. « » Ein seltsames Haus « , sagte Rast zu Werner , als sie zusammen durch den Nebel fuhren . » Ja « , erwiderte Werner kühl , » manches Schwere ist diesem Hause auferlegt . « » Schwere ? « wiederholte Rast . » Ja , wegen des Werland . - Alle haben da was . Werland mit dem Bein , und die schöne Frau , und das kleine Gespenst von Sekretär , alle seltsam einsam , aber eine Einsamkeit , die fiebert - , die fiebern alle vor Einsamkeit . Das regt ordentlich auf , steckt an . « » So Schweres auch dem Hause auferlegt ist « , sagte Werner , und er ärgerte sich selbst darüber , daß das so salbungsvoll klang , » die Baronin versteht es mit ihrer Güte und Klarheit , da Harmonie hineinzubringen . « » Opfer « , sagte Rast , und ließ die Peitsche knallen . » Was soll sie machen ? Ein Mann ohne Beine . Da setzt sich alles in Opfer um . Bekanntes Phänomen . Chemie der Sinnlichkeit . « » Um diese Frau zu verstehen « , meinte Werner gereizt , » dürfte keine andere Formel genügen , als Hochachtung . « » Ganz Ihrer Ansicht , Herr Pastor « , erwiderte Rast . » Aber da sind wir ja bei Ihnen . Gute Nacht . « - Lene schlief schon , die Wangen heiß , zwischen den blonden Augenbrauen eine kleine , aufrechte Falte , ein schwermütiges , kleines Zeichen , das der einsame Abend zurückgelassen hatte . Leise legte Werner sich in das Bett . Lene atmete ruhig und regelmäßig neben ihm . Draußen tropfte der Nebel vom Dache , ein stetiges , geschäftiges Flüstern , eine heimliche , traurige Geschichte , die die Nacht sich erzählte . Und in der Stille und Dunkelheit dieser Nacht war plötzlich etwas da - bei Werner - in ihm , etwas Fremdes , dein er fast mit Neugier zuschaute . Also so ist es , wenn wir hassen . Er war stark , er war jähzornig . Er kannte es , wie die Wut heiß in die Glieder fährt und es eine Erlösung ist , die Hand schwer auf eine Wange niedersausen zu lassen . Aber dieses jetzt war anders : - Dieses bohrende , beständige Denken an einen Mann mit dem Gefühl des Widerwillens , mit fast körperlichem Schmerz . Die Gedanken begannen zu mahlen . Rast bleich und hilflos zwischen Werners Händen . Rast vor Karolas Augen gedemütigt - lächerlich und verächtlich . Kindische Phantasmen , denen er nicht wehren konnte . Immer das quälende , heiße Verlangen , Rast leiden zu sehen , quälend , aufdringlich , wie ungestilltes , sinnliches Begehren . Da sollte er nun die Leute trösten und ihnen in die Seele reden . Was wissen wir denn , was in unseren Seelen ist . Etwas Fremdes kommt , herrscht . Wir können nur zusehen . » Mußt du denn jetzt so häufig nach Dumala ? « fragte Lene . » Ja , ich muß « , antwortete Werner im Ton der Autorität . » Warum ? « » Weil der Baron leidet und es ihn beruhigt , wenn ich da bin . « » Du kannst ihm ja doch nicht helfen . « » Ich bitte dich , « Werner wurde streng , » mir nicht in das , was ich für nötig halte , hineinzureden . « » Sie haben dort ja Gesellschaft genug « , fuhr Lene eigensinnig fort . » Wieso ? « » Der Baron Rast fährt ja so häufig hier vorüber . « » Seine Sache « , meinte Werner . » Du scheinst dich dafür zu interessieren , ob er vorüberfährt . « Nun schlug Lene die Hände vor das Gesicht , weinte und klagte : » Was soll ich denn tun ? Ich bin ja immer allein . Nun soll ich nicht einmal mehr sehen , wer vorüberfährt ! « Werner nahm seine Mütze vom Nagel und ging . Die weinende Frau da drinnen hatte recht . Und er - er tat , als erfüllte er streng und weise seine Pflicht , er ging einen unreinlichen Weg , das sah er so klar , als ginge ein anderer diesen Weg , und er schaute ihm nach und wunderte sich , wohin der wohl geraten wird . Aber nach Dumala mußte er . Es war ihm , als sei ein wichtiger Posten unbesetzt , wenn er nicht im Kaminzimmer , im Scheine der grünen Lampe saß . Es war immer dasselbe . Karola war zerstreut und sah verträumt ins Feuer und horchte hinaus . Und dann klingelten die Schellen draußen . » Ah , Rast ! « sagte sie . Sie verbarg es nicht , wie lustig dieses Schellengeklingel ihr in die Glieder fuhr . Sie richtete sich auf , streckte die Arme , in einer ihr ungewohnten Bewegung des Sichgehenlassens , als schüttele sie die Schläfrigkeit der Stunden ohne ihn von sich ab . Sie ging Rast entgegen , lächelnd , mit flimmernden Augen . Und er kam , füllte den Raum mit seiner klingenden Stimme , seinem sorglosen Lachen , seinem englischen Parfüm . Die Lichter wurden angezündet . Es wurde festlich , ihm zu Ehren . Wenn nach dem Tee Karola und Rast im Saal auf und ab gingen , saßen Werland , Pichwit und Werner am Kamin , schweigsam und wachsam . Wenn sie sprachen , so sprachen sie mit gedämpfter Stimme . Pichwit ging nach dem Barometer und blieb lange fort . Werland flüsterte und kicherte : » Haben Sie bemerkt , Pastor , denen dort geht nie der Stoff zur Konversation aus . « » Ja , Baron Rast ist sehr unterhaltend « , erwiderte Werner matt . » Gott ! « meinte Werland , » Sie brauchen einer Frau nur einigemal zu sagen : Ich bin sehr interessant , dann glaubt sie es . « Ein