draußen fluchte er wie ein Bauer bei der Fron . Und als er im Sattel saß , bekam der Gaul so grob die Sporen , daß er ein paar rasende Sätze machte . Zugleich mit dem jungen Knecht erreichte Marimpfel das Hagtor des Runotterhofes . Ein weites , sauber gehaltenes Gehöft . Wie ein viereckiger Hügel lag der von Geflecht umhürdete Düngerhaufen vor den zwei niederen Stallgebäuden , in denen es stille war . Eine große Scheune . Und daneben das Wohnhaus , ein schwerer Holzbau , fest und klobig , grau vor Alter . Weiße Tauben gurrten auf dem steilen Dach , das halb die Sonne hatte und halb im Schatten von drei alten , mächtigen Ulmen träumte . Hinter den Bäumen lag ein Gärtchen mit blühenden Blumen . Außer dem jungen Knecht , der mit dem Reiter gekommen war und gegen die Ställe ging , war niemand zu sehen . » Bauer ! « schrie Marimpfel und hatte mit dem ungebärdigen Gaul zu schaffen . Keine Antwort ließ sich hören , niemand kam . » Gotts Teufel und Bohnenstroh ! Was ist denn ? Bauer ! Bauer ! « Da rief der Knecht von den Ställen her : » Der Bauer ist im Haus . Wirst wohl hinein müssen . « Marimpfel