manchmal , und die Unterirdischen kicherten : » Hihi ! König Salomo ! « Das schlimme Jahr sechzehnhundert achtzehn ging zu Ende , und es war im Novembermond , als ich abermals nach Schreiberhau zum Oheim gereiset war . Bei dem milden Wetter saß ich auf einem Kirschenbaum zwischen kahlen Zweigen , dran rostrot noch etliche Blättlein hingen , und pflückte mir verschrumpfete Kirschen . Da kam auf Oheims Haus zugeschritten ein kleiner , hagerer Mann in schwarzem Mantel , tief in das gelbe verkniffene Gesicht einen breiten Filz gestülpet , unter dem die schwarzen Äuglein wie aus einem Hinterhalte herfürstachen . Unter meinem Baume blieb er stehen und blinzelte nach mir , die Oberlippe mit den dünnen schwarzen Härlein schief in die Höhe gezogen . » Eh ! Der Famulusse ? « - sprach er hastig mit harter Stimme » Ist Er nit Famulusse von Signore Kräutertobiasse ? « Ich verstund die Frage nicht , sprang vom Baume und sagte : » Kommet nur ins Stübel , ich rufe den Oheim . « Führte also den Herrn in die Balkenstube und holte den Oheim aus dem Laboratorio . » Das ist der Giacomini , « raunte der Oheim erwartungsvoll ; » komm mit herein , Johannes ! « Ich ging also mit in die Balkenstube . Mit einer grinsenden Freundlichkeit grüßte Giacomini den Oheim , erkundigte sich dann nach mir und hub unter verlegenem Räuspern an : » Was ik wollte fragen , caro mio - wo iste weiße Stein bei Schreiberhau ? weiß unde glatte wie Marmo ? « » Ihr meinet wohl den Flins ? « gab der Oheim zur Antwort . » Etliche Blöcke davon liegen am Böheimischen Furt . « Der Italiener nahm aus seines Rockes Tasche ein Stück Flins und fragte : » Diese Stein ? Ah bene ! Aber diese Stein soll sein auf Gebirge eingefuget in swarze Granite als eine Porta von Marmo . Wo iste die Orte ? Sag Er mir , caro mio ! « » Dergleichen Orte hat es viele im Gebirg « , antwortete der Oheim ausweichend . » Viele Orte ? « sagte Giacomini lauernd ; » no no , Signore , ik will nit viele Orte , will diese eine Orte - gelegen auf Bergesrucken , wie swarze Burge mit weiße Porta . « Da nickte der Oheim mit spöttischem Lächeln und blickte scharf den Italiener an : » Freilich kenne ich diesen Ort - weise ihn aber Euch mitnichten - denn allda ist verborgen ein Schatz - ja ein Schatz ! « Wie vor einer Natter prallte der Italiener zurück und starrte den Oheim an . Dann verzog er sein Gesicht zu einem Grinsen und suchte zu beschwichtigen : » Eine Schatze ? Ah Possen ! Keine Rede von Schatze ! Possen ! Weiße Stein iste gut für Glasse . Sage mir , Signore , wo iste weiße Stein ? Sage mir Orte , ik bitte . « » Der Herr Doktor täuschet mich nicht . So Er den weißen Stein nur zur Glasbereitung brauchet , ei warum lässet Er sich alsdann nicht genügen an den Flinsblöcken , so in Menge bei Schreiberhau liegen ? Aber der Herr hat selber bekennet , daß Er nur nach der einen Stelle trachtet , wo der weiße Stein gleichwie eine Pforte eingefüget ist in schwarzen Granitfelsen . Die Stelle ist mir wohlbekannt , und dorten lieget ein Schatz - ja ein Schatz ! Den soll aber nicht der Herr heben , sondern ein anderer - ja ein anderer ! So ist und bleibt mein Wille , und darum verrate ich den Ort mitnichten . « Zornig funkelten des Italieners Augen , dann griff er mit zitternder Hand in seine Tasche und warf einen Beutel mit klirrender Münze auf den Tisch : » Prenda denaro ! Hier nimm Gelde ! Weiset mir die Orte ! « » Ich brauche Euer Geld nicht ! « entgegnete der Oheim kalt , » dieweil ich den Goldschatz selber heben werde . « » Ihr ? Ihr ? « kreischte der Italiener und focht mit den Händen vor Oheims Angesichte . » Schatze hebene ? Nix hebene ! « » Mein Famulus hier wird ihn heben , « antwortete der Oheim ; » diesem Knaben ist von einer Prophetin geweissaget , daß er solle einen großen Schatz heben und wie König Salomo werden . Zudem ist er ein Johanniskind . « Mich funkelte nun Giacomini mit seinen schwarzen Augen an und meinte verächtlich : » Ah bah ! Wie soll dumme Ragazzo bringen Schatze in seine Hand ? Was weiß er von Magia ? Eine Propheta weissagete ? Soll er werdene Salomo ? Ah bah , Possen , nix ! Nimm Gelde unde weise den Orte ! prenda denaro , prenda , caro mio ! « Und er suchte dem Oheim seinen Geldbeutel in die Hand zu drücken . Da aber der Oheim im Verschmähen standhaft blieb , lief der Italiener wie ein gefangener Fuchs in der Stube umher , irren Auges und keuchenden Odems . Manchmal blieb er stehen , die Hände ringend , und über sein Angesicht ging ein Zucken . Endlich sank er wie gebrochen in den Lehnstuhl , stöhnete und sprach mit matter Stimme : » So swöre Er , swöre auf sein Evangelio , daß Er wolle weisen mir den Orte , wo Schatze liegen und helfene mir mit Famulusse . Avanti ! Bilden wir eine Societa , zu hebene Schatze , unde ik gebene Euch Beutel mit Golde . « » Einen Beutel mit Golde ? Nein ! Halbpart will ich ! « sagte der Oheim fest . Gehässigen Blickes antwortete der Italiener kleinlaut : » Also gute ! « Hierauf ließ er sich Papier , Feder und Tinte reichen und schrieb den Contractum auf . Alle drei unterzeichneten wir und beschwuren ihn über der aufgeschlagenen Bibel . Den Abend wollte der Oheim mit Giacomini allein sein , und da sagte die alte Beate munter zu mir