in die Gemeindeställe gewiesen , bis es auseinandergeht mit der Verlassenschaft . Er hat mirs zu wissen gemacht und fragt , wo die Waldhäuslerin eingegraben ist . « » In Gottes Erdboden « , erwiderte ich und lief hinauf , alles dem Mädchen zu berichten ; doch sie hatte ihre Tür schon verriegelt und gab mir auch auf mein Rufen und Pochen keinen Bescheid , so daß ich endlich ging , drunten » Gut Nacht « wünschte und hierauf die Kammer des Ambros aufsuchte und mich zu Bett legte . Mitten in der Nacht , als ich endlich nach langem Denken , Betrachten und Sinnen eingeschlafen war , fuhr ich plötzlich empor . Unter meinem Kammerfenster wurde eine Leiter angelegt , ich hörte jemand keuchend emporsteigen , und im nächsten Augenblick erschien im Rahmen des geöffneten Fensters die Gestalt des langen Ambros . Er hielt sich einen Augenblick ganz still , horchte und schwang sich dann rasch in die Kammer herein . Ich gab keinen Laut von mir und hielt beide Fäuste an die Brust gepreßt , um mein heftiges Herzklopfen zu beruhigen , während ich daran dachte , was ich täte , wenn er mir abermals übel wollte . Aber er schaute gar nicht auf das Bett ; mit größter Hast schloß er eine kleine Truhe auf , warf eine Menge silberklirrender Münzen hinein und verschloß sie darnach wieder sorgfältig . Darauf nahm er die Truhe auf die Schulter und wollte sie nun durchs Fenster forttragen ; doch brachte er sie nicht durch den Rahmen und fluchte derowegen ganz wütend . Indem er sich vergebens abmühte , kam mir ein Gedanke ; ich tat plötzlich einen gellenden Pfiff , sprang aus dem Bett und lief aus der Kammer , laut rufend : » Ein Dieb , ein Dieb ! « Als gleich darauf der Weidhofer mit einem Kienspan aus seiner Kammer lief und mir in die des Ambros folgte , lag die Truhe auf dem Boden , die Leiter aber und der Bursch waren verschwunden . Da schloß der Vater das Fenster und meinte : » Nachlaufen hat keinen Wert ; der ist jetzt doch schon Gott weiß , wo . Aber wissen möcht ich doch , wer es war . « Ich sagte : » Der Ambros selber war ' s « und berichtete , was ich gesehen , worauf der Vater erwiderte : » Dem komm ich schon drauf , was er hätt wollen , wenn er ' s war ; und die Truch trag ich derweil zu mir . « Damit hob er sie auf und ging , sie unter dem Arm haltend , wieder schlafen . Am anderen Morgen schickte er sogleich einen Knecht auf die Alm mit dem Befehl , daß er den Ambros vor ihn bringe . Dies geschah , und ich stand dabei , als der Hausl mit ihm eintrat . Kaum hatte mich der Böswicht erblickt , als er auch schon weiß wie der Kalk an den Wänden wurde ; seine Augen weiteten sich und sahen unstät und angstvoll von einem zum andern . Da trat der Vater herzu und sagte : » Wo ist der Schlüssel zu deiner Truch ? « » Droben in der Kammer « , erwiderte der Bursch stockend und sah wieder ängstlich nach mir , so daß der Vater unwillig fragte : » Was scheust dich denn vor dem Buben so ? Hat er dir leicht was getan , heut nacht ? « Da kam eine furchtbare Bewegung über mich ; bebend trat ich vor den langen Ambros hin und schrie ihm ins Gesicht : » Hast ' s wohl nicht gehofft , daß ich noch laut bin - daß ich noch einmal abrechnen könnt mit dir , du Mordbub ! « Wie ein Hieb war mir das Wort entfahren - wie ein Hieb traf es alle , am ärgsten aber den , welchen es anging . Der bleiche Schelm wankte und mußte sich anlehnen , um nicht zusammenzufallen ; aber seine bläulichen Lippen murmelten : » Was bin ich ? - Willst das zrucknehmen , du ... « » Zrucknehmen ! « schrie ich da in höchster Wut ; » zrucknehmen soll ich was ! - Draufhelfen tu ich dir lieber , wann du ' s nimmer weißt : Droben am Bergrinnl , beim Weidhofer seiner Alm hat einer einen hinunter ... jawohl ... z ' erst ' n Räuber gmacht , darnach ' n Mörder ! « - Ich streckte den Finger nach ihm aus , und ein hartes Weinen schüttelte mich , indem ich mich an die Umstehenden wandte : » Der war ' s ; meine Red ist wahr . Laßt ' s die Kathrein von der Irscherin reden ! « Heiser brüllte der Bursch und beteuerte seine Unschuld und wand sich doch vor Ängsten ; da trat die Jungfer , welche schon eine Weile im Flöz gestanden war , herzu , ganz bleich , und sagte mit bebendem Mund : » Es ist wahr , er lügt nicht . « Und sie berichtete allen , wie die Irscherin mich in der Bergrinne beim Wasserfall gefunden hätte , wie ich in meinem Fieber mit dem Burschen gerungen und dabei den Namen Ambros gerufen hätte , und er solle mich doch schonen und mir mein Sach wiedergeben ... Sie gab also allen Zeugnis von der Übeltat des Schelmen , so daß dieser nicht mehr vermochte , eine Ausred oder Widerrede zu finden , vielmehr als ein feiger und furchtsamer Böswicht plötzlich sich aufrichtete und , derweil wir alle auf die Jungfer hörten , einen Sprung nach der offenen Haustür tat und verschwand , obgleich ihm der Vater und der Knecht auf dem Fuße folgten . Am End sagte der Vater , man solle ihn nur derweil laufen lassen , der käme schon von selber noch dahin , wohin er gehöre . Darauf ging man ins Haus , sprengte die Truhe und fand darin nicht nur meine Groschen vor , sondern auch noch einen