sitze neulich unten in der Halle und warte auf den Chauffeur , der mich abholen soll , warte schon lange und schlafe beinah ein . Jeden Augenblick gehen Leute vorüber , und dann bleibt jemand hinter mir stehen - ein wohlbekanntes : How are you ? - Sir John mit einem jugendlichen Begleiter - und im gleichen Augenblick der haßerfüllte Chauffeur , um zu melden , daß sein Herr mich draußen erwartet . Nur gerade Zeit zu einem ungeheuren Händeschütteln , Vorstellung des Begleiters und einer raschen Verabredung , dann stürzte ich meinen Verpflichtungen nach und hörte nur noch ein etwas verwundertes : O I say ! hinter mir herklingen . Wir trafen uns denn auch nächster Tage , in einem Tea-room natürlich . Keine Wehmut , mein Freund , wenn Sie hier wären - nein , doch nicht - es würde jetzt kein gutes Dreieck geben . Also , mit Sir John im Tea-room , seinen neulichen Gefährten hatte er mitgebracht . Der junge Mann ist Dichter , zeigt aber keine äußeren Symptome seines bedenklichen Handwerks , verhielt sich sehr schweigsam , sehr erzogen , sehr diskret , während wir einem lebhaften Austausch frönten . Dieses Wiedersehen war beiderseitig ein großes Fest . Sir John , der Vielgenannte , den Sie ja leider nie kennengelernt haben , ist wohl der Mann , mit dem ich mich von allen am besten verstehe . Ich muß wieder einmal etwas indiskret sein , um Ihnen das zu erläutern . Es besteht zwischen uns ein : on revient toujours - wirkliche Freundschaft mit amourösen Intervallen , die immer ohne Tragik , ohne Konflikte und Bitternis verlaufen sind . Er hat sehr vielfältige Beziehungen zu Frauen und kultiviert jede einzelne wie ein Gärtner seine Pflanzen , jede bekommt ihr besonderes Terrain und ihre besondere Pflege . Für jede ist er der aufmerksamste und angenehmste Galan und suggeriert durchaus das Gefühl , daß er im Moment nur für sie da ist . Unmöglich , ihm übelzunehmen , wenn er sagt : Sie müssen sich unbedingt für heute abend frei machen , denn übermorgen treffe ich eine Frau , die ich sehr liebe , aber es ist eine etwas tragische Sache , und ich werde dann ein paar Tage Melancholie haben . Ebenso wird er dieser Frau sagen , sie müsse einen Tag warten , denn er wolle vorher noch mit einer anderen sehr vergnügt sein . Er erzählt viel von seinen Amouren , taktvoll und aus wirklich tiefem Interesse , denkt über jede einzelne sehr ernsthaft nach , hat auch gerne , wenn man ihm erzählt , und denkt ebenso ernst darüber nach . Die sizilianische Angelegenheit erfüllte ihn mit innigem Vergnügen , als hätte ich ihm einen großen persönlichen Gefallen erwiesen . Nun , mich freut sie ja auch , besonders seit die beiden hier sind . Man hat manchmal sehr gerne jemand zum Miterleben . Die allzu ausführliche Zweisamkeit fing gerade an , mich etwas zu ermüden , und was ich hier sonst en passant kennengelernt habe , war nichts Rechtes . Italiener haben immer die gleiche Feurigkeit , ob es ein Offizier , ein höflicher Kutscher oder ein Priester ist . Nun kann ich wenigstens , sooft es geht , mit Vergnügen ausreißen , meinem Amante habe ich mit einiger Mühe plausibel gemacht , daß ich manchmal allein sein müßte , um römische Eindrücke in mich aufzunehmen . Nur mußte man vorsichtig sein , und das ist immer eine Pein für mich . - Aber wie Sie sehen , bin ich diesmal sehr darauf bedacht , meine Chancen zu wahren - ich habe Grund , aus allerlei explosiven Äußerungen zu schließen , daß sie nicht schlecht sind , trotz der Braut in Sizilien , derer er manchmal - nach beiden Seiten hin - mit Reue und Bedauern gedenkt . Letzte Woche war ich mit Sir John und seinem Schützling in den Katakomben ; Sir John wollte dort irgendwelche Studien machen und betrieb sie mit seiner englischen Gründlichkeit , während der Dichter und ich draußen in der Sonne saßen und uns unterhielten . Sir John hat uns beide vorsorglich gewarnt , wir sollten nicht miteinander in love fallen ; mich : er sei noch gar so jung und grün - und ihn : ich dürfe mir die berühmten Chancen nicht durch eine überflüssige Amourette verderben . Das Spiel ist ungefährlich , ich würde mich schwerlich mehr in einen Dichter verlieben . In früheren Zeiten ist es schon vorgekommen , aber es war immer sehr anstrengend . Man mußte so viel posieren , sonst wird der Dichter ernüchtert - muß ihn immer im Rausch erhalten , denn ein richtiger Dichter will eben Rausch - Purpur - Gold - und so weiter . Für das alles hat man aufzukommen , muß immer auf dem Sockel stehen . Eine Zeitlang ging das auch - nein , eigentlich ging es doch wohl nicht , es war immer viel Schwindel dabei . Nur gefiel es einem , auch einmal pathetisch genommen zu werden . Aber dann verlangte man doch wieder herunter , sehnte sich wie Nebukadnezar danach , mit den Tieren des Feldes Gras zu fressen . Das können die Dichter nicht leiden . Und dann sollte man Seele haben , möglichst viel Seele . Ich hatte auch einmal so etwas , oder man hielt es dafür . Ich glaube , es war nur , wenn ich mich aus irgendeinem Grunde nicht wohl in meiner Haut fühlte . Das halten die Mitmenschen ja gerne für ein Kennzeichen von intensivem Seelenleben . Gott , es muß ja auch nicht immer ein professioneller Dichter sein , aber Sie können sich schon denken , welche Art Leute ich meine . Der Knabe , mit dem ich hier über alten Gräbern wandle , scheint übrigens nicht zu dieser Sorte zu gehören . Ich interviewte ihn recht gründlich darüber , und er wurde ganz unglücklich . Er habe nun einmal Talent und das Schreiben mache ihm Freude , während er sich mit einem