, und die großen Fenster gingen auf den Hofweg und auf Schuppen . Er stand nun hier und griff zu und sah Lehrlinge gleich ihm in blauen Schürzen , und Gesellen vor der großen Steintafel hantieren und hörte auf die sorglichen Worte des Meisters . Der Geist des ganzen Hauses ging von der Meisterin aus . Sie war aus einer pietistischen Familie vom Rhein , und schon ihr Aussehen , wenn sie ging mit ihrem Rundhut und immer in dunklen Farben der grau in grauen Welt der Mühsal , obwohl sie jung und drall und die Augen frisch und fast zu sicher schienen , und der Kindersegen nicht gering war , zeigte einen ganz eigenen Schlag Verzicht auf äußeres Tun und Glänzen . Die Frau war , was man zu sagen pflegt , ein frommer Dämon . Sie hatte alles im Banne . Sie sah wie ein Habicht und hörte , wie ein scheues Wild . Es entging ihr keine Untüchtigkeit . Sie sah keine verstohlene Miene und heimliche Glosse , die sie nicht dann hinter Schloß und Riegel vor dem Meister allein erwähnte und zur Abstellung empfahl . Wenn sie ins Werk hinein flüchtig vorbeigehend zusah , konnte man denken , daß sie allen nur zulächeln wollte . Der Meister selber , der von unerhörter Umständlichkeit zu jedem Worte ein Besinnen und zu jedem Besinnen soviel Minuten Zeit , wie zur Tat brauchte , also daß man in Geduld harren mußte , bis eine Meisterweisheit endlich von seinem Herzen sich gelöst und salbend aus dem rot-bebärteten Munde und sanft aus den grünen Augen ausgegangen , der Meister selber bekam fast Eile , wenn Frau Kallinich gerade durch die Werkstatt schritt und dort ihre frischen , grauen Augen herumwarf . Einhart hatte es gut . Der Meister war nicht nur fromm . » Ein Geheimrat « , das hatte ihn gleich niedergeschlagen . Die Gesellen waren frech . Die ließen Einhart springen , wie die andern blauschürzigen Jungen . Aber der Meister sah in Einhart etwas Besonderes . Einhart konnte da anfangs nicht klagen . Klagen war Einharts Sache überhaupt nicht . Nach außen gab er jetzt nichts . In gewissem Sinne amüsierte ihn die Arbeit . Weil er auch noch viel zusah . Und man sah auf den Tafeln allerhand Dinge aus der Welt . Nicht nur ewig Buchstaben . Auch Bilder . Manches davon bewegte Einhart . Das alte Kloster am Sinai war das erste , was er im Bilde in Steindruck sah . Der Geselle , der es bearbeitete , kümmerte sich nicht weiter darum . Aber Einhart fragte und fragte . Und weil der Geselle ihn angefahren : » halts Maul ! « fragte er geradehin den Meister , der ihn belehrte . Der Meister kannte alles , besonders was um die heilige Geschichte herum war . Er erzählte also gleich umständlich und mit viel Aufmachen der Augen , groß und weit , ehe auch nur immer wieder ein Wort voll Tiefklang kam , von der Stätte des Mosesbrunnens , wo jetzt zum Andenken eine Platte reinen Silbers gebreitet wäre , und die Tropfen ewig flössen seit Jahrtausenden . Er erzählte auch , daß sein schönster Wunsch gewesen , einmal nur einen Trunk aus jener heiligen Quelle zu tun , in demselben Tonfall wehmütigen Sich-besinnens , wie Einhart sich erinnerte , daß Herr Geheimrat Selle immer von den lauteren Quellen der deutschen Altertümer gesprochen hatte , nach denen er eine ungestillte Sehnsucht trüge . Herr Kallinich rühmte dann auch laut Einharts Wißbegierde . Obwohl die Gesellen heimlich empört waren , und sobald er ihnen den Rücken gekehrt , untereinander ausfielen , daß sie viel zu tun hätten , wenn sie auf all den » heiligen Zimt « eingehen sollten . » Stumm und dumm « , sagte der Kurzbärtige , » muß der Geist sein , wenn man zu Gelde kommen will . « Natürlich hielt sich Einhart nur an die Meisterleute . Und es dünkte ihm auch gut , mitzutun , wie es im Hause ging . Der Herr Geheimrat hatte ausdrücklich Familienaufsieht verlangt . Einhart mußte deshalb in der Familie wohnen . Die übrigen Lehrlinge wohnten neben der Werkstatt . Einharts kleine Stube lag gegenüber der Wohnstube , neben der Küche . So konnte er auch oft fromme Gesänge hören , und morgens und abends mußte er es mitmachen . Der Meister sang dabei selber vor , saß mit Würde und hatte ein richtiges Lehr- und Lesepult vor sich , darauf Bibel und Gesangbuch ruhte . Sein großer Mund öffnete sich weit , daß Einhart jedesmal heimlich auf den Moment spannte und dann über die Weite des Mundes heimlich lachen mußte . Aber noch mehr über die gesenkten Mienen der Frau Meisterin , die nur dann und wann seitlichen Blickes im Kreise herum und auf ihre beiden Töchter sah . Eine war noch klein , etwa vier . Die andere ging eben ins Fünfzehnte und sah frisch und frech aus , wie die stülpnasige Mutter . Fromm waren alle . Die Münder aller standen dann im Gesange offen , und es klangen feierliche , laute Betgesänge . Einhart fand es ganz angenehm , so den Tag einzuleiten und auch zu beenden . Er hatte es an sich gern zu summen und zu singen mit vergnügten Augen , und manchmal in die Augen der frechen , jungen Dirne hinein . Im Grunde war er den Ereignissen immer ziemlich fern . Aber was kann das Mühlrad tun , als sich umzudrehen ? Man konnte zunächst nichts weiter erwarten . Ganz allmählich erst begann die junge Seele wieder hinein zu trachten irgendwo in Dinge , die sein würden , wie sie es sich träumte . Ganz allmählich bekam alles das , was da aus der Vergangenheit heilig erstarrend heraufkam , für Einhart einen grauen Hauch drollig trostloser Würde . Ganz allmählich konnte Einhart den Meister und die Frau Meisterin gar nicht anders mehr sehen , als wären sie rückgewendet und hätten ihr Gesicht eigentlich hinten . Er