» Ihre Namen ? « » Mr. Athabaska und Mr. Algongka . Schöne Namen , was ? Klingen fast wie Musik ! Ist aber auch Musik : Zahlen nur mit Nuggets ! « Das war nun so sein Maßstab , und er scheute sich nicht im geringsten , ihn auch in unserer Gegenwart anzulegen . Er sagte uns noch , daß die beiden » Gentlemen « auch oben in der von ihm bedienten Zimmerreihe wohnten und da die größten und teuersten Räume hätten , die es gebe . Dann bekam er anderweit zu tun . » Mr. Athabaska und Mr. Algongka « frühstückten sehr langsam und sehr mäßig , und zwar in einer Weise , als ob sie in Hotels von dem Range des Clifton-House aufgewachsen seien . Es war eine Lust , ihnen zuzusehen . Das taten wir natürlich so unauffällig wie möglich . Das Herzle freute sich besonders über die Würde , die in jeder , auch der geringsten Bewegung dieser hochinteressanten Männer lag , und über ihre Bescheidenheit . Es war bei ihnen kein Ring , keine Uhrkette und kein sonstiger Gegenstand zu sehen , der auf Wohlhabenheit oder gar Reichtum schließen ließ . Das war so recht nach dem Gusto meiner Frau , die ich ja fast zwingen muß , sich einen neuen Hut oder ein neues Kleid zu kaufen ! Meine besondere Aufmerksamkeit richtete sich auf einen andern Umstand , nämlich auf den , daß sie sich , der gewöhnlichen indianischen Schweigsamkeit ganz entgegengesetzt , sehr lebhaft unterhielten und dabei sehr fleißig Einträge in zwei Bücher machten , die sie mitgebracht hatten , Jeder eins , sein eigenes . Das schienen Notizbücher zu sein , aber sehr , sehr wichtige , denn sie wurden mit einer Vorsicht und Liebe behandelt , als ob sie der beste und teuerste Besitz seien , den es für ihre Eigentümer gebe . Die Einträge , welche gemacht wurden , geschahen mit einer Geläufigkeit und Sicherheit , welche auf vollste Schreibübung schließen ließ . Man sah , daß diese Leute nicht etwa nur den Tomahawk und das Jagdmesser , sondern auch Feder und Bleistift zu führen verstanden und sehr gewöhnt waren , sich geistig zu beschäftigen . Im Clifton-House wird nach jeder Mahlzeit , die man einnimmt , das Trinkgeld sofort bezahlt . Als wir dies jetzt nach dem Frühstück taten , erkundigte sich der Kellner , dem unser Interesse für die Indianer nicht entgangen war : » Wünschen Mrs. und Mr. Burton vielleicht den Tisch ganz neben den beiden Gentlemen ? « » Ja , « antwortete das Herzle schnell . » Für alle Tafelzeiten ? « » Für stets ! « » Well ! Werde das besorgen ! « Als wir dann zum Mittagessen kamen , waren die Häuptlinge schon da . Auch alle andern Tische , außer dem von uns bestellten , waren schon besetzt . Unser Kellner stand schon wartend da und teilte uns mit , daß die Direktion uns bitte , für immer hier an diesem Platz zu sitzen . Wir befanden uns nun also so nahe bei den zwei Indsmen , daß wir , wenn sie sprachen , jedes ihrer Worte hörten . Sie hatten ihre Bücher wieder mit und machten besonders in den Pausen zwischen den einzelnen Gängen zahlreiche Notizen , oft aber auch gleich während des Essens , indem sie Messer und Gabel einstweilen weglegten . Und man denke sich mein Erstaunen , als ich hörte , daß sie sich in der Sprache meines Winnetou unterhielten und sich die Aufgabe gestellt hatten , das innige Verwandtschaftsverhältnis aller athabaskischen Zungen , zu denen auch das Apatsche gehört , zu ergründen und festzustellen ! Für Athabaska war das eine Beschäftigung mit den verschiedenen Abarten seiner Muttersprache , für Algongka aber nicht . Dieser schien vom kanadischen Stamme der Krih zu sein und machte im Laufe der sehr regen Unterhaltung die für mich hochinteressante Bemerkung , daß er mehrere große Wörterverzeichnisse des Nahuatl , also der alten Aztekensprache , besitze , die mit seiner Muttersprache verwandt sei . Das für mich wichtigste Ergebnis unserer allerdings nur zuhörenden Teilnahme an ihrem Gespräche aber war eine nur so hingeworfene Beifügung , aus der ich entnahm , daß auch sie nach dem Dschebel Winnetou wollten und sich jetzt ausschließlich in der Mundart der Apatschen unterhielten , um am Ziele ihrer Reise nicht ungeübt zu sein oder gar als unwissend zu erscheinen . Welche Sprachkenntnisse mußten diese beiden Männer besitzen ! Ja , sie waren Häuptlinge , ganz gewiß ! Aber sie waren jedenfalls noch mehr , noch viel mehr als das ! Doch was ? Mit dieser letzteren Frage brauchte ich mich jetzt nicht zu beschäftigen . Sie hatten ja dasselbe Reiseziel wie ich , und ich war überzeugt , daß ich sie dort gewiß näher kennen lernen würde , als es jetzt hier am Niagara möglich war . Am Nachmittag fuhren wir nach Buffalo , um auf dem dortigen Forest Lawn Cemetary3 das Grab und die Statue des berühmten Häuptlings Sa-go-ye-wat-ha zu besuchen und ihm einige Blumen mitzubringen . Ich habe eine ganz besondere Zuneigung und Hochachtung grad für diesen großen Mann , den man noch heutigentags als den » strong and peerless orator « 4 aller Seneca-Indianer bezeichnet . Dieser » Gottesacker « ist schön , fast einzig schön . Ueberhaupt besitzt der Amerikaner in Beziehung auf die Anlage von Friedhöfen eine , beinahe möchte ich sagen , Genialität . Er überwindet auch künstlerisch den Tod , indem er keine Hügel duldet , die doch weiter nichts als Ausrufezeichen der Verwesung seien . Er verwandelt den Tod vielmehr in das Leben , indem er als Beerdigungsstätte für die Verstorbenen gern ein auf- und absteigendes , also reich bewegtes Terrain auswählt , welches er als lichten , sonnenklaren , froh grünenden Park behandelt , dessen nicht eng , sondern weitverteilten Denkmäler in die Ferne hin den Auferstehungsgedanken predigen . Und es herrscht auf diesen Friedhöfen eine geradezu rührende Gleichbehandlung aller derer , die verstorben sind . Da