gut leiden . « » Oh , ich auch « , erwiderte Sendt , » und ich wollte ihn gerade in einer poetischen Anwandlung mit einem Schmetterling - nein , falsch - mit einer Biene vergleichen , die aus allen Blumen den Honig herauszufinden weiß und das Gift wohlweislich darin läßt . Für jemanden , der sich hier in und zwischen den verschiedenen Kreisen bewegt , ist das eine sehr glückliche Eigenschaft . Was ? Immer noch eine Frage , lieber Dame ? Aber es sei die letzte , die ich als vielgeplagter Philosoph Ihnen heute noch beantworte - die Uhr ist zwei . « » Ja , sicher die letzte - was nun diese vielgenannten Kreise voneinander unterscheidet , und was ihnen gemeinsam ist , das möchte ich gerne noch wissen . « » Leicht gefragt - und nicht so leicht zu beantworten . Sie werden es mit der Zeit schon selbst herausfühlen . Ich kann es Ihnen zu dieser vorgerückten Stunde nur noch flüchtig andeuten . Etwa so : alle die sogenannten mystischen Entdeckungen , die Substanzangelegenheiten , kosmischen Dinge und so weiter sind in erster Linie Sache des Hallwig-Delius-Kreises , und der Hofmannsche partizipiert daran - man kann es eben auch und findet es fabelhaft , tut auch noch allerlei Beiwerk dazu , das bei den anderen nicht immer Anklang findet . Und die Hauptdifferenz könnte man etwa so formulieren : dort bei Hallwig und Delius sucht man die alten Götter und alten Kulte wiederzufinden - hier , nämlich bei Hofmanns , braucht man keine alten Götter , denn man hat einen neuen , der allen Ansprüchen genügt , Mirobuk ! - und jetzt ... « » Gehen wir nach Hause « , sagte Maria , die schon ganz teilnahmslos dasaß . » Ob wir wohl noch ein Auto finden ? « » Und wo gedenken Sie heute zu schlafen ? « fragte der Philosoph besorgt , » Ihre Wohnung liegt ja wohl am Ende der Welt . « » O nein , ich gehe ins Eckhaus ... « Sendt sah sie prüfend an und sagte noch einmal Mirobuk , aber in etwas anderer Tonart . Nachtrag : Etwas Wichtiges habe ich vergessen - der Philosoph sagte mir , daß alle diese Dinge in Wahnmoching eigentlich als Geheimnis behandelt werden . Deshalb wende man wohl auch die vielen merkwürdigen Ausdrücke an , die eben nicht jeder versteht . 8 7. Februar Am späteren Nachmittag im Eckhaus . Unten im Hof spielt das Kind , das ich hier schon neulich gesehen habe . Susanna empfängt mich wieder in der großen Küche . Was ich inzwischen gemacht habe ? » Nun - versucht , mir über verschiedene Eindrücke klarzuwerden , und mich mit dem Philosophen unterhalten . « » Jetzt im Karneval ? « sie schüttelt den Kopf , » warum sind Sie nicht lieber mit uns zur Redoute gegangen , und heute ist draußen auf dem Lande ein Fest , man fährt mit Schlitten hinaus . « Sie seufzt etwas - Orlonsky erscheint - schon wieder im Henkerkostüm - oder hat er es inzwischen gar nicht abgelegt - er fragt nach Willy : » In seinem Zimmer - er liest Maria Märchen vor . « Wir gehen hinüber , Konstantin , der Sonnenknabe , ist auch da . Maria liegt matt auf dem Diwan , sie sind alle schon im Kostüm für heute abend , alle etwas bleich und übernächtig , und Willy liest ihnen ein Gedicht aus des Knaben Wunderhorn vor : Maria , wo bist du zur Stunde gewesen ? Maria , mein einziges Kind ? - Ich bin bei meiner Großmutter gewesen , Ach weh , Frau Mutter , wie weh ! Ich kannte das Gedicht - die Großmutter hat ihr Schlangen zu essen gegeben , und sie stirbt daran . » Pfui , warum lesen Sie ihr das vor ? « sagte Konstantin vorwurfsvoll . » Weil es so auf sie paßt ? « » Auf mich ? « fragte Maria ganz abwesend , und alle lachen . Sie scheint gar nicht zu wissen , wovon die Rede ist . » Und das schwarzbraune Hündlein , das auch von den Schlangen frißt und in tausend Stücke zerspringt - das werden Sie wohl sein , Konstantin « , meinte Willy etwas unliebenswürdig . Konstantin lächelte nur , er ist wirklich ein hübscher Kerl , und ich begreife , daß die Mädchen hinter ihm her sind . Dann Orlonsky : » Katerunterhaltung ist das ... « , er versorgt uns mit schwarzem Kaffee , und sein eisernes Schuppenhemd klirrt , wenn er sich bewegt , » bleiben Sie bei uns , Maria , wir geben Ihnen nicht Schlangen zu essen , bis Sie kaputt sind . « » Nein , bei Euch ist es zu friedlich - ich muß wohl immer etwas haben , was mich zugrunde richtet . Und ich kann ja doch nicht los von ihm ... « » Aber er denkt nicht daran , dich zugrunde zu richten « , sagt Konstantin . » Nein , er nicht - aber ich muß immer gerade das tun , was er nicht leiden kann , er haßt den Karneval und sagt , es sei ein unechter Rausch . Aber für mich ist es ein wirklicher - ich bin nur glücklich , wenn jeden Abend ein Fest ist . Und jetzt will er aufs Land gehen , weil er das nicht mehr mitansehen kann , es wäre lebensfeindlich , sich so zuzurichten wie ich ! Also was soll ich tun ? - was meinen Sie dazu , Monsieur Dame ? « » Was soll ich meinen ? - ich tue immer nur das , wozu ich verurteilt werde . « » Sie Glücklicher - weißt du , Susanna « , sie denkt nach , » ich will doch lieber zu euch ziehen . « » Und Konstantin ? « » Oh , Platz genug « , sagte Orlonsky , und es folgte eine Art häuslicher Beratung