Prinz , nicht ohne einige Verlegenheit , ihm die Rückkehr der Herzogin ankündigte und ihm sagte , daß sie ihn gebeten habe , sie am Abend zu besuchen ; aber er sah ein , daß sich für den Augenblick nichts weiter machen ließe . Die Herzogin empfing den Prinzen in ihrem besonderen Lieblingszimmer , in dem schon erwähnten zauberhaft geschmückten Raum , in dem exotische Gewächse einen feinen , bestrickenden Duft ausströmten und mit rosa Schleiern verhüllte Lampen ein magisches Licht verbreiteten . Sie war in einem Überwurf von indischem Musselin , reich mit Spitzen verziert , dessen weite Ärmel die schönen Arme freiließen und dessen zarter Stoff die edlen Formen der königlichen Gestalt in weichen Falten umfloß . Die Freude , die auf ihrem Angesicht erglänzte , als Waldemar eintrat , die glutvolle Zärtlichkeit , mit der sie ihn empfing , die ganze Atmosphäre von Eleganz , Feinheit und vornehmer Grazie , die in dem Raum herrschte , alles das wirkte schon wieder wie ein Zaubertrank auf ihn , der seine Sinne gefangennahm und sein Blut heißer zum Herzen strömen ließ . Dennoch gewann er es über sich , ruhig freundlich , beinahe kühl , in den Grenzen der feinsten Umgangsformen zu bleiben , aber Giulias erfahrenes Auge erblickte hinter der mühsamen Zurückhaltung das emporflammende Feuer , und die ihr angeborne Kunst der Koketterie ließ sie den Weg finden , der ihr zum Sieg verhelfen mußte . Nach dem unverhohlenen Ausdruck des zärtlichsten Glücks , ihn zu sehen , schien sie wie beschämt über ihre Hingerissenheit und wurde auch zurückhaltend und traurig , so daß Waldemar , mehr und mehr von dem berauschenden Zauber ihrer Nähe erregt , anfing , inniger zu werden , und als sie sich seufzend abwendete und mit Tränen zu kämpfen schien , ergriff er mit überwallendem Gefühl ihre Hand und sagte : » Meine herrliche Freundin , Sie haben mir das Recht gegeben , Sie so zu nennen , Sie sind unglücklich , Sie haben neuen Kummer , darf ich ihn nicht teilen ? Darf ich das Recht des Freundes nicht in Anspruch nehmen ? Ist nicht mein Herz da , in das Sie Ihr Leid ausschütten können , damit Ihre Last leichter werde , indem ich mein Teil davon nehme ? « Giulia erhob langsam ihren Blick zu ihm und in dem Feuer dieser wunderbaren Augen lag eine solche Welt von Liebe , Leidenschaft und Schmerz , daß abermals all seine Vorsätze wie in Duft zerflossen . Er führte Giulias Hand , die er noch hielt , an seine Lippen , drückte einen heißen Kuß darauf und flüsterte : » Giulia , reden Sie , vertrauen Sie mir ganz . « » Ach , mein Freund , « erwiderte sie , » was soll ich noch sagen ? Erklärt sich nicht alles aus dem einen : Gefesselt zu sein an einen ungeliebten Mann und zum erstenmal dem zu begegnen , in dem sich unser Ideal verwirklicht , in dem sich Jugend , Schönheit , Geist und Liebe zu einem entzückenden Traum vereinigen ? « Sie ließ , erschöpft , ihr Haupt auf Waldemars Schulter sinken , und er , seiner nicht mehr mächtig , umschlang sie und bedeckte ihr Antlitz mit feurigen Küssen . Als er spät von ihr schied , war er ein veränderter Mensch , nicht mehr der in hohen Idealen lebende Jüngling . Er war erwacht zu der Wirklichkeit des Lebens und schien sich selbst um vieles älter geworden . Noch umfloß ihn der Wonnerausch , den er genossen , aber in seinem tiefsten Herzen war es ihm , als sei etwas in ihm gestorben . Es rang sich ein geheimes Weh aus seiner Brust empor , als der Kammerdiener , der ihn erwartete , meldete , der Herr Professor sei noch auf und warte auf die Rückkehr Seiner Hoheit . Er trug dem Diener auf , dem Professor zu sagen , er sei zu müde und könne ihn nicht mehr empfangen . Um nichts in der Welt hätte er jetzt dem redlichen Lehrer in die Augen sehen mögen . Über das Vorgefallene zu reden , verboten ihm sein eigenes Zartgefühl und die Schonung für Giulia , aber des Professors treuen Augen hätte der Zustand tiefer Erregung , in dem er sich befand , doch nicht entgehen können , und er wünschte jetzt überhaupt ein näheres Zusammensein zu vermeiden . Rosa war klopfenden Herzens und sehnsuchtsvoll in die Gesellschaft geeilt , wo sie den Prinzen zu finden hoffte . Um so tiefer war ihre Enttäuschung , als Raden ihr dessen Auftrag ausrichtete und als sie erfuhr , wo er den Abend zubringe . Der bittere Schmerz , den sie empfand , malte sich so deutlich auf ihrem reinen , der Verstellung ungewohnten Antlitz , daß es Raden tief rührte und er sich fast wie schuldig ihr gegenüber fühlte , weil er sich der Hinneigung des Prinzen für sie gefreut hatte , um diesen vor der gefährlicheren Nähe zu behüten . Wie schnell ists doch geschehen , dachte er , daß so ein armes junges Herz von der uralten süßen Täuschung gefangen wird und sich auf Rosenwolken in Paradiese gehoben fühlt , um plötzlich , wenn der Schleier zerreißt , in eine Nacht der Schmerzen und der Qual zu versinken . Ja , wir Männer sind doch grausame Egoisten ! Weil es uns ein momentaner Genuß ist , dem wir gar keine Zukunft zumessen , fällt es uns nicht ein , daran zu denken , ob in einem solchen unschuldigen , noch nie gerührten Herzen die Neigung tiefe Wurzeln schlagen und tiefes Weh zurücklassen könne . Mit erfahrenen Frauen wie der Herzogin ist es anders ; das sind auflodernde Flammen , die versengen , was ihnen nahekommt , doch ohne Schaden für sie selbst . Da ist es der Prinz , der gerettet werden muß . Aber wird er es ? Ich fürchte , eine Lehrmeisterin wie Donna Giulia läßt ihren Zögling nicht los . Ich könnte ihn beneiden , denn