er bei einem Andern gewirkt hätte . » Sihdi , was soll ich sagen ! « stieß er hervor . » Es ist der Wunsch meines Herzens , dein Diener werden zu dürfen , und jetzt , wo ich es noch gar nicht bin und dich noch nicht einmal begrüßt habe , mache ich mich schon eines solchen Fehlers schuldig ! Kannst du denn deine Bücher nicht arabisch schreiben , damit ich , wenn ich die Blätter liegen sehe , gleich lesen kann , ob sie wichtige sind oder ob ich sie wegwerfen darf ? « » Du hast in Zukunft nichts , gar nichts wegzuwerfen , sondern grad die von mir beschriebenen Blätter mit der größten Sorgfalt zu behandeln ! Sie sind mehr Geld wert , als du denkst ! « » Maschallah ! So habe ich Geld weggeworfen ? « » Wahrscheinlich . Ich werde dann nachsehen , was mir fehlt . « » So verzeihe mir , Sihdi ! Oder , ich werde auch etwas auf ein Blatt schreiben ; das wirfst du weg , und dann sind wir quitt ! « Das war im vollsten Ernst gesagt . Ich konnte natürlich gar nicht anders , ich mußte herzlich lachen . Das gab ihm wieder Mut . Er hob die Arme und den Blick wieder empor und fragte : » Was hast du über meinen Wunsch , mit dir zu gehen , beschlossen ? « » Kannst du reiten ? « » Ja . « » Auch zu Pferde ? « » Ja ; prüfe mich ! Ich weiß vom alten Ibrahim Effendi , was für Ritte du schon hast machen müssen . Du wirst mich brauchbar finden . « » So komm am Nachmittag um drei Uhr wieder . Ich werde Pferde besorgen . Wir reiten nach Gizeh und morgen nach Sakkara , Bedraschehn und vielleicht auch nach Heluan . Aber denke nicht , daß wir uns auf Touristenwegen halten werden ! Wie du reitest , und wie bald oder spät du ermüdest , davon wird es abhängen , ob dein Wunsch erfüllt wird oder nicht . « Da holte er tief Atem und versicherte in frohem Tone : » Hamdulillah ! 7. Ich werde dein Diener sein ; ich weiß es ganz gewiß ! Hast du jetzt noch einen Befehl für mich ? « » Nein . Du kannst gehen . « » Allah jesallimak - Gott segne dich ! « Er griff nach meiner Hand , beugte sich zu ihr nieder und drückte sie an seine Lippen . Das geschah in einer Weise , der man es ansah , daß ihm diese herzliche Art der Ehrenerweisung ganz und gar nicht geläufig sei . Ich war geneigt , sie ihm hoch anzurechnen . Wenn ein Araber , der so wie dieser Sejjid Omar um die Erfüllung seiner religiösen Pflichten besorgt ist , einem Christen die Hand küßt , so ist ganz gewiß sein Herz dabei im Spiele . Daß Omar ein gewöhnlicher Eseltreiber war , kann nichts an dieser Sache ändern ; da gibt es keinen Unterschied , sondern da handelt der Niedrigste genau so wie der Höchste . Aber wie kam gerad ich , der ich doch vor gestern abend nie mit ihm gesprochen hatte , zu dieser ganz besonderen Zuneigung ? Der alte Ibrahim Effendi kannte mich ziemlich genau und mochte viel von mir erzählt haben ; aber auch das war für mich noch kein hinreichender Grund . Wahrscheinlich lag dieser in irgend einem Umstande , den ich gar nicht beachtet und also wohl vergessen hatte . Als er fort war , sah ich nach den Papieren auf dem Tische . Zunächst glaubte ich , daß kein beschriebenes fehle ; dann aber dachte ich an die vier Zeilen , welche ich heute Nacht geschrieben hatte , und bemerkte nun , daß diese fehlten . Das war mir fatal , denn ich konnte nun nachdenken , so viel ich wollte , so war es mir unmöglich , mich der Strophe so , wie sie gewesen war , genau zu entsinnen . Ich erinnerte mich zwar des Hauptgedankens , daß es dem Christen nicht zieme , Tempel zu entweihen , da selbst auch dem heidnischen Götterdienste eine von der Erde emporhebende Idee zu Grunde liege , welche zu achten sei und nicht entheiligt werden dürfe ; aber dieser Sinn wollte absolut nicht so leicht , ungezwungen und rein in die Reime fließen , wie er es in den verloren gegangenen Zeilen getan hatte . Ich trat also hinaus auf den Balkon , von welchem man den ganzen , großen Vorplatz übersehen konnte ; aber es war leider nirgends ein Papier zu sehen . Der kräftige Wind hatte es wohl in die Scharia Kahmel oder hinüber nach dem Platze Ibrahim Pascha getrieben . Nun ging ich hinunter , um das Frühstück einzunehmen . Im Bureau ließ ich nach dem Menahouse-Hotel in Gizeh um das Zimmer telephonieren , welches ich zu bekommen trachte , so oft ich draußen bin . Es führt aus demselben eine gut verschließbare Türe direkt ins Freie , so daß man zu jeder Tages- und auch anderer Zeit nach den Pyramiden gehen kann , ohne von den anderen Gästen beachtet zu werden , oder den Schließer belästigen zu müssen . Es wurde mir zugesagt . Im Speisesaale angekommen , sah ich , daß die Chinesen schon gefrühstückt haben mußten . Sie waren nicht da , aber das gebrauchte Geschirr stand noch auf ihrem Tische . An dem zu meiner andern Hand saß Mr. Waller ganz allein . Er hatte die leere Tasse vor sich , sah höchst gelangweilt aus und schien auf seine Tochter zu warten . Als der Kellner mich bediente und dabei an ihm vorüberging , fragte er ihn nach Monsieur Fu und Monsieur Tsi . » Stehen eben im Begriff , abzufahren , « lautete die Antwort . » Was ? Sie reisen ab ? « » Nein . Sie bleiben noch für längere Zeit hier , um die Umgebung