veelen Dank , dat ji mi rutholpen hebbt . Auch vom Deich und von den Schallen rief es jetzt Hurra . Die Fahrensleute gingen in froher Stimmung , ehrlich erfreut über ihren Erfolg , gruppenweise über das Eis nach dem Deich zurück und sprachen und taten von der Fahrt , denn jetzt war der Weg nach der See frei geworden : was dem Einzelnen noch übrig blieb , die kleine Rinne von seinem Ewer nach dem großen Priel , war Sache eines Tages und ließ sich leicht beschicken . Die Schollenzeit war angebrochen für die Schollengreifer vom Neß : Hurra , hurra , hurra ! Auf H.F. 125 aber , dem Ewer » Laertes « , ließen sie den Draggen zu Wasser , schossen die Leinen auf , reinigten das Deck , hängten die Laterne an das Fockstag und kletterten dann in das Boot , um den Bärenhunger zu vertreiben , der alle befallen hatte . Störtebeker saß auf der Euschenducht und quälte sich mit drei Dingen ab : daß der verdrehte Kerl von Schuster ihm die Stiefel noch nicht gemacht hatte , daß sein Vater morgen fahren wollte und ihn nicht mitnahm , und daß sein grüner Kahn noch im Neßgraben festsaß und er noch nicht schippern konnte . » Du hest dat een beten god , Seemann « , sagte er aus diesen Gedanken heraus und streichelte den Hund , der auch keine Kniestiefel hatte und noch viel kleiner als er war und doch immer mit nach See durfte . Seemann aber hielt die Nase hoch , denn vom Deich kam ein Geruch wie von gebratenen Klößen mit dem Abendwind herübergeweht . Klaus Mewes lachte und wriggte schneller , denn er roch hinter den Klößen schon die See und grüßte Helgoland . Vierter Stremel . 1887 schreiben wir , und die Hochseefischerei unter Segeln steht in Sommerblüte . Finkenwärder hat seinen Gipfel erreicht und ist Baas auf See . 300 Ewer und Kutter nennt die Elbe ihr eigen , von denen 187 zu Finkenwärder beheimatet sind und ein H.F. auf den braunen Segeln tragen , 83 reedern mit S.B. und griesen Segeln nach Blankenese , der Rest gehört dem lüneburgischen Finkenwerder , dem Cranz , dem Mühlenberg und der Teufelsbrücke . Die das Land mit Fischen versorgen , sind die Mewes und Külper von Finkenwärder und die Breckwoldt und von Appen von Blankenese : sie liefern Hamburg und Bremen , Oldenburg und Glückstadt , Geestemünde und Tönning ihre Schollen und Zungen und fangen wintertags so viele Heringe , daß halb Holstein und Hannover damit gedüngt werden können , sie sind die Könige der Nordsee , die man in Dänemark so gut wie in Holland und England kennt , denn es macht ihnen nichts aus , bei Südwind einmal nach Esbjerg zu segeln oder bei Nordwind nach Ijmuiden oder bei Ostwind nach London . Wohl haben sie auf der Weser schon einen Fischdampfer , die kleine Sagitta , aber unsere Fahrensleute lachen noch über den Smeukewer , wenn sie ihm begegnen , wohl sind schon die Zeiten vorbei , daß nur Finkenwärder auf Finkenwärder und Blankeneser auf Blankeneser Schiffen fahren , sie müssen sich schon mit Butenländern behelfen : aber dennoch steht die Sonne von Finkenwärder auf der Mittagshöhe , und seine Segel beschatten die ganze See . Wir grüßen euch , ihr hundertsiebenundachtzig Schiffe , als wenn ihr noch alle am Leben wärt ! * * * Klaus Störtebeker hatte es den andern Morgen ganz verteufelt hild : er mußte Brot vom Bäcker holen und Proviant vom Krämer , mußte einen Schinken aus der Rauchkammer herabschleppen ( denn Klaus Mewes tat die erste Ausfahrt nicht ohne einen Schinken , obgleich man am Deich meinte , der Schinken dürfe erste beim ersten Kuckucksruf angeschnitten werden ) , er trug die Kruken mit Weiß- und Schwarzsauer , die Beutel mit Strümpfen und Unterhosen nach dem Bollwerk und quälte sich mit Vaters Seestiefeln und seinem Ölzeug ab wie Roland mit seines Vaters Waffen , aber es machte ihm Spaß , und er vergaß seinen Kummer darüber , daß er noch an Land bleiben sollte . Als alles schier war , konnte er es aber doch nicht lassen , dem saumseligen Schuster nochmal die Wacht anzusagen . Der Hans Niedersachs von Finkenwärder , der ein Schelm war und einen Schalk als Gesellen hatte , sah ihn schon , als er die Treppe hinunterstieg , und sagte zu seinem Gesellen : » Kiek ut vör Störtebeker ! « Wir müssen nun freilich wissen , daß Klaus Mewes bei der Bestellung der Siebenmeilenstiefel für seinen Jungen heimlich gesagt hatte , es eile nicht und vor Pfingsten brauchten sie nicht fertig zu sein , und daß Gesa hinterher bestimmt hatte , sie sollten erst im Herbst geliefert werden , wenn der Junge der unruhigen Witterung wegen nicht mehr mit nach See kommen könne ; der Schuster tat deshalb nur , was ihm geheißen war , wenn er ihn vertröstete . Er hatte bei den Stiefeln übrigens noch nicht einmal angefangen . Als Störtebeker die Tür aufklinkte , saßen die beiden Pechräte tiefgebückt da , duckten sich hinter die großen Glaskugeln wie Verschwörer und klopften für fünfzehn , ohne aufzugucken . » Schoster , sünd mien Stebeln klor ? « Der Schuster und sein Geselle klopften das Leder noch lauter und deftiger , daß die Fenster wie bei einem Gewitter klirrten , und taten , als könnten sie weder hören noch sehen . » Schoster , wat mien Stebeln klor sünd ? « Störtebeker rief schon lauter , aber die beiden Pfriemenreiter stellten sich wieder taub und hämmerten , als wollten sie Stahl aus den Kuhhäuten machen , dabei aber sahen sie einander heimlich an : wat he nu woll upstillt ? sollte es heißen . Der Junge sah sich in der Werkstatt um . Da lagen die großen , langen Stiefel der Elbfischer , de güngen bit ant Gatt und waren größer als er selbst , da standen die schweren , starken Seefischerstiefel , so