. « » Einigermaßen , ja . Aber das sind Mittel , einmal helfen sie , einmal nicht . Und übertreibt man sie , dann schreien die Leute noch ärger . « » Auf alle Fälle muß man jetzt vor den Gemeindewahlen etwas tun . Daß uns nicht lauter Bündler als Bürgermeister hingesetzt werden . « » Ich bin der Sache schon näher getreten , Herr Dekan . « » Ich weiß , mit der Umfrage . Haben Sie überall Auskunft bekommen , Herr Bezirksamtmann ? « » Von den meisten . « Otteneder schloß den Schreibtisch auf und nahm einen umfangreichen Aktenbündel aus der Lade . » Sehen Sie , das sind die Antworten . Namen genug , fast zu viel . « » Ich habe unterderhand dafür gesorgt , daß die Beteiligung möglichst allgemein war , Herr Bezirksamtmann . « » Nachträglich meinen Dank , Hochwürden . Aber nun sagen Sie einmal selber ! Da sind mir von etlichen vierzig Gemeinden vielleicht dreihundert Männer bezeichnet , die als Bündler gelten , und die nicht in die Ausschüsse kommen sollen . Dreihundert , Herr Dekan ! Wie kann ich das verhindern ? « » Nicht bei allen . Aber doch bei den Gefährlichsten . Zum Beispiel in meiner Pfarrei der Stuhlberger und der Meisinger ! Das ist ganz ausgeschlossen , daß einer davon Bürgermeister wird ! Das hieße geradezu den Aufstand proklamieren , das hieße die Stellung des Pfarrers unmöglich machen . Der Meisinger tut mir seit sechs Jahren alles an , was er nur kann . Geradezu verbrecherisch . « Der Dekan geriet in Eifer . Er schlug mit der Hand heftig auf die Papiere , welche den Namen Meisinger enthielten . » Hochwürden , ich habe mir die Namen besonders notiert . « » Der Mensch hat Verleumdungen gegen mich begangen und Personen hereingezogen . Ich will mich nicht weiter ausdrücken . « » Herr Dekan , Sie können sich darauf verlassen ... « » Dieser Mensch ist ein Gottesleugner , ein Kirchenschänder . Er hat die boshaftesten Lügen über mich in der Zeitung verbreitet . Entschuldigen Sie , wenn ich heftig werde ! « » Es sind Ihnen einmal die Fenster eingeworfen worden ? « » Ja , das war der Meisinger . Und kein anderer . « » Ich notiere mir ' s , Herr Dekan . Das ist jetzt einer . Aber dreihundert ? « » Ich blicke wirklich trübe in die Zukunft , Herr Bezirksamtmann . « Otteneder machte eine verbindliche Bewegung . » Ich hoffe , daß die Herren selbst Einfluß haben . Die Wahlen fallen vielleicht besser aus , als wir denken . « » Ich fürchte , ich fürchte , es gibt Überraschungen . Aber ich habe Ihre Zeit lange in Anspruch genommen . « » Bitte , ich bin sehr dankbar für Ihren Besuch . Und für jede Unterstützung . Ich empfehle mich Ihnen . « Der päpstliche Hausprälat näherte sich der Türe . Unter derselben blieb er stehen . Er hatte noch etwas vergessen . » Herr Bezirksamtmann , pardon ! « » Sie wünschen ? « » Mein Amtsbruder in Erlbach schreibt mir , daß er mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen hat . « » So , so ? « » Ich möchte ihn warm empfehlen . « » Was sich tun läßt .. , « » Nochmals besten Dank , Herr Bezirksamtmann . « Die Türe schloß sich , und Otteneder war allein . Er setzte sich an den Schreibtisch und sah zur Decke hinauf . » Meisinger , Stuhlberger , der Pfarrer von Erlbach . Es hätte noch mehr sein können , « sagte er . Und sein Gesicht nahm wieder den mürrischen Ausdruck an . Ungewohnte Arbeit und eine neue Verantwortlichkeit , das sind Dinge , die einen nicht fröhlich stimmen . Diese Neuerungen , welche überall störend eingriffen , und das Amtieren erschwerten ! Früher , ja , da war alles besser gewesen . Wer achtete früher auf die Unzufriedenheit der Bauern ? Sie drang nicht in die Öffentlichkeit ; wenn einer mit seiner Klage in das Amt kam , sagte man ihm , es werde schon einmal besser werden , und man wolle überlegen , wo zu helfen sei . Man schrieb und verordnete , und die Regierung war zufrieden , wenn auf dem Papiere alles in Ordnung war . Jetzt sollte mit einem Male alles aus großen Gesichtspunkten geschehen . Und dabei war alles im Ungewissen , nirgends eine feste Richtschnur . Schimpften die Bauernbündler , dann empfand man es oben sehr unangenehm ; schrien die Geistlichen in ihrer Presse , dann war es zweimal nicht recht . Das pendelte hin und her . Dazu eine heillose Angst vor dieser lärmenden Bewegung , weil sie Volksschichten aufwühlte , die bisher so angenehm teilnahmslos waren . In der Politik wird das Zuwenig gleich ein Zuviel , und ganz selten wird die Mitte eingehalten . Solange noch etwas zu richten war , hatte man nicht auf die Bauern geachtet . Jetzt zeigte man eine übertriebene Furcht , die von den Geistlichen sorgsam genährt wurde . Zum Beispiel dieser vortreffliche Erlaß der Regierung ! » Die Vorstände der Bezirksämter sollten ein besonderes Augenmerk darauf haben , daß die bevorstehenden Gemeindewahlen ein gutes Ergebnis lieferten , daß insbesondere nicht die Führer der Bewegung in Vertrauensstellungen gelangten . « Das war richtige Stubenweisheit , und der Verfasser mochte glauben , wie klug er mit ein paar Federstrichen nützliche Verhaltungsmaßregeln angegeben hatte . Freilich , der persönliche Einfluß mußte hier das Beste tun . So sagte auch der Abgeordnete , Hochwürden Herr Dekan Metz . Das dachten sich die Leute so . Franz Heinrich Otteneder , der Sohn des Landrichters gleichen Namens , und der Enkel des Salinenadministrators Johann Otteneder , zuerst Schüler eines Gymnasiums , Student in München und späterhin durch lange Jahre Assessor in einer fränkischen Kreisstadt , sollte seinen persönlichen Einfluß geltend machen . Bei den Dickschädeln der oberbayerischen Hochebene , deren Sprache er